Am Hitzewochenende vom 29. bis 30. Juni gab es ungewöhnlich viele Sterbefälle in Köln. Die Bestatter fordern ein besseres Krisenmanagement.
Kühlräume überlastetBestatter fordern Krisenplan wegen Hitzetoten

Einblick in den Kühlraum eines Leichenhauses. (Symbolbild)
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Der Kölner Bestatterverband schlägt öffentlich Alarm: An dem Hitzewochenende vom 29. bis 30. Juni seien die Kühlkapazitäten für Verstorbene in Köln an ihre Grenzen gestoßen. Außerdem habe es keine ausreichende städtische Krisenkoordination gegeben. Der Verband, so Sprecher Brian Wonner-Müschenborn, habe sich daraufhin sofort und mehrmals bei der Stadt gemeldet – schließlich wurde ein Krisengespräch für den 17. August anberaumt. „Das ist viel zu spät. Die nächsten Hitzewellen sind schon angekündigt, da muss man schneller handeln.“ An dem Wochenende waren in Köln 120 Menschen gestorben – normalerweise sind es im Durchschnitt 30 Tote.
„Hygienisch bedenkliche“ Zustände
In einem offenen Brief schreibt der Verband: „Nach unserer Einschätzung hat die außergewöhnliche Zahl der Todesfälle die vorhandenen Strukturen an ihre Grenzen gebracht. Überlastete Kühlkapazitäten, organisatorische Engpässe und technische Ausfälle haben zu erheblichen Herausforderungen geführt.“ Die Situation sei in einigen Lagerorten sogar „hygienisch bedenklich“ gewesen. Leichen hätten in Bodybags aufbewahrt werden müssen, das habe es zuletzt in der Corona-Zeit gegeben. „Hierbei geht es auch um den würdevollen Umgang mit Verstorbenen.“
Die Kühlraumkapazitäten in der Rechtsmedizin und auf dem Südfriedhof und in der Rechtsmedizin seien voll ausgelastet gewesen. Kurzfristig seien auch die Räume auf dem Friedhof Leidenhausen freigegeben worden, doch dort sei die Lüftung ausgefallen. „Das System ist auf solche Ereignisse nicht vorbereitet. Wir brauchen einen Verfahrensplan und ein zentrales Register über die Kühlkapazitäten.“
Keine eindeutige Todesursache festgestellt
Am Mittwoch gab es auf Anfrage dieser Redaktion noch keine Stellungnahme der Stadt zur Kritik der Bestatter. In einem früherem Statement hieß es: „Die Stadt Köln hält auf 20 Friedhöfen Kühlräume in unterschiedlichen Größen vor. Die Gesamtfläche aller Kühlräume beträgt rund 700 Quadratmeter.“ Die Versorgung mit Kühlräumen sei ausreichend. „Insgesamt sind die Nutzungszahlen der städtischen Kühlzellen rückläufig.“ Das liege vor allem daran, dass es immer mehr Urnen-Bestattungen gibt. In Köln machen sie bereits zwei Drittel aller Bestattungen aus.
Bei den meisten Menschen, die an dem Wochenende starben, konnte vor Ort keine eindeutige Todesursache festgestellt werden. In solchen Fällen müssen die Leichen an einem sicheren und kühlen Ort aufbewahrt werden, bis sie untersucht und freigegeben werden. Köln ist nicht die einzige Stadt, die Schwierigkeiten in der Krise hatte. Laut Müschenborn gab es zum Beispiel aus Düsseldorf und Leverkusen ähnliche Berichte.
