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Schulplatzmangel
Kölner verärgert über Pläne für neues Gymnasium Rondorf

Lesezeit 4 Minuten
Außenansicht eines provisorischen Interimsbaus in weiß

Der provisorische Interimsbau an der Eygelshovener Straße steht leer. Dort sollen Gymnasiasten einziehen.

Das Gymnasium Rondorf soll in Containern auf dem Schulgelände der Gesamtschule Rodenkirchen starten, viele hatten sich das anders gewünscht.

Die jüngsten Klassen der Gesamtschule Rodenkirchen haben nach den Osterferien ihren Neubau beziehen können. Auf mehr als 5000 Quadratmeter Grundfläche ist Platz für 420 Schüler und Schülerinnen entstanden. Der Erweiterungsbau ersetzt für die fünften und sechsten Jahrgänge den vorhandenen provisorischen Interimsbau. Dort, wo die jetzt leer stehenden Container stehen, war und ist für die Bewohner des Sürther Felds unter anderem ein Nahversorger geplant.

Doch das Schulentwicklungsamt hat andere Pläne. Die Stadt will hier zunächst den Grundstein für das Gymnasium Rondorf Nordwest legen. „Das Gymnasium soll bereits im Schuljahr 2024/25 starten und dafür die Interimsbauten an der Eygelshovener Straße nutzen, die bislang durch die Gesamtschule Rodenkirchen genutzt wurden“, bestätigt die städtische Pressestelle. Die Information war auch schon auf der letzten Schulkonferenz durchgesickert. Kerstin Gaden, Schulleiterin der Gesamtschule, ist darüber, wie sie sagt, „unfassbar sauer“.

Wo sollen denn vier Züge Gymnasium aus Rondorf herkommen?
Kerstin Gaden, Leiterin der Gesamtschule Rodenkirchen

Nicht nur, weil ein brandneues Gymnasium in einem Container-Interim an den Start gehen soll. Ihre Frage: Warum soll es überhaupt ein Gymnasium sein? „Wo sollen denn vier Züge Gymnasium aus Rondorf herkommen?“, fragt die Schulleiterin. Zum Hintergrund: Im November 2018 hatte der Rat der Stadt Köln mit dem Votum von CDU, Bündnis 90/Die Grünen und FDP für ein Gymnasium als weiterführende Schule in Rondorf Nordwest gestimmt. Das Gymnasium ist mit vier Zügen in der Sekundarstufe I und sechs Zügen in der Sekundarstufe II geplant.

Pläne für neues Gymnasium in Köln-Rondorf: Forderung nach einer Gesamtschule wurden ignoriert

„Da läuft gewaltig etwas schief ab nächstem Jahr“, sagt Gaden, die sich ganz klar auf den nicht beachteten Beschluss aus der Schulkonferenz beruft, der eine Gesamtschule fordert. Eine Meinung, die von den Schulleitern im Kölner Süden und der Politik auf Bezirksebene mehrheitlich unterstützt wird. Sogar eine Bürgerinitiative Gesamtschule Rondorf wurde gegründet.

Gaden sieht ein weiteres Problem. „Das von uns bisher genutzte Provisorium verfügt über keinerlei Fachräume. Ich sehe jetzt schon das Gymnasium mit unseren Räumlichkeiten liebäugeln. Aber wir sind völlig ausgelastet.“ Einen wirklich gangbaren Ausweg sieht auch der Bezirksbürgermeister nicht: „Man müsste wohl die Ausschreibung zurückholen, weil die Schule als Gymnasium ausgeschrieben wurde“, sagt Manfred Giesen (Grüne), der auch eine Gesamtschule befürwortet.

Nach Aussage der Stadt ist der Schulstart im Neubaugebiet abhängig von dem Bebauungsplanverfahren und einem möglichen Baubeginn, der für August 2028 vorgesehen ist. Für die jetzt schon absehbare Auslastung des provisorischen Gymnasiums nach zwei Jahren hat die Stadt eine Lösung: „Die bestehenden Modulbaueinheiten der Gesamtschule Rodenkirchen werden als Interim für den vorgezogenen Schulstart für die Schuljahre 2024/2025 und 2025/2026 übernommen. Darüber hinaus erfolgt zunächst für die Jahrgänge 2026/2027 und 2027/2028 eine Erweiterung der Modulbaueinheiten.“

Eltern in Rodenkirchen verzweifelt über Schulplatzmangel an Gymnasien

Schulleiterin Almut Roselieb vom Gymnasium Rodenkirchen sieht die Situation mittlerweile differenzierter. „Wichtig ist, dass es im Allgemeinen mehr Schulplätze gibt. Die Eltern sind schlichtweg verzweifelt, wenn ihre Kinder an weiterführenden Schulen abgelehnt werden.“ 15 Kinder, die das Gymnasium als gewünschte Schulform wählen wollten, musste sie ablehnen. Fast täglich telefoniere sie derzeit mit Anwälten. Die längere Verweildauer der Schüler an einer Gesamtschule waren für Eltern in der Vergangenheit oftmals ein Argument, die Kinder dort anzumelden. Durch die Rückkehr zu G9 am Gymnasium sei dieses Argument allerdings weggefallen.

„Die Verzweiflung wird auch auf die Kinder übertragen“. Nach Ansicht von Roselieb fehle es hier und da allerdings auch an Einsicht. Die Schulwahl sei oft Elternwille, bei der eine eingeschränkte Gymnasialempfehlung mitunter außer Acht gelassen werde. Horst Schneider kann nur noch den Kopf schütteln. 1971 war er Mitbegründer der Gesamtschule Rodenkirchen, von 1988 bis 2009 dort Schulleiter, bis er in den Ruhestand ging. Danach gründete der heute 80-Jährige die Bürgerinitiative Gesamtschule Rondorf, weil er den Ratsbeschluss, ein Gymnasium im Neubaugebiet zu errichten, schlichtweg für falsch hält.

Die Eltern haben den meisten Einfluss. Vielleicht sollten Sie einfach noch einmal demonstrieren?
Horst Schneider, Bürgerinitiative Gesamtschule Rodenkirchen

2000 Unterschriften, davon allein 200 Befürworter einer Gesamtschule aus Immendorf, überreichte Schneider im Dezember 2021 an den Schuldezernenten Robert Voigtsberger. Darunter auch viele Unterschriften aus der Bezirkspolitik und den Vertretern der Schulkonferenz. Gebracht hat es nichts. Bei dem passionierten Pädagogen macht sich nach über 50 Jahren Einsatz für die Gesamtschule eine gewisse Resignation breit. „Die Eltern haben den meisten Einfluss. Vielleicht sollten sie einfach noch einmal demonstrieren?“, sagt Schneider.

Gesamtschule deckt vielschichtiges Einzugsgebiet laut Ex-Schulleiter besser ab

Sein Hauptargument für eine weitere Gesamtschule war immer schon die Integration, die ein Gymnasium nicht bietet, weil dort keine Inklusionskinder aufgenommen werden. Ein weiteres Argument ist das vielschichtige Einzugsgebiet, das Schüler und Schülerinnen aus den umliegenden Veedeln über Rondorf hinaus, von Meschenich, Immendorf, Godorf und den Siedlungen Höningen und Hochkirchen, eine  Schule mit möglichst breitem Angebot zur Verfügung stehen soll. „Hier wird viel zu viel auf dem Rücken der Kinder ausgetragen. Für ein Gymnasium ist hier kaum Bedarf“, sagt Schneider. Den langjährigen Vorsitz des Förderkreises hat er ebenfalls im November abgegeben. „Ich habe nicht mehr kandidiert“.

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