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„Alte Liebe rostet nicht“Wolfgang Becker und seine skurrile Biene – 4,5 Stunden von Duisburg nach Köln

4 min

Wolfgang Becker und seine skurrile Biene

Besonders schnell ist Wolfgang Beckers Ape zwar nicht. Aber einen Parkplatz findet er umso leichter.

Wenn Wolfgang Becker mit seiner Ape zur Baustelle fährt, ist er schon von Weitem zu hören. Der Mini-Transporter, nicht viel mehr als eine Vespa mit Dach, knattert mit seinem Zweitaktmotor wie verrückt. In Italien ist die Ape (übersetzt: Biene) weit verbreitet, obwohl die dortige Produktion vor zwei Jahren eingestellt wurde. Hier zu Lande ist sie eine Skurrilität auf drei Rädern.

Wolfgang Becker, selbstständiger Trockenbauer und Bruder von Kabarettist Jürgen Becker, wird im Straßenverkehr nicht immer ernst genommen. Trotzdem freut sich der 62-Jährige jedes Mal, wenn er sein Werkzeug auf die kleine Pritsche packen kann und die Fahrt zur Kundschaft losgeht. Besonders schnell geht es dann nicht voran, aber einen Parkplatz findet Becker immer.

  1. Typ: Piaggio Ape 50
  2. Baujahr: 1982
  3. PS: 3
  4. Zylinder: 1
  5. Kubik: 49 ccm
  6. Km/h max.: 45
  7. Verbrauch: Ca. 5 Liter
  8. Gebaute Exemplare: Ca. 2 Mio.
  9. Neupreis: Ca. 2500 D-Mark
Wenn es das Wetter zulässt, nimmt Wolfgang Becker gerne seine italienische „Biene“ für seine Arbeitseinsätze als Trockenbauer. Eine flotte Biene ist es allerdings nicht.

Wenn es das Wetter zulässt, nimmt Wolfgang Becker gerne seine italienische „Biene“ für seine Arbeitseinsätze als Trockenbauer. Eine flotte Biene ist es allerdings nicht.

Deshalb habe ich sie:

Im Urlaub auf Sardinien vor 20 Jahren konnte ich wunderbar vom Hotelzimmer aus das bunte Treiben auf der Straße beobachten. Da fuhren die Apes sogar mit Schafen hinten drauf rum, die Stadtreinigung hatte auch solche Dinger. Das fand ich einfach faszinierend. Dann habe ich überlegt, wo ich sowas herkriegen könnte. Zwei Jahre später habe ich eine gefunden bei einem Ape-Händler in Duisburg. Er fragte, ob ich einen Anhänger für den Rücktransport nach Köln hätte. Er war dann etwas verwundert, als ich ihm sagte, dass ich mit der Ape zurückfahren wolle. Es hat ungefähr viereinhalb Stunden gedauert, bis ich zu Hause ankam. Denn über die Autobahn sollte man mit einer Ape besser nicht fahren.

Das kann sie:

Mich begeistert die einfache Technik. Schon als Kind fand ich diese Fahrzeuge toll, wenn wir mit unseren Eltern im Urlaub waren. In Italien fuhr früher jeder Handwerker Ape. Auch im Weinanbau wurden sie eingesetzt, weil sie auch starke Steigungen schaffen.

Der Klein-Transporter ist nicht viel mehr als eine Vespa mit Dach, so fährt sich die Ape auch.

Der Klein-Transporter ist nicht viel mehr als eine Vespa mit Dach, so fährt sich die Ape auch.

Ich fahre meine Ape manchmal im Winter. Damit über eine geschlossene Schneedecke zu knattern, macht einfach Spaß. Die rutscht dann so ein bisschen weg, was moderne Autos nicht mehr tun. Aber beruflich fahre ich lieber im Sommer, eine Heizung gibt es in der Kabine nämlich nicht. Ein Vorteil ist dagegen die Ersatzteilversorgung. Für die Ape kriegt man noch alles. Außerdem ist die Versicherung günstig und zum TÜV muss man wegen des kleinen Motors auch nicht.

Das kann sie nicht:

Meistens nutze ich sie nur im Westen von Köln. Das Rechtsrheinische ist mir zu weit, das dauert einfach zu lange. Dazu nehme ich dann ein richtiges Auto. Möglichst sollte es auch nicht regnen. Der Scheibenwischer ist über einen Seilzug mit einem Fußpedal verbunden und bewegt sich nur, wenn man immer wieder drauftritt. Das ist auf Dauer doch sehr anstrengend.

Der winzige Motor arbeitet an der Hinterachse.

Der winzige Motor arbeitet an der Hinterachse.

Für den Notfall habe ich immer eine Warnlampe dabei, die man per Magnet auf dem Dach befestigt. Denn sobald der Motor ausgeht, etwa bei einer Panne, ist sofort die Spannung weg und die Ape steht ganz ohne Beleuchtung da. Keine gute Situation bei Dunkelheit. Aufpassen muss ich auch im Kreisverkehr. Umgefallen bin ich zwar noch nie, manchmal hebt aber ein Rad ab, wenn ich zu schnell in die Kurve gehe. Darüber hinaus ist das Schalten recht anstrengend. Die Handschaltung, die wie bei einem Motorroller funktioniert, ist ziemlich hakelig. Besonders im Stau wird es irgendwann unangenehm.

Das habe ich für sie getan:

In den letzten Jahren war die Ape wirklich sehr anfällig. Den Motor habe ich deshalb einmal komplett überholen lassen, seitdem fährt sie wieder prima. Weil es alle Ersatzteile noch gibt, kann man die Ape theoretisch ewig benutzen.

Das haben wir erlebt:

An Reaktionen habe ich schon alles erlebt, von Missachtung bis Begeisterung. Ich muss immer damit rechnen, dass mich andere Verkehrsteilnehmer nicht ernst nehmen. Selbst wenn ich Vorfahrt habe, muss ich gucken, ob der andere das auch akzeptiert. Dieses Fahrzeug ist nicht besonders respekteinflößend und wird manchmal übersehen. Manche sind auch genervt, weil ich so langsam unterwegs bin. Andererseits stehen viele Leute mit gehobenem Daumen am Straßenrand und finden diesen Oldtimer einfach nur klasse.

Das haben wir vor:

Ich hoffe, dass sie noch lange ihren Dienst tut. Dann nehmen wir sie auch weiterhin mit zu diversen Karnevalszügen. Wir haben sie schon oft am Straßenrand geparkt mit einem Fässchen Kölsch auf der Pritsche. Alle Freunde bringen dann was zu Essen mit und die Party kann losgehen.

Aufgezeichnet von Tobias Christ