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Architekturausstellung der TH KölnGescheiterte Hochhäuser haben in Köln Geschichte

4 min
Modell der 15-stöckigen Kugel von Peter Birkenholz

So hätte der Kopf der Deutzer Brücke am Heumarkt in der Vorstellung des Architekten Peter Birkenholz ausgesehen.

Hans Poelzig, Wilhelm Riphahn und rund 400 weitere Architekten reichten vor 100 Jahren Ideen für ein Hochhaus am Heumarkt ein – die jetzt in der KHM zu sehen sind.

Eine große Kugel in der Kölner Skyline? Wäre es nach dem Architekten Peter Birkenholz gegangen, würde eine solche jetzt den Kopf der Deutzer Brücke am Heumarkt markieren – 15 Stockwerke hoch, mittig über der Straße schwebend und gesäumt von zwei etwas niedrigeren Bauten links und rechts der Brückenrampe. Seinen Entwurf nennt er „die reine Form“, klassizistische Strenge trifft auf expressionistische Einflüsse. Sein extravaganter Entwurf ist einer von über 400, die vor genau 100 Jahren zu einem heute weitgehend vergessenen Architekturwettbewerb für ein Hochhaus am Heumarkt eingereicht wurden.

In Anbetracht der großen Namen und vielfältigen Ideen, die sich unter der langen Liste der Einreichungen befinden, ist das wohl vor allem der Tatsache geschuldet, dass keiner der hunderten Entwürfe umgesetzt wurde. Die Tradition unrealisierter Hochhausbauten ist in Köln also fast genauso alt wie das Hochhaus selbst – 1925 baute Jacob Koerfer mit dem Hansahochhaus das damals höchste Gebäude Europas.

„Kölner Hochhaus-Carneval“ 1926

Ein Blick auf die einstigen Visionen für den Heumarkt lohnt sich aber auch nach hundert Jahren trotzdem, wie Architekturstudierende der Technischen Hochschule (TH) Köln jetzt in einer neuen Ausstellung zeigen. Über mehrere Semester hinweg haben rund 70 Studierende in Archiven recherchiert, Entwürfe analysiert und schließlich etwa 40 Modelle 3D-gedruckt, die nun im Glasmoog der Kunsthochschule für Medien (KHM) zu sehen sind – in unmittelbarer Nähe zum Heumarkt also.

Blick in die Ausstellung „Heumarkt 1926 – Kölns vergessener Hochhauswettbewerb“

Blick in die von Studierenden der TH Köln kuratierte Ausstellung „Heumarkt 1926 – Kölns vergessener Hochhauswettbewerb“

Schon auf den ersten Blick wird deutlich, wie unterschiedlich die Architekten mit der durchaus herausfordernden Bauaufgabe umgegangen sind – der Autor einer Architekturzeitschrift bezeichnete den Wettbewerb sogar als „Kölner Hochhaus-Carneval“. Um sicherzugehen, dass für den Wettbewerb, den die Stadt 1925 ausschrieb, nur Hochhausentwürfe eingesendet werden, ordnete Oberbürgermeister Konrad Adenauer an, 180 000 Kubikmeter Bauvolumen zu berücksichtigen. „Es braucht viel Können, um dieses große Volumen zu einem architektonisch sinnvollen Entwurf zu machen“, so der Architekturprofessor Daniel Lohmann von der TH Köln, der das Projekt leitet. In der Menge der Modelle, stechen neben ausgefallenen Ideen, wie der Kugel und wenig gelungenen, klobigen Monstern, die Visionen einiger großer Namen der damaligen Architekturavantgarde heraus: Hans Poelzig, Adolf Meyer, Hans Scharoun und Wilhelm Riphahn reichten Entwürfe im Sinne des Neuen Bauens ein, Peter Behrens saß mit Adenauer in der Jury.

Suche nach europäischem Hochhaus

Das Nebeneinander dieser avantgardistischen und sehr traditionellen Bauideen – schmucklose Fassaden hier, neugotische Spitzbögen und Fialen da – ist typisch für die bewegten Zwanzigerjahre. Vorschriften wie das in letzter Zeit viel diskutierte Höhenkonzept gab es zwar noch nicht, doch auch damals sorgten Bauten, die in Konkurrenz zum Dom stehen, schon für Diskussionen, und auch das Konzept Hochhaus selbst, das gerade aus Amerika nach Europa herüberschwappte, stieß nicht bei jedem auf Begeisterung, wie Lohmann betont: „Hochhäuser wie in den USA waren in Europa nicht möglich, weil die Stadtbilder viel sensibler und historisch gewachsen sind. Wir haben hier eine traditionalistischere Idee von Stadt.“ Der Wettbewerb am Heumarkt ist deshalb auch die frühe Suche nach einer europäischen Hochhauslösung.

Dass dafür ein Gespür für die städtebauliche Umgebung unverzichtbar ist, führen die Studierenden im Glasmoog plastisch vor Augen. Mittig im Raum steht ein Modell des kleinteiligen Heumarkts 1926 mit seinen schmalen Altbauten. Alle 3D-gedruckten Wettbewerbseinsendungen lassen sich wie ein Puzzlestück einfügen. „Man lernt, was ein Entwurf mit dem Stadtbild macht – und wie er es kaputtmachen kann“, formuliert es Architekturstudent Philipp Ernst. Max Bergs Vorschlag „Mitten Druff“ – der Name ist Programm – kann als ein solches abschreckendes Beispiel gelten. Andere haben durchaus Potenzial. Riphahns Einsendung etwa, ist zwar ebenfalls monumental, doch wirkt sie durch mehrfache Staffelungen deutlich weniger invasiv. Auch Sharoun arbeitet nicht nur in die Vertikale, sondern mit zwei parallelen Baukörpern mit geschwungenen Linien, die an ein Segelboot mit Mast erinnern – wohl eine Hommage an seine Heimat Bremen.


„Heumarkt 1926 – Kölns vergessener Hochhauswettbewerb“, bis 14. März, Glasmoog, KHM Heumarkt 14, 50667 Köln, Mittwoch – Samstag, 14–19 Uhr und nach Vereinbarung. Eintritt frei.