Schüler des Lessing-Gymnasiums haben in einem gemeinsamen Projekt mit einer italienischen Partnerschule einen Ballon in 36.000 Meter Höhe geschickt.
Lessing-GymnasiumPorzer Schüler schicken Forschungsballon in die Stratosphäre

Auf dem Sportplatz am Lessing-Gymnasium ließen Schülerinnen und Schüler einen Forschungsballon in die Stratosphäre aufsteigen.
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Ein ungewöhnliches Wissenschaftsobjekt hob Montagvormittag vom Sportplatz am Zündorfer Lessing-Gymnasium ab: Gegen 10.30 Uhr ließen rund 30 Schülerinnen und Schüler der MINT-Klassen des 9. und 10. Jahrgangs einen mit Helium gefüllten Forschungsballon samt Messstation in Richtung Stratosphäre starten - vor den Augen der gesamten Schülerschaft. Die Kautschukhülle des Ballons war mit mehr als 4000 Litern Helium gefüllt und hatte beim Start einen Durchmesser von etwa zwei Metern. Mit zunehmender Höhe und dem dort sinkenden Luftdruck dehnte sich die Hülle bis zu einem Durchmesser von 20 Metern aus, bis das Material schließlich platzte – ein geplanter Teil des Experiments. Danach begann die Styroporgondel mit der Messstation, befestigt an einem auffälligen roten Fallschirm, zur Erde zurückzusinken.
Zündorfer Schüler erforschen die Atmosphäre
Neben chemischen Versuchen wurden verschiedene physikalische Messungen der Atmosphäre durchgeführt. Besonders gespannt waren die jungen Forschenden auf die Kameraaufnahmen: In gut 36.000 Metern Höhe sollten spektakuläre Bilder entstehen, auf denen die Experimente vor der Kulisse des blauen Planeten und des schwarzen Weltraums zu sehen sind. Das Projekt ist Teil eines MINT-Austauschs mit einer Schule im italienischen Colle di Val d’Elsa. Eine Gruppe des Lessing-Gymnasiums hatte ihre Partnerschule Ende Februar besucht. Nun sind die italienischen Jugendlichen in Köln zu Gast und nehmen mit ihren deutschen Partnern an einem naturwissenschaftlichen Programm teil – der Ballonstart bildet dabei den Höhepunkt.
Unterstützt wurde das Projekt von der Firma Rohde & Schwarz, die der Schule bei der Einrichtung der Funksonde half. Dadurch konnten während des Flugs Live-Messdaten sowie die aktuelle GPS-Position des Ballons in Echtzeit übertragen werden. Auf mehreren Bildschirmen eines improvisierten Kontrollzentrums am Sportplatz verfolgten Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte gespannt den Flug. Auch über Smartphones und Computer konnte die Öffentlichkeit die Daten einsehen. Schülerin Angelina beschrieb der Schulgemeinde den technischen Ablauf bis zum Abheben.
Grenzübergreifend war das Projekt nicht nur durch den Austausch, sondern auch durch die Beschaffung der Technik. Die verwendete Funksonde hatte zuvor bei einem Wetterballonaufstieg des Deutschen Wetterdienstes ihren Dienst getan. Projektleiter Markus Rechmann konnte das ausgemusterte Objekt von einem Sammler aus Tschechien erwerben und für das Schulprojekt wieder nutzbar machen. Und schließlich sorgte der Wind für Internationalität. Berechnungen am Vormittag hatten eine Landung der Messstation in der Eifel vorhergesagt. Doch während des Aufstiegs drehte sich der Wind. Der Ballon wurde weiter nach Westen getragen als erwartet – schließlich landete die Gondel in Frankreich bei Metz. Dank GPS-Tracking konnte eine Gruppe von Schülerinnen und Schülern sie dort aufspüren.
Seit August hatten die Jugendlichen an dem Projekt gearbeitet, und die Arbeit ist noch nicht beendet. Die Auswertung der gesammelten Daten wird die MINT-Kurse noch einige Zeit beschäftigen. Unter anderem wollen die Schülerinnen und Schüler untersuchen, wie sich verschiedene Flüssigkeiten in großer Höhe vermischen. Besonders erfreulich: Am Lessing-Gymnasium engagieren sich inzwischen mehr Mädchen als Jungen in solchen naturwissenschaftlichen Projekten. Für den stellvertretenden Schulleiter Martin Behrens ist das ein deutliches Zeichen dafür, wie attraktiv praktische Forschung für junge Menschen sein kann.
