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Überfall in KölnBrutaler Angriff aus dem Nichts

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David Sittler zwei Tage nach dem Überfall im Krankenhaus. Inzwischen ist er wieder zu Hause.

Köln – Der Angriff kam aus dem Nichts. Mehrere Schläge mitten ins Gesicht, vermutlich mit einem harten Gegenstand. David Sittler verlor sofort das Bewusstsein. Seine Erinnerung setzt erst Minuten später wieder ein, als Passanten ihn schwer verletzt am Brüsseler Platz „auflesen“, wie er sagt, und zu einen Rettungswagen begleiten. Vor einer Woche war das, in der Nacht zum Karnevalsdienstag. Seitdem versucht der 36-jährige Wissenschaftler, in sein gewohntes Leben zurückzufinden.

So wie ihm ergeht es mehr als tausend Kölnern jedes Jahr. Sie sind auf der Straße überfallen worden, wurden ausgeraubt, zusammengeschlagen. Oft bleiben körperliche oder seelische Schäden zurück. Manchmal beides. Die Kriminalstatistik für 2014 wird erst in einigen Wochen veröffentlicht, aber die Zahl von Straßenraub hat sich dem Vernehmen nach im Vergleich zu 2013 kaum geändert. Da lag sie bei 1144 angezeigten Fällen. Was wohl die Wenigsten wissen: Unschuldigen Opfern von Gewalttaten in Deutschland steht grundsätzlich eine finanzielle Entschädigung durch den Staat zu (siehe „Unterstützung für Opfer von Gewalt“).

In jener Nacht voriger Woche verlässt David Sittler gegen 0.30 Uhr die Kneipe „Gottes Grüne Wiese“. Dort hat er mit seinen Geschwistern und seiner Mutter Rosenmontag gefeiert. „Es war ein amüsanter Abend“, sagt Sittler. Als er in die Neue Maastrichter Straße einbiegt, zieht er sein Handy aus der Tasche. Eine Freundin hat ihm eine Textnachricht geschickt. Im Gehen blickt er auf das Display. Sein Kopf ist vornübergebeugt, der 36-Jährige nimmt nicht wahr, dass vor einem Café einer oder mehrere Täter auf ihn warten. „Ich gehe die Strecke öfters, ich fühlte mich überhaupt nicht in einer Gefahrensituation oder in einer Risikozone“, erzählt David Sittler.

Er spürt keinen Schmerz, hört nichts, sieht niemanden, dann wird es dunkel. Als er kurz darauf im Rettungswagen wieder zu sich kommt, stellt er fest, dass seine Jeans an der Hosentasche aufgerissen ist. Mit Gewalt müssen die Täter ihm sein Smartphone aus der Tasche gerissen haben. Auch sein Portemonnaie mit Geld und der Kreditkarte fehlt.

Im Krankenhaus diagnostizieren die Ärzte Schwellungen und Hämatome. Kurzzeitig steht sogar zu befürchten, dass Sittler sein rechtes Augenlicht verlieren könnte. Inzwischen aber gilt als wahrscheinlich, dass der Kölner wieder vollständig gesund wird.

Zwei Polizisten fahren noch in der Nacht ins Krankenhaus, verbringen mehrere Stunden dort. Sprechen mit den Ärzten, fragen David Sittler nach einer Beschreibung der Räuber. Aber er kann nicht helfen. Auch sonst gibt es keine Zeugen. Offenbar hat niemand den brutalen Überfall beobachtet. Von den Tätern und der Beute fehlt jede Spur.

Sittler ist sicher: „Die haben das nicht zum ersten Mal gemacht. Das waren Profis. Die waren schnell und effektiv.“ Tatsächlich kommt die Vorgehensweise der Polizei bekannt vor. „Insbesondere an Wochenenden stellen wir unter anderem Raubstraftaten im weiteren Bereich der Kölner Ringe fest“, sagt Behördensprecher Karlo Kreitz. Das Beutegut Smartphone und Portemonnaie sei typisch.

David Sittler hat das Krankenhaus inzwischen verlassen. Zwei Tage nach dem Überfall wirkt er auffallend positiv gestimmt. „Mit Humor ziehe ich mich immer wieder hoch.“ Angst habe er keine. Das Belgische Viertel wolle er auch künftig nicht meiden.

Weitere zwei Tage später sieht das schon etwas anders aus. David Sittler klingt jetzt niedergeschlagen. „Mit fehlen die Kräfte“, sagt er am Telefon. Kleine Aufgaben wie ein Arztbesuch, das Beantragen einer neuen Kreditkarte, der Kontakt mit der Krankenkasse oder dem Handyanbieter strengen ihn an. „Zwischendurch muss ich mich immer wieder hinlegen.“ Seine Beine sind wacklig, der Kopf schmerzt, immer wieder kippt die Stimmung ins Negative. „Dieser Schlag ins Gesicht“, sagt er und zögert, wie er den Satz beenden soll. „Wut ist das falsche Wort, aber irgendwie fühle ich mich so erniedrigt.“ Immerhin: Schmerzmittel braucht Sittler keine mehr. „Das macht mir Mut.“

Sobald er wieder bei Kräften sei, wolle er sich erkundigen, ob auch ihm eine gesetzliche Entschädigung zusteht. Marianne Weich von der Opferhilfe-Organisation Weißer Ring rät Betroffenen grundsätzlich, einen entsprechenden Antrag zu stellen. „Auf Wunsch hilft der Weiße Ring gerne dabei.“

Die Gewissheit, dass er nichts falsch gemacht habe, helfe ihm bei der Bewältigung der Tat, sagt Sittler. Und trotzdem: Künftig will er sein Handy unterwegs nicht mehr aus der Tasche ziehen.