Meschenich – Einige Menschen in ihrem Veedel würden sie als gute Seele des Ortes bezeichnen. Christa Limbach aber weist eine solche Umschreibung bescheiden von sich. „Ich bewege mich halt mit offenen Augen durchs Leben und dabei fallen mir Dinge auf, die so nicht bleiben können“, sagt die 65-Jährige.
Christa Limbach ist viel mit dem Fahrrad unterwegs, zur Arbeit aber auch in ihrer Freizeit quer durchs grüne Meschenich. „Das wissen viele Menschen von außerhalb nicht, dass wir hier soviel Grün haben. Alle sehen immer den Kölnberg vor dem geistigen Auge, sobald sie Meschenich nur hören“, sagt sie.
Seit 2003 lebt Christa Limbach in Meschenich, davor in Rondorf. „Anfangs“, gibt sie unumwunden zu, „habe ich immer verleugnet, wo ich wohne, irgendwie war es mir unangenehm, da Meschenich durch den Kölnberg mit einem Stigma belegt ist“, so Limbach.
Heute weiß sie, dass das Nonsens ist. Sie steht zu ihrem Ort, in dem sie sehr gerne lebt. „Hier ist es grün, es gibt eine gute Nachbarschaft und viele aktive Menschen.“ Das war ihr von Anfang an wichtig. Limbach wollte etwas bewegen, etwas für den Ort, in dem sie lebt, tun. Sie suchte und fand den damals noch recht jungen Bürgerverein „Aktiv für Meschenich“. Limbach wurde Mitglied und genießt die regelmäßigen Zusammenkünfte, bei denen man sich austauscht und neue Pläne schmiedet.
„Hier auf dem alten Kirmesplatz zum Beispiel“, sagt sie und tritt auf eine mittlerweile grün bewachsene kleine Fläche, „werden künftig einige Feste stattfinden“, erzählt sie. Strom ist gelegt und auch sonst eignet sich der kleine Platz mitten im alten Teil des Ortes wunderbar dafür. Christa Limbach ist eine aktive Frau. Sie genießt es in Meschenich zu leben, auch wenn ihr manches ein Dorn im Auge ist. Illegale Müllabladeplätze auf den Feldern oder im Naturschutzgebiet zum Beispiel. „Schauen Sie mal hier“, sagt Limbach, öffnet einen Bauzaun, der das Naturschutzgebiet abschirmen soll, und zeigt auf zwei riesige Müllberge. Der eine besteht aus Holzteilen, der andere scheint aus einer Haushaltsauflösung zu stammen. Bettwäsche, alte Dokumente, Fotoalben, all das wittert seit Tagen vor sich hin. „Ich habe die Abfallwirtschaftsbetriebe schon vor mehr als einer Woche informiert, leider ist noch nichts geschehen“, so Limbach, die überzeugt ist, wenn die Mitarbeiter nur ein bisschen suchen, auch eine Spur zum Verursacher finden würden. „Ich habe mir mal die Mühe gemacht, als ich einen riesigen Haufen alter Autoreifen fand. Dort lagen sogar noch Nummernschilder. So habe ich die Halter ausfindig gemacht und die Werkstatt, wo sie ihr Auto zur Reparatur gaben, zur Rede stellen können. Ich leitete alle Informationen an das Ordnungsamt und die Polizei weiter. Bisher ist nichts passiert“, erzählt Christa Limbach, die sich darüber sichtlich ärgert.
Aber es gibt auch die schönen Seiten Meschenichs. Die gute Nachbarschaft etwa. Oder andere Naturliebhaber, die mit ihr zusammen dafür gesorgt haben, dass bedrohte Krötenarten ihre Laichplätze in kleinen Tümpeln behalten können.
Christa Limbach ist bekannt. Wir müssen während unserer Tour gar nicht lange warten, bis sie eine Bekannte trifft, die mit ihrem Hund auf den Feldern unterwegs ist. Auch Rodica Tomita lebt schon lange in Meschenich. Oft geht sie mit Hündin Lenia am Naturschutzgebiet und an der riesigen Ausgleichsfläche mit ihren Obstbäumen und Sträuchern spazieren. Schnell kommen sie darüber ins Gespräch. „Eine Sitzgelegenheit hier wäre schön“, meint Tomita. Limbach merkt sich solche Anregungen und entwickelt Ideen dazu. Ihre „Kippenfresserboxen“, hergestellt aus alten Konservendosen ist zum Beispiel eine solche Idee, die ihr beim Anblick achtlos entsorgter Zigarettenstummel an Sitzbänken kam. Limbach befestigt die Dosen an Orten, wo sich viele Raucher aufhalten.
Die 65-Jährige gehört nicht zu den Menschen, die sich aufregen, aber selbst nicht aktiv werden. Da ist etwa die Radtrasse, die den Kölner Süden mit Bonn verbindet. Doch kurz vor dem Alt-Engeldorfer-Hof steigt sie von ihrem Rad und schiebt es. Der Boden ist aufgebrochen. „Ich habe mit dem Amt des Fahrradbeauftragten telefoniert. Jetzt hoffe ich, dass Bewegung in die Sache kommt.“ Wenn man der Stadt solche Schäden nicht melde, dann könnten sie auch nicht beseitigt werden.
Aktiv sein heißt für Limbach auch eigene Ideen vorzutragen. „Im Bürgerverein haben wir die 'Mitfahrerbank“ entwickelt, eine Mitfahrgelegenheit zwischen Meschenich und Brühl“, erzählt sie. Noch konnten sie die Stadt nicht überzeugen. „Wir bleiben dran“, sagt sie, wie sie immer dran bleibt an Dingen, die sich ändern müssen in ihrem Veedel.
Christa Limbach, engagierte
Bürgerin von Meschenich