Die Mannschaft von Trainer Marian Wilhelm erkämpft sich ein 1:1 und leistet Rot-Weiss Essen und Uwe Koschinat Schützenhilfe.
Dritte LigaViktoria Köln sorgt für tiefe Duisburger Trauer

Viktoria-Stürmer Jakob Sachse (vorne) in Aktion
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Es waren unfassbare Szenen, die sich am Samstagnachmittag um kurz vor halb vier in Ulm und Duisburg abspielten. Zunächst hatte es so ausgesehen, als würde sich der MSV durch ein 1:1 gegen Viktoria Köln den Relegationsplatz sichern – ehe Ben Hüning in der 92. Minute Rot-Weiss Essen durch sein 3:2 gegen Ulm auf Rang drei schoss. Mehr oder weniger zeitgleich tauchte plötzlich Duisburgs Kapitän Rasim Bulic frei vor dem Kölner Tor auf, jagte den Ball aus wenigen Metern aber nur an den linken Pfosten (90.+7.). Ein Treffer hätte den Aufstiegstraum am Leben gehalten. So blieb nur Duisburger Trauer und Essener Jubel. Während der MSV ein weiteres Jahr in der Dritten Liga antreten wird, hat der Rivale aus dem Ruhrpott in der Relegation die Chance auf die 2. Bundesliga. Wichtigster Helfer für RWE und den langjährigen Fortuna-Trainer Uwe Koschinat war dabei die Viktoria.
Keine 75.000 Euro Nachzahlung für Tyger Lobinger
Die Höhenberger hatten dem MSV mit einem geschlossenen und energetischen Auftritt einen Strich durch die Aufstiegspläne gemacht. Im Vorfeld wurde viel über die 75.000 Euro schwere Nachzahlung für Tyger Lobinger gesprochen, die Viktoria im Falle eines Duisburger Aufstiegs erhalten hätte. Doch von einem Interessenskonflikt war bei den Kölnern nichts zu spüren. „Uns ist es wichtig, dass es immer um den sportlichen Wettbewerb geht und der im Fokus steht“, lobte Trainer Marian Wilhelm. „Das haben die Jungs heute eindrucksvoll gemacht.“
Duisburg war vor 30.343 Zuschauern in der Schauinsland-Reisen-Arena der Druck anzumerken, die Gastgeber kamen nur selten zu ihrem intensiven Spiel, das sie über weite Phasen der Saison ausgezeichnet hatte. So war die Kölner Führung nach 50 Minuten nicht einmal unverdient. Taylan Duman kam über die rechte Seite, seine Flanke wurde zunächst geblockt. Den Abpraller steckte David Otto wieder zum Winter-Zugang der Viktoria durch. Weil sein Gegenspieler wegrutschte, konnte Duman den Ball in den Winkel setzen. Nachdem Otto das 2:0 liegengelassen hatte (64.), kam der MSV in der 76. Minute durch Joshua Bitter zum Ausgleich. In der Schlussphase warf der Favorit alles nach vorne, doch die Höhenberger brachten das Unentschieden mit etwas Glück über die Zeit – und sorgten für Duisburger Tränen. „Nach Abpfiff blutet das Fußballerherz, wenn man sieht, wie knapp Freud und Leid beisammen liegen“, sagte Kölns Trainer Wilhelm.
Letztes Drittliga-Spiel für Simon Handle
Für Simon Handle war es das letzte Drittliga-Spiel, der Routinier beendet nach dem Mittelrheinpokalfinale am kommenden Samstag (15.30 Uhr) gegen die Fortuna seine Karriere. Auch in Duisburg marschierte er pausenlos die Seitenlinie rauf und runter. „Ich bin kaputt und müde. Aber auch unfassbar stolz auf die Truppe und wie wir uns hier präsentiert haben in dem Hexenkessel. Wir waren sehr gut, sehr reif und sehr mutig“, sagte Handle. „Das war ein gelungener Abschied für mich und ein gelungener Abschluss der Saison. Es waren echte Wellen hier im Stadion, teilweise hast du dein eigenes Wort nicht verstanden. Aus egoistischen Gesichtspunkten ist es unfassbar, mit so einem Spiel meine Drittliga-Karriere zu beenden.“
Pünktlich zum abschließenden Pokal-Highlight kamen in Duisburg mehrere Kölner Leistungsträger zu ihrem Comeback: Yannick Tonye, Meiko Sponsel und Christoph Greger wurden im Verlauf der zweiten Halbzeit eingewechselt und sind allesamt Final-Optionen. „Da hat der Trainer die Qual der Wahl“, so Handle.
Viktoria Köln: Schulz - Kloss, Dietz, Eisenhuth (90. Greger) - Velasco (62. Tonye), Duman (83. Engelhardt), Wolf, Handle - Münst - Otto, Sachse (83. Sponsel). – Zuschauer: 30.343. – Tore: 0:1 Duman (50.), 1:1 Bitter (76.).
