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FeldhamsterPopulationen in Pulheim entwickeln sich unterschiedlich – Fachleute rätseln

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Ein Feldhamster schaut aus seinem Bau.

Ein Feldhamster schaut aus seinem Bau. 

In Geyen war die Wintermortalität nicht besonders hoch, in Ingendorf hingegen schon. Dort wurden zuletzt nur 74 bewohnte Baue gefunden.

„Den Feldhamstern in Pulheim geht es erfreulich gut. Das letzte Jahr war ausgesprochen hamsterfreundlich“, sagte Christian Chmela, wissenschaftlicher Leiter und Geschäftsführer der Biologischen Station Bonn/Rhein-Erft. Das trockene Frühjahr und die günstige Witterung im Sommer hätten sich positiv auf die Population ausgewirkt.

„Im August und September 2025 haben wir 507 bewohnte Baue gefunden. Das zeigt, dass sich die Population bei recht günstigen Bedingungen erholen kann“, so der Biologe mit Blick auf „den massiven Niedergang“ in den Jahren 2023 und 2024 mit feuchten Sommern und feuchten Wintern. „Die kritische Frage für uns war nun, wie die Tiere durch den Winter gekommen sind. Das wissen wir jetzt.“

Pulheim: Mehr bewohnte Baue gezählt

Die Frühjahrserfassung auf der 6,5 Hektar großen Fläche in Geyen, unweit der Feuerwehr, und dem rund 8,5 Hektar großen Areal in Ingendorf, nahe dem Reitstall Gut Kroschhof, ist abgeschlossen. „Die beiden Flächen haben sich unterschiedlich entwickelt und wir wissen nicht warum. In Geyen war die Wintermortalität nicht besonders hoch, in Ingendorf hingegen schon.“

Im Sommer 2025 hat das Team 311 bewohnte Baue der dämmerungs- und nachtaktiven Nager gezählt; bei der Frühjahrserfassung waren es 319. Ein für den Biologen erfreuliches und überraschendes Ergebnis. Dass das Team mehr offene Baue gezählt hat als im Sommer 2025 erklärt der Fachmann so: „Zwischen der Erfassung im Sommer und im Herbst haben die Tiere noch einmal Nachwuchs bekommen. Hinzu kommt, dass wir im Herbst nicht mehr alle Flächen erfassen.“

Die hohe Wintermortalität hing sicherlich mit dem feuchten Wetter zusammen
Christian Chmela, Geschäftsführer der Biologischen Station Bonn/Rhein-Erft

Ganz anders hat sich die Population in Ingendorf entwickelt. „Im Sommer haben wir 196 Baue gezählt, jetzt nur noch 74. 62 Prozent der Tiere haben den Winter nicht überlebt, das ist sehr viel.“ Es ist nicht das erste Mal, dass die Wintermortalität sehr hoch war. Im Frühjahr 2025 hatte das Team nur 38 offene Baue gefunden, im Sommer 2024 waren es noch 241.

„Die hohe Wintermortalität hing sicherlich mit dem feuchten Wetter zusammen.“ Die nun ermittelten Zahlen könne er sich allerdings nicht erklären, so Chmela. „Die Flächen liegen drei Kilometer Luftlinie auseinander. Der Boden in Ingendorf ist genau so gut wie der in Geyen.“ Das gelte auch für das Nahrungsangebot, es sei vielfältig und reichhaltig. 

Möglicherweise mehr Fressfeinde

Auf den Flächen, die die mehr als ein Dutzend Pulheimer Landwirte für den Vertragsnaturschutz zur Verfügung stellen, wachsen unterschiedlichste Kulturen wie Winterweizen, Gerste, Ackerwildkräuter, Kornblumen, Klatschmohn, Kamille und Luzerne. Da die Landwirte Getreidehalme stehenlassen, finden die Feldhamster auch nach der Ernte Nahrung und Deckung. „Möglicherweise ist die Prädatorendichte (gemeint sind Fressfeinde) in Ingendorf höher, das wäre ein Ansatz.“

Da die Hamsterpopulation in Ingendorf zurückgegangen ist, hat sich das Team entschieden, dort weitere Junghamster in ihren natürlichen Lebensraum zu entlassen. Sie stammen aus der Aufzuchtstation des NRW-Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz im westfälischen Metelen. „Bis Ende Mai/Anfang Juni werden es 80 Tiere sein.“

Um die in der EU streng geschützten Nager vor dem Aussterben zu retten, haben sich 2019 mehrere Akteure zusammengetan. Mit im Boot sind neben Landwirten und der Biologischen Station unter anderem der Rhein-Erft-Kreis, das Land und die Stadt Pulheim. Chmela würde sich wünschen, dass weitere Landwirte das Feldhamster-Projekt unterstützten und Flächen für den Vertragsnaturschutz zur Verfügung stellen. „Jede zusätzliche Fläche ist für den Feldhamster, aber auch für die gesamte Feldfauna ein Gewinn.“