Das Obstmuseum Leidenhausen ist ein Ort zum Träumen – und bietet im Herbst ungeahnte Apfel-Geschmackserlebnisse.
Apfelfest auf Kölner Gut LeidenhausenWorauf es bei Äpfeln ankommt

Robert Schallehn (l.) leitet das Umweltbildungszentrum auf Gut Leidenhausen, Leonard Goossens organisiert das Helfer-Team für das Obstmuseum. Für drei Eimer dieser Größe voll mit Äpfeln ohne faulige Stellen gibt es beim Apfelfest einen Fünf-Liter-Pack Apfelsaft.
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Die Streuobstwiese auf Gut Leidenhausen in Porz, die sich laut Hinweistafel auch „Obstmuseum Leidenhausen“ nennt, hat viel zu bieten. Alte Apfelsorten natürlich, wie sich das gehört. Aber auch Feige, Olive, Nashi-Birne, Granatapfel oder schwarze Maulbeere. Es gibt Zierapfelbäume und extra kleine Apfelbaumexemplare für Schrebergärten – darunter allerdings einige verdorrte Pflegefälle. „Die sind nicht gut angegangen“, sagt Leonard Goossens, der ein 19-köpfiges Streuobstwiesen-Team anleitet, das sich ehrenamtlich um die Pflege des Geländes kümmert.
Manchmal kommt auch Pico zu Besuch, ein Rotschwanzbussard mit wachem Blick, der seit acht Jahren von Carl Casper in der Greifvogelschutzstation auf Gut Leidenhausen betreut wird. Er konnte nicht ausgewildert werden, weil er hier nicht heimisch ist. Er stammt aus Südeuropa. Frei fliegen darf Pico zwar nicht, er ist mit einem Seil an Caspers Falkner-Handschuh befestigt. Aber der Bussard sitzt ein Weilchen auf der Lehne einer Holzbank und blickt über die Obstwiese. Es ist ein guter Platz, um von Freiheit zu träumen.

Carl Casper von der Greifvogelschutzstation auf Gut Leidenhausen mit dem Rotschwanzbussard Pico.
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Die Äpfel an den großen, teils 60 Jahre alten Bäumen sind am Ende des Hitzerekord-Sommers 2026 zahlreich, aber klein. „Die Anlage war sehr gut in diesem Frühjahr“, sagt Biologe Schallehn, „aber mit der Trockenheit im Sommer ist das gekippt.“ Die Früchte sind klein geblieben, und mehr als üblich wurden verfrüht abgeworfen. In dieser Woche werden sie nun geerntet – denn auf Gut Leidenhausen steht das jährliche Apfelfest bevor. Am Sonntag, 13. September, dreht sich von 11 bis 17 Uhr alles um das heimische Kernobst.
Bei einer Saftpressaktion werden Äpfel und Birnen genommen, Quitten dagegen nicht. Die seien zwar lecker im Saft, sagt Schallehn, verstopften aber regelmäßig die Maschine. Schallehn hofft, dass viele Menschen ganz unterschiedliche Apfelsorten vorbeibringen. „Je mehr verschiedene Äpfel wir haben, desto besser wird der Saft“, sagt er.

Robert Schallehn pflückt auf Gut Leidenhausen einen Apfel.
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Die Äpfel müssen nicht hübsch sein, aufs Aussehen kommt es nicht an. „Äpfel von der Streuobstwiese sehen nie so vermeintlich schön aus wie die Zuchtäpfel im Supermarkt“, sagt Schallehn. „Obstwiesen und Obstbäume prägten früher die Landschaft und die Hausgärten“, heißt es auf der Infotafel am Gut Leidenhausen. Heute gibt es stattdessen akkurate Obstplantagen und durchgestylte Ziergärten. Um die ursprünglich im Rheinland heimischen Obstsorten und Wildobstarten einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren, habe die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald das Obstmuseum Leidenhausen gepflanzt.
Leonard Goossens, studierter Chemiker und Physiker, kümmert sich seit rund zwölf Jahren mit seinem Freiwilligen-Team immer dienstags um die Wiese. Pferdemist, Kompost und die Reste der gepressten Äpfel vom Apfelfest müssen an die Bäume, die Wiese muss gemäht werden. Das Steinbeet für die Eidechsen und der Teich für die Frösche brauchen Pflege, Bäume müssen zurückgeschnitten oder neu gepflanzt werden – zu tun gibt es immer etwas. „Aber oft klönen wir länger bei Kaffee und Kuchen, als wir arbeiten“, sagt der 78‑Jährige. Und: „Wer sich uns anschließen will, ist herzlich willkommen.“

