Dass der Gottesweg in Zollstock keine Publikumsfrequenz wie die Schildergasse hat, muss man niemandem in Köln erklären. Auch Volker Kleinz und Maruan Bahrour nicht. Gleichwohl sind die beiden Männer entschlossen, die Straße zu einer kleinen Kunstmeile zu machen, was am Eröffnungsabend der Stage Gallery bereits geglückt ist. Bei der Vernissage war der ehemalige Fahrradladen jedenfalls proppenvoll; was gewiss auch daran lag, dass sowohl Kleinz als auch Bahrour eine Kunst präsentieren, die nicht überall zu sehen ist.
Stage Gallery musste aus angestammter Innenstadt-Lage weg
Streng genommen musste man bei dem Event von einer Wiedereröffnung sprechen. Bahrour, der bereits seit vielen Jahren als Fotokünstler arbeitet und 2019 die Internationale Sofortbild-Kunstausstellung „x roid“ ins Leben rief, hatte „The Stage Gallery“ bereits vor fünf Jahren in der St.-Apern-Straße gegründet. Dort konnte er wegen des Verkaufs der Location jedoch nicht bleiben, wich daher vorübergehend nach Bonn aus, bis sich an seinem Wohnort Köln vor Kurzem eine neue Gelegenheit bot.
Bei der Vernissage zeigte der 59-Jährige sowohl Polaroid-Aufnahmen, die er nach der Entwicklung aufgeschnitten und mit 24-karätigem Blattgold unterlegt hatte, als auch eine stark vergrößerte Aufnahme einer Stierkampfszene, auf der man deutlich (Schachthof)Blut erkennen konnte. Eine besondere Prägung haben einige von Bahrours Arbeiten vor allem deshalb, weil der Künstler sie teils wochenlang mit Flüssigkeiten wie Rotwein oder Haushaltsreiniger tränkt.
Der trügerische Engel besteht aus 1500 spitzen Eisenteilen
Der Kölner Volker Kleinz ist seit Langem mit Zollstock verbunden. Seine Arbeiten sind nicht nur optisch auffallend, sondern auch figürlich teils im wahrsten Sinne des Wortes herausstechend. Den „trügerischen Engel“, der in einer kleineren Ausführung auf Melaten steht, hat der historische Kunstschmied mit so scharfen Fingerspitzen gestaltet, dass man bei dieser aus 1500 Teilen bestehenden Eisenskulptur besser Abstand halten sollte.
Bei anderen Werken wie der Arbeit „Expansion“ greift der 67-jährige Bildhauer mit streng geometrischen Formen Elemente des Kubismus auf. Eine besondere Wirkung erzielen die Arbeiten durch den verwendeten Cortenstahl, der eine gleichmäßige Oberflächen-Rostschicht bildet. Neben Bahrour und Kleinz waren Rosemie Becker, Silvia Günther sowie Carsten Robert Demski mit ihren Arbeiten vertreten, drei Künstler, denen man bei künftigen Ausstellungen wieder begegnen wird.
The Stage Gallery, Gottesweg 31. Nächste Ausstellung „White Space“ vom 4. bis 11.11.2026. Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 15-19 Uhr, Samstag 13-16 Uhr.

