Abo

Bestseller-CheckViele Fragen, die ältere Menschen beschäftigen

3 min
Ewald Arenz

Ewald Arenz

Kulturchefin Anne Burgmer über den neuen Bestseller-Roman „Fünf, sechs, sieben, acht“ von Ewald Arenz.

Wenn Sie die Bücher von Ewald Arenz mögen, werden Sie diesen Roman lieben, vereint er doch alles, was den Gymnasiallehrer aus Franken zu einem der erfolgreichsten Autoren im deutschsprachigen Raum in den vergangenen Jahren gemacht hat: Vielschichtige Charaktere und eine gute Geschichte, in der die großen und kleinen Fragen des Lebens verhandelt werden, ohne in Kalenderspruch-Floskeln abzurutschen. Deshalb wundert es auch nicht, dass „Fünf, sechs, sieben, acht“ (DuMont, 288 Seiten, 25 Euro) es nach Erscheinen gleich auf Platz 1 der Spiegel-Bestsellerliste geschafft hat, aktuell steht das Buch auf Platz 6.

Älter werden ist ja angeblich nichts für Feiglinge. Was macht es mit uns, wenn wir den größten Teil unseres Lebens schon gelebt haben? Und auch wenn man den Autor nicht mit seiner Romanfigur verwechseln soll, wird den 60-jährigen Ewald Arenz sicher die ein oder andere Frage umtreiben, mit der er den ebenfalls 60 Jahre alten Stepptänzer Anton konfrontiert. In eine echte Krise wird Anton zu Beginn des Romans gestürzt, als die neue Intendantin des Theaters, in dem er als Choreograph arbeitet, ihn ausgerechnet durch seine halb so alte Tochter Emma ersetzt. Anton ist wütend auf Emma, weil sie ihm nichts von der Bewerbung erzählt hatte. Und die Enttäuschung spült eine alte Verletzung wieder an die Oberfläche. Vor 35 Jahren wurde er ohne ein Wort von jetzt auf gleich von Jo verlassen, die nie wieder von sich hören ließ. Hat er das Leben verpasst, das eigentlich für ihn bestimmt gewesen wäre und das ihn glücklich gemacht hätte?

Ausgerechnet Emma spürt Antons alte Liebe in Irland auf, und die beiden machen sich gemeinsam auf, um diesen Geist aus seiner Vergangenheit zu finden. Doch die Reise verläuft völlig anders, als Anton sich das erhofft hatte. Mit Emma brechen alte Konflikte auf, besonders über die Zeit, als er und ihre Mutter Katja sich trennten. Und die Begegnung mit seiner Vergangenheit hält einige schmerzhafte Erkenntnisse bereit. Leicht und – passend zu seiner Hauptfigur – fast tänzerisch bewegt sich Arenz durch seine Geschichte und verliert dabei nie das Gleichgewicht. Anton ist ein vielschichtiger Charakter, auf der einen Seite kreativ, liebevoll, neugierig und aufmerksam, auf der anderen Seite kreist er manchmal doch sehr um sich selbst und vergisst dabei, dass nicht nur er verletzlich ist, sondern auch sein Verhalten verletzend sein kann. Ewald Arenz wirft in seinem neuen Roman viele Fragen auf, die ältere Menschen beschäftigen, verliert aber auch die Jugend nicht aus dem Blick.


Ewald Arenz stellt seinen Roman im Rahmen der lit.Cologne Spezial am 18. Oktober, 15 Uhr, im WDR-Funkhaus vor. Tickets kosten 35 Euro, ermäßigt 31 Euro.