Eine Reihe alter Apfelsorten: Gelber Edelapfel, Roter Eiserapfel, Weißer Wintercalvill, Ontario, Schneiderapfel, Rote Sternrenette, Weißer Klarapfel (v. l.)
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Das Besondere an einer Streuobstwiese ist die Vielfalt. Goossens erzählt von Blindschleichen unter der Plane, die über dem Pferdemist liegt. In einem Kasten an einem der Bäume wohnt ein Gartenschläfer. Die Eidechsen, die Frösche, selbst die Wildschweine, die gern mal die Wiese umwühlen, sind willkommen. „Mit bis zu 5000 Tier- und Pflanzenarten zählen Streuobstwiesen zu den artenreichsten Lebensräumen“, heißt es auf der Infotafel. Von den hierzulande 550 Wildbienenarten, von denen etwa die Hälfte gefährdet seien, fühlten sich 70 Arten auf Streuobstwiesen wohl. Genauso wie seltene Orchideen oder Nelken, die besonders lichtbedürftig seien und nährstoffarme Standorte benötigten.
Bei einem Besuch der Streuobstwiese Leidenhausen im Herbst drängt sich natürlich ein Apfeltest auf – der zu ungeahnten Gaumenerlebnissen jenseits der gängigen Supermarkt-Geschmacksrichtungen führt. Goossens sucht sieben Sorten aus: Gelber Edelapfel (der Testsieger, säuerlich, aromatisch, herzhaft), Roter Eiserapfel (fest, mild, etwas blass im Geschmack), Weißer Wintercalvill (Platz zwei, sehr süß und weich), Ontario (für Menschen mit Apfelallergie geeignet, süßlich-mürbe), Schneiderapfel (Platz drei, säuerlich-frisch), Rote Sternrenette (süßlich, irgendwie zäh) und Weißer Klarapfel (mild, eher geschmacklos).
Fragt man Goossens, welche Sorte er besonders schmackhaft findet, sagt er: „Die sind alle lecker.“
Das Apfelfest
Apfelsaft, Apfelkuchen, Apfelwaffeln und mehr werden am Sonntag, 13. September, von 11 bis 17 Uhr am Umweltbildungszentrum auf Gut Leidenhausen angeboten. Alte Obstbaumsorten werden ausgestellt und verkauft, eine Expertin bestimmt mitgebrachte Äpfel (fünf pro Sorte einpacken), es gibt Informationen zu Bienen, zum Imkerhandwerk und zu historischen Landmaschinen.
Bei der Saftpressaktion wird aus mitgebrachten Äpfeln und Birnen ein gemeinsamer „Kölner Streuobstwiesensaft“ hergestellt. Für drei Baumarkteimer (siehe Bild oben) voll mit Äpfeln ohne faule Stellen gibt ein einen Karton mit fünf Litern frischem Saft. Wer große Mengen (ab 100 Kilogramm) pressen lassen möchte, sollte sich vorab anmelden.
Ein Kutschen-Shuttle bringt Besucher vom Parkplatz „Am Hirschgraben“ zum Gut. Wer Äpfel pressen lassen möchte, darf zum Ausladen direkt am Gut vorfahren. Das Parken ist dort nicht erlaubt.
Äpfel ernten für das Saftpressen: Eine Plane unter dem Baum ausbreiten, Baum kräftig schütteln, Äpfel ohne faule Stellen einsammeln – fertig. Die Äpfel für die Saftpresse einzeln zu pflücken, sei viel zu aufwändig und nicht nötig, sagt Robert Schallehn, Leiter des Umweltbildungszentrums.
