Karin Bernhart und Peter Schmidt fahren mit dem Rollmobil vom Kölner Dom zum Petersdom in Rom und zurück.
Symbol des WirtschaftswundersKölner Paar fährt mit BMW Isetta bis zum Petersdom

Blickfang: Der BMW Isetta von Karin Bernhart und Peter Schmidt in Köln
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Für einen Moment bekam der Kölner Dom Konkurrenz als beliebtestes Fotomotiv. Als Karin Bernhart und Peter Schmidt am Sonntagmorgen mit ihrer BMW Isetta an der Kreuzblume vorfuhren, richteten sich alle Blicke auf das sonderbare Gefährt mit der großen Fronttür. „Cool“, sagte eine Touristin aus England. So etwas habe sie noch nie gesehen. Schwupps, hat ihr Smartphone die Skurrilität auf vier winzigen Rädern eingefangen.
Karin Bernhart und Peter Schmidt werden in den kommenden Wochen viele solcher Begegnungen haben. Das Paar aus Köln ist mit seiner 64 Jahre alten „Knutschkugel“ auf dem Weg vom Kölner Dom zum Petersdom in Rom und wieder zurück. 4000 bis 5000 Kilometer werden sie größtenteils auf Landstraßen abspulen, denn viel mehr als 80 Kilometer pro Stunde ist aus dem kleinen BMW-Motor nicht herauszuholen. Schon gar nicht mit zwei Personen und Gepäck.

Vom Kölner Dom bis zum Petersdom reisen Karin Bernhart und Peter Schmidt mit ihrer BMW Isetta
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„Vor einigen Jahren sind wir mal mit dem Autoreisezug bis Rimini gefahren“, erzählt Peter Schmidt: „Von da aus sind wir dann durch die Toskana über Rom nach Neapel und an die Amalfiküste gefahren. Das hat uns so wunderbar gefallen, dass wir das jetzt auch mal komplett machen wollten.“ Das heißt: Die Isetta wird diesmal die Alpen auf eigener Achse überqueren müssen, was der 76-Jährige ihr auch ohne Weiteres zutraut. „Die hat ja immerhin zwölf PS“, sagt er lachend über sein „Baby“. Und einen neuen Motor habe sie auch. In schweren Fällen muss eben der ADAC einspringen.
BMW hat den Isetta zwischen 1955 und 1962 gebaut. Das Rollermobil galt als Symbol des sogenannten deutschen Wirtschaftswunders. Das erste Modell kostete 2580 Mark.

In mehr als zehn Domen wollen Karin Bernhart und Peter Schmidt selbst gestaltete Kerzen mit „Dom Tour“-Aufkleber anzünden.
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Der Isetta-Marathon trägt den Titel „Dom-Tour“. Denn unterwegs wollen Karin Bernhart und ihr Freund mit dem Spitznamen Schmiddi mehr als zehn Dome ansteuern. Auf dem Zettel stehen die Kathedralen von Speyer, Straßburg, Freiburg, Basel, Lausanne, Como, Milano, Parma, Florenz und schließlich der Petersdom. Zum Gedenken an verstorbene Verwandte wollen die beiden bei jedem Zwischenstopp Opferkerzen mit „Dom-Tour“-Aufklebern anzünden. Der Rest steht in den Sternen: Unterkünfte und Restaurantbesuche werden spontan geplant.
Dieser Job gehört Schmiddi, der das Lenkrad überwiegend seiner Partnerin überlässt. „Das ist manchmal anstrengend, weil man mit Zwischengas fahren muss“, sagt die 64-Jährige. Auch eine Servolenkung ist bei der Isetta nicht zu finden. Unterm Strich sei es aber lustig, so ein Auto zu steuern: „Man hat immer den Überblick und kann die Landschaft genießen.“

Die Hutablage ist vollgepackt, die Reise kann losgehen: Die BMW Isetta muss in den kommenden Wochen bis zu 5000 Kilometer abspulen.
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Langstreckentouren sind die Reisenden gewohnt: Ganz Europa haben sie mit ihrer Isetta besucht, auf die sie 2005 rein zufällig stießen und sich spontan in das Autochen verliebten. Da der Besitzer auch noch verkaufen wollte, war das Glück perfekt. „Der Klang des Motors ist für uns Musik, das ist einfach nur schön“, sagt Schmiddi. Auf nette Begegnungen am Wegesrand freut er sich jetzt schon: „Überall, wo wir auftauchen, sind die Leute fröhlich und winken.“ Da der Tank der Isetta nur zehn Liter fasst, bei einem Verbrauch von mehr als fünf Litern, wird es auch an diversen Tankstellen Gelegenheit für Benzingespräche geben.
Sorge um die Isetta: Leichtgewicht könnte weggetragen werden
Nur eine Sorge treibt Schmiddi um: dass die Isetta unterwegs abhandenkommt. Mit einem Leergewicht von 380 Kilo könnten vier Mann das Auto einfach wegtragen, sagt er. Karin Bernhart und Peter Schmidt werden ihr Baby deshalb in den kommenden Wochen nicht aus den Augen lassen. Die erste Kerze zündeten sie vor der Abfahrt im Kölner Dom an – damit ab jetzt alles gut über die Bühne geht.
