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Neue Sperrung im TunnelStadt Köln soll Trankgasse am Dom wieder für den Autoverkehr freigeben

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Die Stadt Köln hat den Gulliver-Tunnel in der Innenstadt bis auf Weiteres gesperrt.

Die Stadt Köln hat den Gulliver-Tunnel in der Innenstadt bis auf Weiteres gesperrt.

ADAC und Teile der Politik fordern eine schnelle Lösung, um Rückstau zu vermeiden. Das Mobilitätsdezernat bewertet die Situation neu.

Eigentlich sollte ein Teil des Gulliver-Tunnels in der Kölner Innenstadt neben der Philharmonie nur knapp zwei Wochen gesperrt sein, bis zum 13. Februar. Doch bis heute ist es nach wie vor nicht möglich, aus der Altstadt kommend dort hindurchzufahren – und das wird sich bis auf Weiteres auch nicht ändern, weil bei einer Überprüfung Schäden im Gewölbe festgestellt wurden, teilte die Stadt Köln mit.

ADAC-Verkehrsexperte Roman Suthold befürchtet ein Stauchaos, falls die Stadt Köln nicht gegensteuern sollte. Denn bereits vor der Tunnelsperrung kam es, wie berichtet, bei großen Veranstaltungen in der Philharmonie zu einem Rückstau bis auf die Rheinuferstraße. Jetzt haben sich die Verkehrsprobleme weiter verschärft. Eine Lösung hat das Mobilitätsdezernat bislang noch nicht gefunden, obwohl dafür bereits vier Wochen Zeit war. Die Politik ist uneins: CDU, SPD und FDP/KSG wollen die Trankgasse wieder für den Autoverkehr öffnen, Grüne und Volt lehnen das ab, die Linke will eine Einschätzung der Stadt abwarten.

Richtung Zoobrücke geht nichts

Der Rückstau kommt zustande, weil der Autoverkehr nur noch zu einer Seite abfließen kann, seit das Mobilitätsdezernat unter Leitung von Ascan Egerer die Trankgasse direkt vor dem Dom 2023 für den Durchgangsverkehr gesperrt hat, um dort eine Fahrradstraße einzurichten. Seitdem ist es auf legalem Wege nicht mehr möglich, in Richtung der Komödienstraße zur Nord-Süd-Fahrt zu gelangen. Alle Autofahrer müssen ihre Fahrzeuge durch den Gulliver-Tunnel steuern, um dann über die Rheinuferstraße nach Süden in Richtung Rheinauhafen und nach Norden in Richtung Zoobrücke zu fahren.

Doch letzteres ist aufgrund der Sperrung nun nicht mehr möglich, sodass der gesamte Verkehr über die Rheinuferstraße in Richtung Süden fließen muss. Wer in den Norden zur Zoobrücke gelangen möchte, muss bis zur Severinsbrücke fahren, um dort zu wenden. Die Ampelschaltungen sind zudem nicht auf derartige Verkehrsmassen ausgerichtet.

Bliebe noch die Alternative, durch die gesamte Altstadt zur Augustinerstraße zu fahren, doch angesichts der vielen Baustellen und Umleitungen kann der Autoverkehr dort ebenfalls nicht abfließen – ein Rückstau und lange Umwege sind auch dort die Folge.

Stadt Köln stellt keine Schilder auf

Für ADAC-Vertreter Roman Suthold gibt es eine naheliegende Lösung: „Man sollte ernsthaft darüber nachdenken, die Trankgasse in Richtung Komödienstraße und Nord-Süd-Fahrt wieder für den Autoverkehr freizugeben, um für Entlastung zu sorgen“, sagt er. Über die Nord-Süd-Fahrt würden die Autofahrer problemlos zur Zoobrücke gelangen.

Obwohl seit Mitte Februar feststeht, dass der Gulliver-Tunnel gesperrt ist, hat das Mobilitätsdezernat den Autofahrern bislang keine Alternative angeboten. Nicht einmal Verkehrsschilder haben die Verantwortlichen aufgestellt, um auf die Sperrung aufmerksam zu machen. 

Wie lange es dauern wird,  die Gewölbeschäden zu beseitigen, ist noch unklar. „Für die Instandsetzungsplanung der Schäden im Gulliver-Tunnel ist von der Stadt ein Gutachter beauftragt worden. Nach entsprechender Vergabe eines Bauauftrags wird diese umgesetzt“, sagte ein Stadtsprecher auf Anfrage des „Kölner Stadt-Anzeiger“. Es handele sich um „einen komplexen Sachverhalt, für den derzeit noch kein verlässlicher Zeithorizont genannt werden“ könne.

