Patrick Urbas (34), Lehrer an der Kopernikus-Hauptschule, hat das Projekt „Grenzgänger“ ins Leben. Mit seinen Schülern hat er die Zugspitze erklommen. Das Konzept will er nun anderen Schulen in Köln und Bonn zur Verfügung stellen.
Ziel ZugspitzePorzer Lehrer vermittelt Schülern Selbstvertrauen mit Wanderprojekt Grenzgänger

Patrick Urbas ist Lehrer an der Kopernikushauptschule in Köln-Porz und Initiator des Projektes Grenzgänger
Copyright: Projekt Grenzgänger
In 2025 sind Sie mit Ihrer Klasse nach einem Schuljahr Vorbereitungszeit auf den Gipfel der Zugspitze gewandert. Wie sind Sie auf die Idee gekommen?
Ich habe gemerkt, dass unsere Schüler heutzutage nur noch wenig Durchhaltevermögen, wenig Ehrgeiz und sich auch vor allem nach der Corona-Pandemie viel zu wenig bewegt haben. Deswegen wollte ich ein Projekt gründen, das diese Probleme aufgreift und ihnen entgegenwirkt. Ich hatte schon immer mal eine Klassenfahrt in die Alpen geplant, weil die Bergwelt eine Landschaftsform ist, die die wenigsten Kinder kennenlernen. Und als ich dann 2023 selber an der Zugspitze war, dachte ich, das wäre ein extrem cooles Projekt, mal mit denen da hoch zu wandern. Und ich finde es halt schön, wenn Schule mehr ist als nur Tafel und Klassenraum.
Die Zugspitze ist ein großes Vorhaben.
Ich habe mich dafür entschieden, dass ich mich lieber mit den Schülern strecke, als zu niedrig anzusetzen. Letztendlich steckt dieser Anspruch dahinter, wirklich etwas Besonderes zu machen. Und Deutschlands höchster Berg ist einfach ein sehr, sehr starkes Bild. Das fand ich passend.
Deutschlands höchster Berg ist aber nicht von heute auf morgen erklommen.
Genau. Ich habe natürlich schnell festgestellt, dass es total irrwitzig ist, mit Stadtkindern einfach auf die Zugspitze hoch zu wandern. Um die Sicherheit und alles zu gewährleisten, habe ich dann ein ganzes Projekt daraus entwickelt, das dann auf verschiedenen Ebenen wirken sollte.
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Welche Ebenen sind das?
Sport, gesunde Ernährung und Bewegung im Alltag, um einfach diese körperliche Grundlage zu bilden. Daraus ist dann dieser Gedanke entstanden, langfristig auf ein Ziel hinzuarbeiten. Und Lebenskompetenzen zu erlernen, damit man später seine eigenen persönlichen Ziele im Leben auch erreichen kann. Ich glaube auch, dass es auch ein stückweit Naturerziehung ist.
Das Projekt „Grenzgänger“ ist also im Grunde die Vermittlung eines kompletten Lebenskonzeptes?
Ja. Das Training, die Vorbereitung auf die Reise, auf ein Ziel hinarbeiten, Grenzen überwinden, nicht aufgeben, auch wenn es mal Rückschläge gibt – das alles lässt sich auch auf andere Bereiche des Lebens anwenden.
Inwieweit hat das bei den Jugendlichen schon gewirkt?
Inwiefern das jetzt wirklich dann schon Veränderungen ausgelöst hat, lässt sich aktuell noch sehr schwer bewerten. Ich denke mal, das wird man erst langfristig sehen. Was ich allerdings gemerkt habe ist, dass die Motivation bei vielen auf jeden Fall da ist, den Schulabschluss gut zu schaffen. Auch konnte ich den Schülern ansehen, dass sie einfach stolz auf sich waren. Einige haben ganz oft gesagt, dass sie irgendwann nochmal zurückkommen wollen und ihren eigenen Kindern das zeigen möchten. Dahinter steckt der Gedanke, sein Leben so zu regeln, dass die Grundlage da ist, um so eine Reise antreten zu können.

