Raderberg – Nonnen, die Eis verkaufen, ein Club für mittelalterliches Söldner-Fechten und eine südindische Tanzgruppe: Auf dem jährlichen Raderberger Straßenfest am Wochenende wurde deutlich, was das Viertel besonders macht. „Wir von den Benediktinerinnen sind ein fester Bestandteil des Veedels-Lebens“, erklärt Schwester Josefin vom Radeberger Kloster. Sie verkauft mit ihren Ordensschwestern am Straßenrand Eis gegen die Hitze. „Unser Eis ist zwar nicht selbstgemacht, aber wir verkaufen es zum Einkaufspreis, also ohne Profit zu machen. Denn wir glauben, dass die Gemeinschaft allen etwas geben sollte, auch den sozial Schwächeren. Außerdem kennen wir die Leute inzwischen bereits gut und wenn wir wissen, dass die Familien es sich nicht leisten können, dann geben wir das Eis auch gerne mal umsonst ab.“
Solidarität ist auch wichtig für Uli Kievernagel, den Vorsitzenden des Bürgervereins Raderberg und -Thal. „Wir erleben momentan eine ganz starke Veränderung im Veedel vor allem, weil sehr viele Leute zuziehen. Deswegen haben wir uns als Bürgerverein gegründet und auch dieses Fest organisiert. Wir möchten, dass die Raderberger sich kennenlernen. Denn wenn man mal ein Kölsch zusammen getrunken hat, dann klärt man Probleme auch ohne Ordnungsamt.“
„Ich bin ein original Raderberger”
Auf der Bühne traten vor allem lokale Musiker und Vereine traten auf, ganz nach dem Motto „Uss em Veedel für et Veedel“. Aus Raderberg kommt auch Paul Leischner. Der 81-Jährige spielte am Samstag die Drehorgel. „Ich bin ein original Raderberger,“ erklärt er, „und als ich dann das mit dem Straßenfest mitbekommen habe, habe ich gefragt, ob die mich brauchen können. Ich trage gerne etwas zum Veedels-Leben bei und hoffe, dass Raderberg auch weiterhin ein sehr lebendiges und lebenswertes Viertel bleibt.“ Aber es geht nicht nur um Unterhaltung, sondern auch um Information zum Beispiel über Verkehrspolitik. Wenn Raderberg wächst, bedeutet das natürlich auch mehr Familien und mehr Autos. Und gleichzeitig möchten wir das Veedel natürlich sauber und kinderfreundlich haben. Deswegen sind wir sehr glücklich, dass auch die KVB hier über ihre Angebote informiert.“
Die KVB stellte auf dem Straßenfest mit der Buslinie 133 ihre erste Buslinie vor, die komplett mit Elektrostrom betrieben wird. Sie fährt vom Breslauer Platz bis Zollstock Südfriedhof. Die KVB hat das Ziel, bis 2030 alle Busse mit Elektroantrieb fahren zu lassen. Auch ihr Leihrad-Angebot will sie bis 2020 ausweiten.
Das könnte Sie auch interessieren:
Auch Parteien nutzten das Straßenfest, um sich vorzustellen – bis auf die AfD. „Demnächst wird auch hier in Raderberg ein Flüchtlingsheim gebaut werden und wir werden alles daransetzen, unsere neuen Nachbarn ganz nach unserer Devise des Miteinanders willkommen zu heißen. Deswegen möchten wir ganz bewusst nicht mit der AfD kooperieren“, stellt Kievernagel klar.
Bei den Bürgern kommt das Fest an. Familie Parkinson etwahat es bei strahlendem Sonnenschein genossen. Selbstverständlich holen auch sie sich noch ein Eis von den Nonnen. Wie es denn schmeckt? Da müssen die vier Kinder nicht lange überlegen: „Lecker!“