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Ehemaliges SA-Lager in PorzAbrissarbeiten abgeschlossen – was nun aus dem Gelände werden könnte

Lesezeit 3 Minuten
Ein leerstehendes Gelände mit einigen Bäumen

Was genau auf dem Gelände am Maarhäuser Weg gebaut werden soll, steht noch nicht genau fest.

Die Zukunft des Geländes an der Frankfurter Straße ist noch unklar. Ein Ort des Erinnerns und Gedenkens wäre denkbar, ebenso eine Bebauung. 

Die Bagger haben ganze Arbeit geleistet. Von den Gebäuden des ehemaligen SA-Lagers an der heutigen Kreuzung Frankfurter Straße/ Maarhäuserweg/ Steinstraße ist nichts mehr zu sehen. Das letzte der drei verbliebenen Häuser musste dem vierspurigen Ausbau der Frankfurter Straße in Richtung Eil weichen. Um das Projekt durchführen zu können, hat die Stadt Teile des Areals gekauft.

Fläche in Porz soll wohl bebaut werden

Das gesamte Gelände gehört der Osmab Holding AG, einem Immobilien- und Projektentwickler aus Rösrath. Im Umfeld der Kreuzung besitzt das Unternehmen schon weitere Immobilien und Flächen, die entweder bereits vermietet sind oder gemietet werden können.

Auch die Fläche am Maarhäuser Weg soll möglicherweise bebaut werden. Das hat Holger Kirchhof, Vorstandsmitglied von Osmab, bestätigt. Was genau auf dem Gelände entstehen könnte, stehe aber noch nicht fest. „Wir sind da ganz am Anfang der Überlegungen“, sagt Kirchhof.

„Allerdings machen wir uns intensiv Gedanken, wie die Ecke zukünftig, sagen wir, einer höherwertigen Nutzung zugeführt werden kann.“ Zuerst müsste aber erst Baurecht geschaffen werden. Die Gebäude des ehemaligen SA-Lagers seien abgerissen worden, da sie „nie wieder einer Nutzung zugeführt worden wäre“. Ungern lasse das Unternehmen leerstehende Häuser auf ihren Flächen stehen, die nicht mehr gebraucht würden, so Kirchhof.

Stadt Köln: Denkmalschutz war nicht möglich

Einige Bürgerinnen und Bürger hätten die Gebäude schon gerne als ein Ort der Erinnerung an ein dunkles Kapitel in der Porzer Geschichte erhalten wollen. Seitens der Stadt spricht man dem Gelände die historische Bedeutung nicht ab. Aber „allein aufgrund seiner ehemaligen Nutzung kann ein Objekt nicht unter Denkmalschutz gestellt werden“, hatte ein Stadtsprecher schon zu einem früheren Zeitpunkt mitgeteilt.

Die mittlerweile abgebrochenen Häuser würden „keinerlei materielle Spuren mehr aufweisen, die seine Nutzung als SA-Schutzhaftlager dokumentieren oder am Objekt nachvollziehbar machen“. Aber der Stadtsprecher betonte auch: „Diese denkmalrechtlichen Aspekte sprechen natürlich nicht gegen eine Gestaltung des Areals als Erinnerungsort oder zumindest das Aufstellen von Erläuterungstafeln vor Ort.“

Und genau das soll auch geschehen. So lud das NS-Dokumentationszentrum (NS-DOK) zu einer Veranstaltung im Bezirksrathauses Porz ein. Der Historiker Frank Schwalm, Mitarbeiter im NS-Dokumentationszentrum und Experte für die Geschichte von Porz und des rechtsrheinischen Kölns, referierte über die NS-Zeit in Porz und die Geschichte des Lagers am Hochkreuz. An den Vortrag schloss sich eine Diskussion über die konkrete Ausgestaltung eines Gedenkortes an. Moderiert wurde sie von Henning Borggräfe, dem Direktor des NS-Dokumentationszentrums.

Porzer Lager war Haft- und Folterstätte

Holger Kirchhof betont, dass Osmab immer gesagt habe, dass man solchen Dingen offen gegenüber stehe. Er sagt auch, dass die Stadt nicht den gesamten Bereich, den sie für den Ausbau der Frankfurter Straße erworben habe, dafür auch benötige. Sprich, dass noch Platz für ein Mahnmal oder ähnliches wäre. Entsprechend müssten solche Überlegungen auch in das Planungsverfahren für den Bereich einfließen.

Das SA-Lager existierte von Juli bis November 1933 in einer ehemaligen Zünder-Fabrik an der Kreuzung der heutigen Frankfurter Straße und des Maarhäuser Weges. Es wurde als Haft- und Folterstätte der nationalsozialistischen SA genutzt. Etwa 100 männliche Gefangene, zumeist politische Gegner des NS-Regimes aus den Reihen der Arbeiterbewegung, waren dort inhaftiert und wurden teils schwer misshandelt.

Porz war damals eine eigenständige Gemeinde, die zum Rheinisch-Bergischen-Kreis gehörte. Die Häftlinge stammten ebenso wie die Täter zumeist aus Porz und umliegenden Dörfern. „Für die lokale Durchsetzung der nationalsozialistischen Herrschaft in der südöstlichen Nachbarschaft Kölns war das vor 90 Jahren eingerichtete SA-Lager am Hochkreuz von zentraler Bedeutung“, so das NS-Dokumentationszentrum.

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