Nach neuestem Sachstand sei davon auszugehen, dass die Sperrung „noch mindestens drei Monate andauern“ werde. „Vor diesem Hintergrund bewertet die Stadt Köln die verkehrliche Situation rund um den Gulliver-Tunnel und Trankgasse neu und prüft die möglichen Maßnahmen. Deshalb können derzeit noch keine konkreten Aussagen zu einzelnen Vorschlägen gemacht werden“, sagte der Stadtsprecher.

Auf der Trankgasse brechen Arbeiter einen Teil der Domplatte ab.

Auf der Trankgasse brechen Arbeiter einen Teil der Domplatte ab.

Erschwerend kommt hinzu, dass gleichzeitig der Domsockel auf der Nordwestseite der Kathedrale saniert wird. Seit einigen Tagen brechen Arbeiter Teile der Domplatte ab, unter anderem die Treppe, die früher auf der Nordseite eine Ebene tiefer zum Bürgersteig führte (siehe Foto). 

Weiterhin offen ist, wie aufwendig die Stadt ihre Tiefgarage unter der Domplatte sanieren lassen muss, sie stammt aus dem Jahr 1971. Im Herbst mussten deshalb sogar Teile der darüber liegenden Domplatte vorübergehend gesperrt werden. In einem der vier Bauteile der Tiefgarage hat die Stadt laut einer Sprecherin weitere Mängel an Betonbauten festgestellt, sie sollen bis zum Sommer behoben sein. In einem anderen Teil sind die Rundstützen mittlerweile saniert. Die Sprecherin teilte mit: „Die vertiefenden Untersuchungen in den Bauteilen A, B und C dauern noch an. Sofern bei den Zustandsbeurteilungen und Untersuchungen kein direkter Handlungsbedarf in Bezug auf die Standsicherheit entsteht, werden die weiteren Maßnahmen im Rahmen der Generalsanierung umgesetzt.“

Auf Basis dieser Analysen erstellt die Stadt die Pläne für die Sanierung, erst dann steht fest, wann sie beginnt. Doch der Zeitpunkt ist völlig offen, die Sprecherin teilte mit: „Die Verwaltung strebt eine Befassung der Gremien an, sobald belastbare Ergebnisse vorliegen.“

Sensible Stelle wegen Fußverkehr

In der Politik wird der Vorschlag, die Trankgasse wieder für den Autoverkehr zu öffnen, unterschiedlich bewertet. Die Fraktion FDP/KSG hat beantragt, die Trankgasse wieder für den Autoverkehr zu öffnen. „Solange die Ausfahrt Richtung Konrad-Adenauer-Ufer gesperrt bleibt, muss die Stadt für eine vernünftige Umleitung sorgen. Die temporäre Öffnung der Trankgasse Richtung Westen ist eine einfache und schnelle Möglichkeit, den Verkehr zu entlasten“, sagte Ralph Sterck.

„Die CDU-Fraktion wird dem Antrag der FDP zustimmen. Wir wollen aber noch darüber hinausgehen und haben deshalb einen Ergänzungsantrag eingebracht, der eine generelle Wiederöffnung der Trankgasse nach dem Ende der Baumaßnahmen am Domumfeld vorsieht“, sagte Stefan Götz, verkehrspolitischer Sprecher der CDU.

Auch die SPD kann sich das vorstellen. „Wir stehen für eine Verkehrspolitik mit Plan und Augenmaß. Eine Öffnung der Trankgasse in westliche Richtung für die Zeit der Sperrung des Gulliver-Tunnels zur besseren Erreichbarkeit der Philharmonie können wir uns grundsätzlich vorstellen und prüfen, wie dies am besten möglich ist“, sagte Lukas Lorenz (SPD).

Die Grünen sehen das anders. „Die Trankgasse ist selbst von laufenden Baustellen betroffen. Zugleich hat dort der Fußverkehr wegen der Sperrung auf der Domplatte deutlich zugenommen. Aus unserer Sicht wäre es deshalb der falsche Weg, ausgerechnet an dieser sensiblen Stelle wieder zusätzlichen Autoverkehr zuzulassen“, sagte Lino Hammer (Grüne). Die Verwaltung sei gefordert, zügig tragfähige Lösungen zu erarbeiten.

Ähnlich sieht das Dustin Wegner, mobilitätspolitischer Sprecher der Volt-Fraktion: „Die Volt-Fraktion steht zur Trankgasse als Fahrradstraße und spricht sich daher gegen eine Wieder-Öffnung für den Autoverkehr aus.“ Die Linke teilte mit, einer Öffnung der Trankgasse nur zuzustimmen, wenn eine solche Ausnahme unabweisbar sei und nicht dazu missbraucht werde, um „dauerhaft zusätzlichen Autoverkehr an Orten zu ermöglichen, an denen er im Sinne einer nachhaltigen Mobilitätswende reduziert“ werden solle.