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Kommentar

Frauenquote um jeden Preis
Das hat die Kölner SPD nicht nötig

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Protest gegen die vom Parteivorstand der Kölner SPD empfohlene Liste der Landtagskandidaten.

Protest gegen die vom Parteivorstand der Kölner SPD empfohlene Liste der Landtagskandidaten. 

Die Parteispitze hätte sich ihre Empfehlung zu den Landtagskandidaten sparen sollen, findet Redakteurin Susanne Rohlfing. 

Friede, Freude, Kölner SPD – das dürfte der Plan der Parteispitze gewesen sein für die Aufstellung der Landtagskandidaten am Samstagvormittag. Schließlich hat man zuletzt bei den Oberbürgermeisterwahlen mit Torsten Burmester einen Sieg gegen alle Wahrscheinlichkeiten gefeiert. Nun kommt mit Jochen Ott der Spitzenkandidat der NRW-SPD für die Landtagswahlen in einem Jahr aus den eigenen Reihen. Warum als Kölner SPD also nicht Motivation aus dem Gedanken schöpfen, dass so ein Husarenstück à la Burmester mit Ott noch einmal gelingen könnte?

Zu schön, wie sich die beiden starken Männer der Partei am Samstag auf der Bühne im Bürgerzentrum Chorweiler gegenseitig herzten. Sie strahlten mit Verve Zuversicht aus, Burmester auf seine zupackende Art. Ott gewohnt wortgewaltig, trotz zugeschwollener Nase. Sie drängten das Wissen um immer weiter fallende Zustimmungswerte für die SPD ganz weit ins Unterbewusstsein und wurden dafür gefeiert.  

Unmut wie ein wildes Gewitter nach einem warmen Sommertag

Dass danach der Unmut der Jusos durch den Saal zog wie ein wildes Gewitter nach einem warmen Sommertag, geht auf die Kappe des Parteivorstands. Der wollte alles richtig machen mit seiner Empfehlung für eine frauenquotenkompatible Kandidatenliste. Und hat dabei alles falsch gemacht. 

Mal ehrlich, liebe SPD, habt Ihr das nötig? Ihr habt so tolle Frauen in Euren Reihen. Die Landtagsabgeordnete Lena Teschlade etwa sprach mit so viel Elan und Emotion und wurde dafür ähnlich frenetisch gefeiert wie die beiden Frontmänner Burmester und Ott. Und die Bundestagsabgeordnete Sanae Abdi, die am Samstag nur stiller Gast war, genießt ebenfalls einen riesigen Rückhalt. Rechtfertigt also die unbedingte Einhaltung der Frauenquote, dass die Funktion der Wahlkreisdelegierten ad absurdum geführt wird und sie nur noch zustimmen konnten – anstatt zu wählen?

Eine Frauenquote ist leider oft nötig und auch sinnvoll, um Arbeitgeber, Vorstände, Parteien daran zu erinnern, dass Frauen bei gleicher Leistung und Eignung auch die gleiche Bezahlung und die gleichen Chancen verdienen wie ihre männlichen Kollegen. Aber andersrum muss das doch genauso gelten. Wenn Leon Boness und Heidi Irlenbusch beide ihren jeweiligen Ortsverein hinter sich haben, dann hätten auch beide zur Wahl stehen sollen. Frauenquote hin oder her. 

Am Samstag wurde ein Preis ausgelobt für den Ortsverein der Kölner SPD, der im kommenden Jahr die meisten neuen Mitglieder gewinnt. Es fiel der Satz: „Parteien gewinnen Wahlen, aber Menschen gewinnen Menschen.“ Genau dieses Prinzip steckt hinter einer Wahlkreisdelegiertenkonferenz: Die Basis wählt jene Menschen, egal ob Mann oder Frau, die am meisten begeistern. Weil diese Menschen dann auch die besten Voraussetzungen haben, die Wählerinnen und Wähler zu begeistern. Die SPD braucht nicht zwangsläufig Frauen, die zur Wahl stehen. Sie braucht Menschen, die gewählt werden.  

Der Parteivorstand der Kölner SPD hätte gut daran getan, sich mit einer Empfehlung zurückzuhalten und maximal auf das Problem mit der Frauenquote hinzuweisen. So wurde einzelnen Kandidaten das Gefühl gegeben, unerwünscht zu sein. Und die Delegierten konnten sich fragen, wozu sie den Samstagvormittag in einem schummrigen Bürgerzentrum verbringen, wenn es ja doch nichts zu wählen gab. Abgestraft wurde Co-Parteichef Andre Schirmer mit der niedrigsten Zustimmung, obwohl er nach eigenem Bekunden an den Entscheidungen des Vorstands in diesem Fall gar nicht beteiligt war.