Kalk – Eine Jahreshauptversammlung gehört für Vereine und Gruppen zwar zum festen Programm, ist für Außenstehende aber meistens völlig uninteressant.
Umso überraschender war es, dass sich ausgerechnet für die Veranstaltung der Löschgruppe Kalk eine ganze Reihe bekannter Gesichter im Vereinsheim des Kalker Schützenvereins einfand. Neben Bürgermeisterin Elfi Scho-Antwerpes und dem Bundestagsabgeordneten Karsten Möring (CDU) waren Landtags- und Stadtrats-Mitglieder unter den Gästen, ebenso Joachim Wüst vom Festkomitee Kölner Karneval. Doch was zog sie am Samstagabend ausgerechnet in diesen Kalker Keller?
Die Antwort darauf gibt vermutlich die Geschichte der Löschgruppe Kalk, denn die ist besonders kurz. Im November 2017 gründete sich die Einheit der freiwilligen Feuerwehr, auf den Tag genau 140 Jahre nach ihrer historischen Vorgängergruppe.

Elfi Scho-Antwerpes (l.) testet „ihren“ Helm ; Nico Blum (l.), mit Tom Gerhardt (M.) und Hendrik Rawe, (r.) von der Freiwilligen Feuerwehr Kalk .
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Damals, als die Stadt Kalk noch nicht Teil Kölns war, gab es schon mal eine Kalker Feuerwehr, die bis kurz nach der Eingemeindung 1910 Bestand hatte. Ein Novum in der Geschichte der Kölner Feuerwehr, denn dass eine Löschgruppe neu gegründet wird, das gab es bis dahin noch nicht. Alle anderen Löschgruppen der Stadt, die vor allem in den äußeren Stadtteilen aktiv sind, waren nach Eingemeindungen der Orte weiter betrieben worden. Damit ist die Löschgruppe Kalk offiziell die zweitjüngste Feuerwehr Deutschlands, nur eine Gruppe aus Berlin wurde noch später gegründet.
Mit dem Beginn der Planungen für eine neue Feuerwache in Kalk, die aktuell an der Gummersbacher Straße entsteht, kam auch die Idee eine Wiederbelebung der Löschgruppe auf. Diese besteht inzwischen aus 29 Aktiven, viele von ihnen mit Feuerwehr-Erfahrung. Doch weil sich die Eröffnung der Kalker Wache immer weiter verzögert, haben die Männer und Frauen bis heute keinen festen Standort.
„Wir genießen den Einzugstermin im Sommer 2019 mit Vorsicht“, sagt Löschgruppenführer Hendrik Rawe. Den Zeitplan sieht er skeptisch, zu häufig gingen Subunternehmer insolvent, sodass sich der Bau weiter hinzieht. Übergangsweise nutzt die Gruppe derzeit ein altes Gebäude der ehemaligen Chemischen Fabrik, das die Ehrenamtlichen selbst herrichteten. Doch spätestens in einigen Monaten soll das Quartier abgerissen werden.

Fank Stobbe (r.), stellvertretender Amtsleiter der Feuerwehr Köln.
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Die Berichte der Funktionsträger zeigen: Eine neue Feuerwehr zu gründen ist ein aufwendiges und kleinteiliges Unterfangen. Fahrzeuge, Geräte, eine Unterkunft, Unterstützung aus der Verwaltung – allesamt Ergebnisse mühsamer Arbeit. Entsprechend übte Bezirksbürgermeister Marco Pagano (SPD) auch Kritik. „Wenn die Verwaltung nicht richtig arbeitet, dann leidet darunter am Ende das Ehrenamt“, sagt er. Gleichzeitig dankten die eingeladenen Gäste den Feuerwehrleuten für ihren Einsatz.
„Sie geben den Menschen in den Veedeln ein sicheres Gefühl“, lobte etwa Bürgermeisterin Scho-Antwerpes. Denn seitdem die Kalker Feuerwehr Mitte Februar offiziell zu ihrem ersten Einsatz ausrücken musste, fiel schon einiges an Arbeit an. Mit 41 Einsätzen in gut einem Monat, die Hälfte davon während des jüngsten Sturmtiefs „Eberhard“, unterstützten die Freiwilligen die Kräfte der Berufsfeuerwehr bislang. Dass das Interesse an der Gruppe so groß ist, liegt nicht zuletzt an der sehr aktiven Werbung um neue Mitglieder. So produzierte die Feuerwehr zusammen mit Komiker Tom Gerhardt ein Werbevideo, dass auf Facebook mehr als 1,5 Millionen mal gesehen wurde. Gerhardt, der selbst aus Kalk stammt, wurde für seine Unterstützung von den Feuerwehrleuten geehrt.
Infos zu Einsätzen und Mitgliedschaft gibt es unter
www.feuerwehr-kalk.de
Hendrik Rawe,
Löschgruppenführer
Motto der Löschgruppe
