Marita S. fiel im Rollstuhl die Notausgangstreppe hinunter. Zwei Wochen später starb sie im Krankenhaus. Die Stadt widerspricht der Darstellung des Heims.
Tödlicher UnfallSeniorin stirbt nach Sturz von ungesicherter Treppe – Nachspiel für Kölner Altenheim?

Marita S. fiel im Rollstuhl die Notausgangstreppe hinunter. Zwei Wochen später starb sie im Krankenhaus (Symbolbild).
Copyright: Sebastian Kahnert/dpa
Am 10. Dezember stürzte die demenzkranke Seniorin Marita S. mit ihrem Rollstuhl eine ungesicherte Notausgangstreppe im Seniorenzentrum Maternus in Rodenkirchen hinunter (wir berichteten). In der Nacht zu Heiligabend starb die 76-Jährige, die mehrere Jahre in der Einrichtung gelebt hatte. Nun droht dem Altersheim ein juristisches Nachspiel.
Wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft bestätigte, läuft derzeit ein sogenanntes Todesermittlungsverfahren, um die genaue Todesursache zu klären. Je nach Ergebnis könne sich daran ein Ermittlungsverfahren anschließen.
Darauf hofft Harald S., der Bruder der Verstorbenen. Nach seiner Darstellung war Marita S. am Mittwoch, 10. Dezember, in einem unbeobachteten Moment mit ihrem Rollstuhl eine Treppe an der für Bewohnerinnen und Bewohner frei zugänglichen Terrasse im ersten Obergeschoss des Wohnheims hinuntergestürzt. Die Treppe dient als Flucht- und Rettungsweg und führt direkt auf die Straße. Der obere Zugang von der Terrasse aus war nach Angaben von Harald S. jedoch nicht gesichert.
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Stadt: Treppe hätte gesichert werden können
Gegen 13 Uhr sei seine Schwester am Fuße des oberen Treppenabschnitts gefunden worden, schildert er. Wie lange sie dort hilflos neben ihrem beschädigten Rollstuhl gelegen habe, sei unklar. Marita S. wurde mit mehreren schweren Knochenbrüchen in ein Krankenhaus gebracht, wo sie am 23. Dezember starb.
Bereits kurz nach dem Sturz erstattete Harald S. Anzeige gegen das Altenheim wegen der ungesicherten Treppe. Die Cura-Unternehmensgruppe, die das Seniorenzentrum betreibt, hatte dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ Ende Dezember erklärt, der zuvor an der Treppe installierte Fallschutz habe „auf ausdrückliche Anweisung der Feuerwehr“ entfernt werden müssen, da Flucht- und Rettungswege nicht abgesperrt oder durch Hindernisse eingeschränkt werden dürften.
Diese Darstellung weist die Stadt jedoch zurück. Das Gebäude sei zuletzt im Jahr 2022 im Rahmen der Brandverhütungsschau überprüft worden, teilte eine Stadtsprecherin auf Anfrage mit. „Weder bei dieser noch bei vorhergehenden Besichtigungen wurde ein Entfernen des beschriebenen Gitters gefordert.“
Zugleich weist die Sprecherin ausdrücklich darauf hin, dass es möglich sei, „Notausgangstüren oder Schutzgitter so zu gestalten, dass diese gefährdete Personengruppe nur im Beisein von Pflegepersonal geöffnet werden können und so die Belange des vorbeugenden Brandschutzes Berücksichtigung finden.“
Angesprochen auf die Aussagen der Stadt wollte sich die Cura-Unternehmensgruppe nicht mehr zu dem Fall äußern. Ein Foto, das Harald S. Anfang Januar aufgenommen hat, zeigt jedoch, dass inzwischen zumindest ein Pylon den Zugang zur Treppe versperrt. Harald S. fordert, dass die „aberwitzige Gefahrenquelle, die meiner Schwester zum Verhängnis wurde“, wie er sagt, Konsequenzen für das Altersheim haben wird. Für ein mögliches Verfahren rechnet er sich gute Chancen aus.

