Bei der KStA-Veranstaltung sprach der Sportwissenschaftler über die positiven Effekte von Bewegung und seine Arbeit mit Astronauten.
KStA-Talk mit Stefan SchneiderWarum Sport gegen Demenz, Einsamkeit und Stress hilft

Sportwissenschaftler und Theologe Stefan Schneider
Copyright: Sarah Brasack
„Ein Patentrezept, wie wir glücklich und wie wir schlau werden, gibt es nicht“, stellte Stefan Schneider, Theologe und Sportwissenschaftler, am vergangenen Donnerstagabend zu Beginn der Veranstaltung des „Kölner Stadt-Anzeiger“ im Domforum klar. Rund 140 Interessierte waren gekommen, um sich von dem Buchautor („111 sportliche Impulse, die schlau & glücklich machen“, Emons, 240 Seiten, 18,95 Euro) erklären zu lassen, warum Sport gesund und zufrieden macht. „Sport und Bewegung“, fasste er zusammen, „machen uns körperlich und mental fit. Und das ist glaube ich die Grundlage für ein gelungenes Leben.“
Trotzdem fehle auch ihm häufig die Motivation, sich aufzuraffen und körperlich zu betätigen, gestand Schneider. „Für mich ist immer wichtig gewesen, zu verstehen, wie gut ich mich nach dem Sport fühle.“ Gerade an anstrengenden Tagen sei es gut, „den Kopf mal frei zu kriegen“. Dabei sehe er sein Training nicht als Zeitfresser, sondern als Grundlage, um Stress abzubauen: „Ich empfinde es so, dass ich Zeit gewinne, indem ich Zeit für den Sport investiere, weil ich danach viel leistungsfähiger bin.“ Das ist keine gefühlte Wahrheit, wie der Professor der Deutschen Sporthochschule sagte, das zeigen wissenschaftliche Daten.
Sport zur Demenzprävention
Sport mache also nicht per se schlauer, hielt Schneider fest. Wenn dem so wäre, müssten die hunderttausenden deutschen Spitzensportler zur kognitiven Elite des Landes gehören. Aber er fördere die Konzentrationsfähigkeit. „Das führt dann dazu, dass wir Informationen aufnehmen, dass wir intelligenter werden.“ Außerdem reduziere ein körperlich aktiver Lebensstil das Risiko, im Alter an Demenz zu erkranken, „signifikant“, sagte Schneider, der Leiter des Denk-Sport-Projekts an der Sporthochschule Köln ist – einer Forschungsinitiative, die mit gezielten Sport- und Bewegungsprogrammen Demenzprävention betreibt.
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Dabei sei er skeptisch, ob allein der Sport dazu beitrage. Das soziale Miteinander dürfe nicht unterschätzt werden: „Sich zwei, drei Mal die Woche aufzumachen, sich der Welt auszusetzen, den öffentlichen Personennahverkehr zu nutzen, um an die Sporthochschule zu kommen, Menschen zu treffen“, das sei ganz wichtig – auch für die psychische Gesundheit. Dieser Aspekt fließe auch in seine Arbeit für die Europäische Weltraumorganisation ein. Mit seinem Team liefert Schneider die wissenschaftlichen Grundlagen für ein umfassendes Trainingsprogramm der Astronauten im Weltraum. „Die haben einen stressigen Job, müssen damit klarkommen und können sich über den Sport austoben und wieder einen klaren Kopf bekommen.“
Der Sportwissenschaftler betonte dennoch, dass es nicht darum gehe, fit zu sein, sondern glücklich. „Ich habe viele im Bekannten- und Freundeskreis, die übergewichtig sind, die sagen, ‚mein Leben ist toll, ich fühle mich gut‘. Da sage ich: Bitte bleib da.“ Auf die Frage von Moderator Uli Kreikebaum, was er von der „Longevity“-Bewegung halte, die sich einem möglichst langen und gesunden Leben verschrieben hat, könne er zweifach antworten. Im Alten Testament heißes es, dass Abraham „lebenssatt“ gestorben sei. „Geiles Leben, tschö.“ Außerdem falle ihm ein Zitat des Sportmediziners Wildor Hollmann ein: „Der hat mal gesagt: Das Ziel ist es nicht, mehr Jahre ans Leben anzudocken, sondern die Jahre mit mehr Leben zu füllen.“

