Mit erschütternden Eindrücken kehrten 18 Schülerinnen und Schüler des Lessing-Gymnasiums von einer Gedenkstättenfahrt zurück und beschlossen: Die furchtbaren Folgen des Nationalsozialismus müssen der ganzen Schule ins Gedächtnis gerufen werden; Erinnerungskultur und eine bewusste Auseinandersetzung mit dem Grauen sollen am Zündorfer Gymnasium dauerhaft einen Platz finden.
Drei Tage hatten die Jugendlichen aus der Erinnerungskultur-AG in Weimar, Erfurt und Buchenwald verbracht. Unter der Leitung von Michael Mohs von der Jakob-Kaiser-Stiftung hatten sie das ehemalige Konzentrationslager Buchenwald besucht und sich intensiv mit Zwangsarbeit in ganz Weimar auseinandergesetzt. Ein konkretes Beispiel für Unternehmen, die von der Todesmaschinerie profitierten, war dabei das Unternehmen „Topf und Söhne“, das damals die Verbrennungsöfen für Auschwitz lieferte.

Schülerinnen und Schüler der AG Erinnerungskultur beschlossen, an ihrer Schule die Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus wach zu halten.
Copyright: Lilly Barber, Nelly Lubelecka
Zurück in der Schule, beschlossen die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft, die Erinnerungskultur hier buchstäblich zum Wachsen zu bringen. Bei einer Gedenkveranstaltung pflanzten sie im Schulgarten einen Ginkgobaum. Die Lehrerinnen Cornelia Scheidgen und Cathrin Stoffregen sprachen von der vielschichtigen Bedeutung des Ginkgos und würdigten den neuen Gedenkort in seiner Bedeutung für die Gegenwart. Die Teilnehmenden der Gedenkstättenfahrt verknüpften die Pflanzung mit ihren intensiven Eindrücken von der Fahrt, erinnerten an die schrecklichen Opferzahlen und appellierten an Courage und persönlichen Einsatz, um eine Wiederholung dieses Grauens zu verhindern. Es gelte, sich in eine Auseinandersetzung mit dem Rechtsextremismus zu begeben, der auch in der heutigen Gesellschaft noch – und immer wieder in neuer Form – vorhanden sei. Alle Gäste legten als Zeichen der Erinnerung weiße Steine auf die neue Erde.
In der Gedenkstunde zum Baumpflanzen hatte Pfarrer Rolf Theobold zuvor den Unterschied zwischen Schuld und Verantwortung beschrieben, zu einem lebendigen Miteinander ermutigt und verdeutlicht, dass hinter jedem Namen eines Opfers ein Mensch stand, ein Erwachsener oder ein Kind. Er rief den Gästen ins Bewusstsein, dass jeder Name eines Kindes auch der des eigenen Kindes hätte sein können.
Beiträge auf der Homepage des Lessing-Gymnasiums
Auszüge aus biografischen Berichten ehemaliger Schülerinnen und Schüler der Jawne, des einstigen jüdischen Reform-Realgymnasiums in Köln, gaben Einblicke in die Zeit, da das systematische Morden begann. Mit bewegenden Liedern wie „Ihr Mächtigen, ich will nicht singen“ und „Shalom aleichem“ umrahmte ein kleiner Chor unter der Leitung von Edith Timpe die Gedenkstunde.
Schulleiterin Andrea Meinecke dankte den Teilnehmenden der Gedenkstättenfahrt und den engagierten Jugendlichen und Lehrerinnen, die sich für die Erinnerungskultur an der Schule einsetzen. Schülerinnen wie Hannah Pflüger, Lilly Barber und Nelly Lubelecka setzen hier weiterhin Zeichen: mit Beiträgen zur Erinnerungskultur auf der Schulhomepage, mit Informationen zum Anne-Frank-Tag sowie mit Flyern und Zitaten im Schaukasten. Sie machen jungen Menschen Mut zur Auseinandersetzung.
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