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BombenentschärfungWie viele Bomben liegen noch im Kölner Boden?

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Symbolbild.

Wie viele Bomben liegen noch im Kölner Boden?

Die letzte Bombe - immerhin darin sind sich die Experten einig - werden sie nicht finden. Niemals. Wie viele Blindgänger im Kölner Erdreich schlummern, weiß niemand, kann auch niemand seriös schätzen. Hunderte? Tausende? Zehntausende? Fakt ist: 262-mal wurde Köln im Zweiten Weltkrieg aus der Luft von den Alliierten bombardiert, so oft und so heftig wie kaum eine andere deutsche Stadt. Und längst nicht jeder Sprengkörper detonierte beim Aufschlag auf dem Boden.

„Jede Zahl von Blindgängern, die irgendwo veröffentlich wird, kann nur falsch sein“, versichert Rolf Vogelbacher, Dezernent für Kampfmittelbeseitigung bei der Bezirksregierung in Düsseldorf.

Wie viele Weltkriegsbomben werden jährlich in Köln gefunden?

Etwa 20-mal pro Jahr rücken die Spezialisten der Kampfmittelbeseitigung bei der Bezirksregierung in Düsseldorf zu einem Bombenalarm nach Köln aus. Der Einsatz am Mittwoch in Riehl gehört zu den größten seit 1945.

Wie wird nach Bomben gesucht?

Wer im Stadtgebiet bauen möchte, muss einen Nachweis über die „Kampfmittelfreiheit“ des Areals vorlegen, erklärt Stadtsprecher Jürgen Müllenberg. Sonst werde keine Baugenehmigung erteilt. Dazu können Bauherrn private Kampfmittelbeseitigungsfirmen mit der Untersuchung beauftragen oder die Dienste der Bezirksregierung Düsseldorf in Anspruch nehmen.

Die Spezialisten vom Kampfmittelbeseitigungsdienst prüfen mit Hilfe von Luftaufnahmen aus dem Krieg, ob Aufschlagskrater zu sehen sind. Vor allem der Kraterdurchmesser ist interessant, um Blindgänger zu orten: Ein großer Krater deutet auf detonierte Bomben hin, ist der Krater kleiner, könnte dort eine Bombe liegen, die nicht explodiert ist. „Gibt es einen Verdacht, wird zuerst von der Oberfläche detektiert“, sagt Dezernent Vogelbacher. Ergebe diese Untersuchung des Bodens mit einem Metalldetektor kein Ergebnis, würden rund um die verdächtigen Stellen rasterförmig Löcher gebohrt. „Dann detektieren wir in den Löchern erneut.“

Die Luftkarten hält die Bezirksregierung streng unter Verschluss - auch um zu verhindern, dass Laien eigenmächtig nach Weltkriegsmunition buddeln.

Lesen Sie im nächsten Abschnitt: Wie gefährlich ist eine Bombenentschärfung und wie wir die Evakuierung geplant?

Wie gefährlich ist eine Bombenentschärfung?

Bei jedem Fund ist äußerste Vorsicht geboten, oft müssen Tausende Anwohner ihre Wohnungen verlassen, Straßen werden abgesperrt, Züge gestoppt. Fast schon routiniert nehmen viele schließlich die Entwarnung zur Kenntnis - es ist ja immer gutgegangen. In Köln ist noch kein Blindgänger detoniert.

Tückisch, selbst für die Profis unter den Entschärfern, sind Bomben mit sogenanntem Langzeitzünder; Sprengsätze also, die darauf ausgelegt sind, erst Stunden oder Tage nach dem Aufschlag zu detonieren. „Je länger diese Bomben im Boden liegen, desto gefährlicher werden sie“, sagt Rolf Vogelbacher.

Wie wird die Evakuierung geplant?

Der Sprengmeister des Kampfmittelbeseitigungsdienstes entscheidet, in welchem Radius evakuiert werden muss. Ist etwa die Bebauung um den Fundort sehr eng, genügt in der Regel ein vergleichsweise kleiner Radius von 300 Metern, da die Druckwelle sich bei einer Explosion durch die dicht stehenden Häuser nicht so stark ausbreiten kann wie auf Freiflächen.

Das Ordnungsamt ist zuständig für die Evakuierungen. „Wir ermitteln zuerst, ob kritische Objekte im Bereich sind, etwa Krankenhäuser, Altenheime oder Schulen“, erklärt Heribert Büth vom Ordnungsamt. Diese Gebäude werden zuerst geräumt. Bei allen anderen Bewohnern des Sperrgebiets klingeln die Mitarbeiter einzeln. In zwei Kontrollrundgängen werden sie gebeten, ihre Wohnungen zu verlassen.

Wer trägt die Kosten?

Entschärfung und Abtransport der Bombe und die Auswertung der Luftbilder zahlt das Land. Bauherrn tragen die Kosten für die Bodenuntersuchungen - im Fall der Bombe in Riehl die Rhein-Energie.

Die Kosten für die Evakuierung (im Riehler Fall mehrere 10.000 Euro) trägt die Ordnungsbehörde, also das Ordnungsamt der Stadt Köln. Dazu kommen nicht bezifferbare Personalkosten von Polizei, Ordnungsamtsmitarbeitern und Johannitern.

Lesen Sie im nächsten Abschnitt: Was Anwohner wissen müssen.

Dürfen Anwohner auf eigenes Risiko im Sperrgebiet bleiben?

Nein. Die Mitarbeiter des Ordnungsamtes dürften im Zweifel sogar Zwang anwenden, wenn es wie im Fall der drohenden Explosion einer Bombe um Gefahren für die öffentliche Sicherheit oder Ordnung gehe.

Geregelt ist das im Ordnungsbehördengesetz. Haben die Einsatzkräfte den Eindruck, dass jemand nicht öffnen will, brechen sie die Tür mit Hilfe von Polizei und Feuerwehr im Zweifel auf. „Womöglich handelt es sich ja um Bettlägerige, die sich nicht selbst helfen können“, sagt Heribert Büth vom Ordnungsamt.

Wer den Einsatzkräften bewusst nicht öffnet oder sogar gezielt den Eindruck erweckt, es sei niemand zu Hause und damit Erfolg hat, trage das Risiko für Leib und Leben letzten Endes selbst.

Müssen die Schaulustigen mit Strafen rechnen?

Nur bei besonders schweren Fällen. Strafrechtlich relevant ist die Verletzung der Absperrungen aber kaum. Die Polizei hat laut einer Sprecherin in diesen Fällen die Möglichkeit, Platzverweise für ein bestimmtes Gebiet auszusprechen. Wer diesem Platzverweis nicht nachkommt, kann in Gewahrsam genommen werden und landet auf der Wache. (ts, bls, hsr)