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Köln früher und heuteDas Raderthaler Sendegebäude ist ein Stück Kölner Mediengeschichte

3 min
Historisches Foto vom Raderthaler Sendegebäude im Jahr 1927.

Historisches Foto vom Raderthaler Sendegebäude im Jahr 1927.

Das Gebäude in der Volksparksiedlung war von 1927 bis 1932 Standort des ersten Kölner Senders. Heute befindet es sich in einem kritischen Zustand.

Als der Rundfunk im Jahr 1923 das Laufen lernte, waren die meisten Kölner nicht dabei. Die britischen Besatzer des Rheinlands verboten drahtlose Sende- und Empfangsapparate, aus Sorge, die deutsche Regierung könnte die neuen Medien für politische Propaganda missbrauchen. Doch mit dem Abzug des britischen Militärs Anfang 1926 wendete sich das Blatt. Die „Befreiungsfeier“ vor dem Dom war am 31. Januar 1926 das erste Kölner Ereignis, das im Rundfunk übertragen wurde. Kurze Zeit später bekam Köln mit der „Westdeutschen Rundfunk AG“ (Werag) seinen eigenen Sender.

Programm aus Hörspielen, Diskussionen und Musik

Das Programm aus dem Funkhaus an der Dagobertstraße war eine anspruchsvolle Mischung aus Hörspielen, Diskussionen und Musik. Gesendet wurde es zunächst über den Sender Langenberg, ab Ende 1927 dann über einen Kölner Sender. Standort war der neue Raderthaler Volkspark, der heutige Fritz-Encke-Volkspark. An seiner Westseite entstand nach einem Entwurf des Kölner Architekten Theodor Willkens ein modernes Flachdachgebäude mit Maschinen- und Batterieraum sowie zwei seitlich angesetzten Beamtenhäuschen. Links und rechts wurde es von 80 Meter hohen Sendemasten aus Holz flankiert.

Das Sendegebäude am Fritz-Encke-Volkspark steht seit 2018 leer und befindet sich in einem kritischen Zustand.

Das Sendegebäude am Fritz-Encke-Volkspark steht seit 2018 leer und befindet sich in einem kritischen Zustand.

„Der große Vorteil, den der neue Ortssender den Funkfreunden bringen wird, ist die Unabhängigkeit von einer Außenantenne“, schrieb die „Kölnische Zeitung“ 1927: „Künftig wird ein im Zimmer ausgespannter Draht genügen, ebenso der Anschluß des Geräts an einen metallenen Gegenstand.“ Die Reichspost rechne mit einem „bedeutenden Zuwachs an neuen Hörern“. So kam es dann auch: 1927/1928 hatte die Werag schon rund 350 000 Zuhörer.

Zustand von Sendegebäude ist kritisch

Das Gebäude des Senders Raderthal existiert immer noch, es liegt heute in der Volksparksiedlung, die nach dem Zweiten Weltkrieg angelegt wurde. Sein Zustand ist allerdings kritisch. Besonders das Flachdach bedürfe einer Sanierung, klagte der Rheinische Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz schon vor Jahren. Seit 2018 steht das Gebäude leer, das Grundstück verwildert zusehends. Zuletzt befand sich hier eine Behelfsunterkunft für Geflüchtete. Danach wollte eine Initiative ein Radiomuseum einrichten, wozu es aber nie kam.

Luftbild von 1928 mit dem Raderthaler Volkspark und dem Sendegebäude der „Westdeutschen Rundfunk AG“.

Luftbild von 1928 mit dem Raderthaler Volkspark und dem Sendegebäude der „Westdeutschen Rundfunk AG“.

Wie und ob es weitergeht, ist unklar. Die Stadt will die Immobilie in Erbpacht vergeben. Da sich der Komplex in einem Wohngebiet befinde, seien jedoch nur Nutzungen zulässig, die mit einem Wohngebiet verträglich seien, so eine Stadtsprecherin auf Anfrage: „Ausdrücklich sind dabei öffentliche Nutzungen ausgeschlossen.“ Ein entsprechendes Interessenbekundungsverfahren sei im August 2025 eingeleitet worden. Bisher seien vier Nutzungskonzepte eingegangen. Sie würden derzeit von verschiedenen Fachdienststellen geprüft. Die abschließende Entscheidung liege beim Rat.

Alexander Hess vom Rheinischen Verein befürchtet, dass das Denkmal mit seiner außergewöhnlichen Geschichte bald nicht mehr zu retten ist: „Ein Gebäude, das nicht genutzt wird und ein undichtes Dach hat, ist irgendwann zum Abriss bereit.“ Auch wenn die Sendeanlagen schon 1932 wieder abgebaut wurden, handele sich doch um ein bedeutendes Zeugnis der Mediengeschichte: „Wenn man Köln immer als Medienstadt vermarktet, ist es eine Schande, dass man so ein wichtiges Gebäude vergammeln lässt.“