Schülerinn und Schüler der Kopernikus-Hauptschule in Köln-Porz haben beim Projekt Grenzgänger den Gipfel der Zugspitze erreicht.
Copyright: Projekt Grenzgänger
Was mussten Ihre Schülerinnen und Schüler tun, um diese Grundlage zu haben?
Wir hatten zehn bis zwölf Wandertage, haben uns mit der Bergwelt auseinandergesetzt und mit gesunder Ernährung. Es gab Koch-Coachings in der Schulküche. Da haben die Schüler gelernt, selbstständig zu kochen und sich zu versorgen. In der Unterkunft an der Zugspitze haben wir uns auch selbst versorgt. Unter anderem mit Eingekochtem aus unserem Schulgarten. Dann ging es darum, Sport und Bewegung im Alltag zu integrieren, um diese körperliche Leistungsbereitschaft mitzubringen. Und der letzte Punkt war, dass die Schüler lernen sollten, dass wer was haben möchte, auch etwas dafür tun muss.

Freuen sich auf die Fortführung des Projektes: Patrick Urbas (v.l.), Armando, Ornela, Cassandra, Gabriele Schlünder-Eith und Michael Neuser.
Copyright: René Denzer
Wie haben Sie diesen Punkt vermittelt? So eine Reise kostet schließlich Geld.
Die Schüler haben eine Crowdfunding-Aktion gestartet, haben den Kioskverkauf an der Schule übernommen. Das hieß Brötchen schmieren, den Einkauf kalkulieren. Dadurch konnten wir den Fachbereich Mathematik etwas abdecken und den Sinn für Wirtschaftsdinge fördern. Mit Erfolg. So konnten sich die Schüler am letzten Abend an der Zugspitze einen Restaurantbesuch in einem Viereinhalb-Sterne-Hotel leisten. Das war ein großes Erlebnis, das sie sich selbst erarbeitet haben.
Die „Grenzgänger“-Premiere im vergangenen Jahr ist gelungen, derzeit nimmt eine weitere Klasse der Kopernikus-Hauptschule an dem Projekt teil. Doch dabei soll es nicht bleiben.
Richtig. Ich möchte „Grenzgänger“ zu einer Marke und Netzwerk entwickeln. Davon sollen auch Schüler anderer weiterführender Schulen in der Region Köln-Bonn etwas haben. Dafür habe ich ein Bücherset geschrieben, bestehend aus einem Schulbuch, einer Planungshilfe für Lehrkräfte und einen Wanderführer für die Region Köln-Bonn. Dieses Material werde ich den Schulen zur Verfügung stellen. Finanziert wird das über „Hier mit Herz“ von der Sparkasse Köln-Bonn. Das bedeutet, alle Schulen aus Köln und Bonn bekommen das bezahlt und können diese erste Hürde nehmen und kostenlos ins Projekt starten.
Wenn Sie von Netzwerk sprechen, meinen Sie…?
Eine gemeinsame Community, die sich gegenseitig bei der Durchführung unterstützt. Tipps gibt, wo man zum Beispiel Gelder herbekommt, um die Finanzierung zu sichern. Aber auch, welche Ausrüstung wird gebraucht? Wenn ich das Projekt komplett zu Ende denke, habe ich auch irgendwann mal den Traum, ein „Haus Grenzgänger“ an der Zugspitze bauen zu lassen
Weiterführende Schulen und Lehrkräfte, die Lust haben, sich über das Projekt „Grenzgänger“ zu informieren, sind zu einem Infoabend am Mittwoch, 21. Januar, um 18 Uhr in der Kopernikus-Hauptschule, Bonner Straße 40, mit allen Kooperationspartnern eingeladen. Um Anmeldung per E-Mail wird gebeten.
