Die Frauenrechtlerin setzte sich unter anderem gegen das Abtreibungsverbot ein und gründete die feministische Zeitschrift „Emma“.
150 aus 150Alice Schwarzer prägte die zweite Welle der Frauenbewegung

Die Frauenrechtlerin Alice Schwarzer. (Archivfoto)
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Zum 150. Geburtstag des Kölner Stadt-Anzeiger stellen wir jeden Tag eine bedeutende Kölner Persönlichkeit vor. Im 66. Teil der Serie geht es um die Journalistin und Frauenrechtlerin Alice Schwarzer.
Bedeutung
Am 6. Juni 1971 erschien das Magazin „Stern“ mit dem Titel „Wir haben abgetrieben!“. 374 Frauen, darunter einige Prominente, bekannten sich zum Verstoß gegen den Paragrafen 218 des Strafgesetzbuches. Die Veröffentlichung erregte großes Aufsehen. Initiatorin war die in Paris lebende Journalistin Alice Schwarzer, die die Aktion nach französischem Vorbild nach Deutschland brachte. Tatsächlich hatten nicht alle beteiligten Frauen eine Schwangerschaft abgebrochen. Später deklarierte Schwarzer die Story als Beginn der hiesigen feministischen Bewegung.
Schwarzer begann 1966 ein Volontariat bei den „Düsseldorfer Nachrichten“ und ging Anfang 1969 zum Satiremagazin „Pardon“, wo sie die einzige Frau in der Redaktion war. Nach wenigen Monaten zog sie nach Paris, berichtete von dort über die Studentenrevolte und beteiligte sich an der Gründung der französischen feministischen Frauenbewegung. Im Herbst 1971 erschien ihr erstes Buch „Frauen gegen den § 218“, es folgten bis heute mehr als 40 weitere. Ab 1974 arbeitete Schwarzer wieder in Deutschland, unter anderem für den WDR. Seit 1977 erscheint unter ihrer Leitung das erste überregionale feministische Magazin „Emma“.
Schwarzer gilt als die feministische Vorkämpferin, die die größte Öffentlichkeit erreicht. Auf Kritik – auch in feministischen Kreisen – stießen ihre Äußerungen zum Recht auf Selbstbestimmung des eigenen Geschlechts oder zum Tragen von Kopftüchern aus religiösen Gründen sowie 2023 ihr Ruf nach einem Stopp von Waffenlieferungen an die Ukraine.
Alice Schwarzer
Geboren: 3. Dezember 1942 in Wuppertal
Wirken in Köln
Schwarzer, die in Köln und in Paris lebt, initiierte 1984 die Errichtung einer Feminismus-Dokumentationseinrichtung. Zehn Jahre später bezog der „FrauenMediaTurm“ den von der Stadt renovierten Bayenturm, in dem auch die „Emma“-Redaktion sitzt.
Bemerkenswert
2014 wurde bekannt, dass sie Einnahmen auf einem Konto in der Schweiz nicht versteuert hatte. Der Rechtsstreit wurde 2016 mit einem Strafbefehl und durch Zahlung einer sechsstelligen Summe beendet.
Spuren in der Stadt
1992 erhielt sie die „Dr. Kurt Neven DuMont Medaille“ der Westdeutschen Akademie für Kommunikation. Zum 40. Jahrestag ihres Umzugs nach Köln trug sich Schwarzer 2022 ins Gästebuch der Stadt ein.
Der Autor der 150 Kölner Persönlichkeiten ist Dr. Ulrich S. Soénius. Der Historiker und Direktor der Stiftung Rheinisch-Westfälisches Wirtschaftsarchiv zu Köln (RWWA) hat als Mitherausgeber des Kölner Personenlexikons (2008) über 630 Biographien für das Standardwerk zur Kölner Geschichte verfasst.