Eltern hatten eine Alternative zum deutlich teurer gewordenen Deutschlandticket Schule gefordert. Das ist auch für die Stadt günstiger.
Rückkehr zu KVB-AlternativeKölner Stadtrat schafft Deutschlandticket Schule ab – Zu teuer geworden

Kölner Eltern sollen ab kommendem Schuljahr das günstigere Schülerticket der KVB erhalten (Symbolfoto).
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Der Kölner Stadtrat will das Deutschlandticket für Schüler abschaffen. Stattdessen sollen Kölner Eltern ab kommendem Herbst wieder ein Schülerticket der KVB für 30 Euro im Monat beziehen. Die Kosten für das Deutschlandticket für Schüler sind mit dem 1. Januar dieses Jahres auf 43 Euro im Monat gestiegen – kein fairer Preis mehr, befand unter anderem der Arbeitskreis Eltern Kölner Gesamtschulen die Möglichkeit, zwischen dem Deutschlandticket und einem nur stadtweit gültigen, dafür günstigeren Ticket wählen zu können, wir berichteten. Eine Petition der Eltern erhielt mehr als 8500 Unterschriften.
Im Dezember hatte der Rat die Verwaltung beauftragt, einen Beschluss zur Rückkehr des Schülertickets zu erarbeiten, den legte sie jetzt vor. In einer Sondersitzung des Schulausschusses am Mittwochabend sowie in der Ratssitzung am Donnerstag will eine Mehrheit der Fraktionen ihn verabschieden. Nicht nur die Eltern zahlen dann weniger, auch für die Stadtkasse bedeutet der Wechsel Einsparungen von 390.000 Euro. Die Stadt zahlt Ticketanteile für Schülerinnen und Schüler, die freifahrtberechtigt sind, etwa weil sie weit entfernt von ihrer Schule wohnen. Und ist das Ticket insgesamt günstiger, fällt auch die Summe des städtischen Zuschusses geringer aus. Der reduzierte Ticketpreis für Freifahrtberechtigte soll weiterhin bei 14 Euro pro Kind pro Monat (7 Euro für ein Zweites) bleiben.
KVB-Schülerticket bis Aachen gültig
Das Kölner Schülerticket, das neu erarbeitet wird, soll im Verkehrsverbund Rhein-Sieg VRS und im Aachener Verbund AVV gültig sein, weil beide Verbünde an einer Fusion arbeiten und ein einheitliches Schülerticket einführen wollen.
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Das Deutschlandticket Schule kostete bei seiner Einführung im August 2023 Eltern je Kind im Monat 29 Euro. Eine Mehrheit im Rat hatte sich begeistert gezeigt und zugestimmt. Ab 1. Januar 2025 kostete das Ticket dann 38 Euro, aber mit der erneuten Erhöhung zu diesem Jahreswechsel auf 43 Euro stiegen die Kosten um 14 Euro an, in nur anderthalb Jahren. Durch den Festbetrag, den das D-Ticket Schule stets weniger kostet als das allgemeine D-Ticket, werden Familien überproportional belastet: Während das normale D-Ticket seit 2023 um 28 Prozent teurer wurde, erhöhte sich der Preis für Schulkinder um 48 Prozent.
Im „Kölner Stadt-Anzeiger“ hatte Christine Kiauk, Mutter zweier Kinder, gefragt: „Ist das angemessen?“ Die Kölnerin hatte gesagt: „Es ist unfair, dass die Stadt Köln als Schulträger mit der KVB einen verpflichtenden Vertrag für das Deutschlandticket geschlossen hat.“ Mutter Silvia Rick ist Teil der Stadtschulpflegschaft der Gesamtschulen in Köln und hatte gesagt: „Gerade für Familien, die mehrere Kinder haben, ist das eine drastische Erhöhung.“ Für zwei Kinder sind es 1032 Euro, für drei 1548 Euro.
Kölner SPD: „Erfolg für Familien“
Ein Kritikpunkt der Eltern am D-Ticket, den die Politiker aufgriffen, lautete auch, dass der tatsächliche Bedarf der Familien nicht berücksichtigt werde. Denn Schülerinnen und Schüler nutzen nur zu einem kleinen Anteil das Deutschlandticket für verbundübergreifende Fahrten. Das hat eine deutschlandweite Marktforschung in Auftrag gegeben von der Deutschen Bahn und des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen im Zeitraum des ersten Halbjahrs 2024 gezeigt. 81,2 Prozent der befragten Schüler zwischen 14 und 17 sagten, sie nutzten es „ausschließlich im Gebiet meines lokalen Verkehrsverbundes“.
Oliver Seeck, schulpolitischer Sprecher der SPD, sieht die bevorstehende Rückkehr zum Kölner Schülerticket als einen „Erfolg für Familien“: „Ein bezahlbares Ticket für Schülerinnen und Schüler bleibt erhalten und entlastet den Geldbeutel vieler Eltern spürbar.“ Er hatte schon im Januar 2025 versucht, ein günstigeres Ticket einzuführen, hatte aber keine Mehrheit gefunden.
Bärbel Hölzing, schulpolitische Sprecherin der Grünen, sagte jetzt, durch die erneute Anhebung der Preise für das D-Ticket, habe sich die Situation verändert. Helge Schlieben, schulpolitischer Sprecher der CDU, sagte, seine Fraktion habe sowieso das „gute alte Kölner Schülerticket“ von Anfang für eine bessere Wahl als das D-Ticket gehalten.
Kölner Eltern haben weiterhin keine Ticketwahl
Die pauschale Abkehr vom D-Ticket für alle entspricht allerdings nicht ganz dem Wunsch der Eltern. Die hatten schließlich die Möglichkeit gefordert, selbst wählen zu können. Laut NRW-Erlass entscheidet der Schulträger über das angebotene Schülerticket-Modell. Zuständig für städtische Schulen ist damit die Kölner Politik und sie kann höchstens nach Schulform unterscheiden, also zum Beispiel für Grundschulen ein anderes Ticket als für weiterführende Schulen wählen.
„Die Wahl zwischen dem Deutschlandticket Schule und einem Schülerticket im Subventionsmodell ist somit nicht je Einzelfall möglich“, teilt die Stadt mit. Die Eltern selbst können also nicht frei wählen. Wer tatsächlich das D-Ticket nutzt, um auch in benachbarte Verkehrsverbünde zu fahren, wird mit der Ratsentscheidung enttäuscht und muss künftig einen Fahrschein kaufen.
Die SPD will mit einem Änderungsantrag versuchen, die Stadtverwaltung noch einmal zusammen mit dem Land NRW und den Verkehrsverbünden prüfen zu lassen, ob nicht Eltern individuell wählen können. Dass das nicht möglich sei, hatte die Verwaltung eigentlich schon beantwortet. Bärbel Hölzing sagte: „Ich kann den Wunsch der Eltern verstehen, die Wahl zu haben wäre die optimale Lösung, aber wir wollen jetzt eine Entscheidung treffen, die eine schnelle Entlastung ab dem nächsten Schuljahr bringt.“

