Der Musiker Paul Wallfisch arbeitet eng mit Kay Voges zusammen und kuratiert die Eröffnungsfeier der Bühnen.
Bühnen-EröffnungEine Party für die ganze Stadt

Paul Wallfisch und Dana Schechter
Copyright: Roland Breitschuh
Paul Wallfisch, in Basel geborener US-Musiker, und Kölns Schauspiel-Chef Kay Voges kennen sich seit fast 25 Jahren. Ihre erste Begegnung verdanken sie einer CD, die mehrfach den Besitzer wechselte. Ende der Neunzigerjahre war Wallfisch mit der New Yorker Band Firewater auf Deutschland-Tour. Dem Fotografen, der ihren Berliner Auftritt für das „Visions“-Magazin ablichtete, drückte Wallfisch das Debütalbum seiner Band Botanica in die Hand. Der wiederum gab die Platte an seinen Krefelder Kumpel Markus Jansen, seines Zeichens Sänger der Band M. Walking on the Water, eine Zeit lang die absoluten Indie-Darlings der deutschen Jugend. Außerdem war Jansen der Vermieter von Kay Voges.
Als Wallfisch mit Botanica irgendwann in Krefeld spielte, fragte ihn Jansen, ob er mit ihm zusammen auf Tour kommen wolle. Voges tauchte bei einigen Konzerten auf und wurde sofort Fan. Für Wallfisch wurde Krefeld zum „home away from home“. Nach Konzerten schlief er auf Voges’ Sofa, man trank Bier und redete die halbe Nacht durch. Erst beim dritten oder vierten dieser Abende, erinnert sich Wallfisch, erwähnte Voges beiläufig, dass er am Theater arbeite. Vielleicht könnte man mal etwas zusammen machen. Dann passierte erst einmal nichts. Man blieb in losem Kontakt.
Bis Wallfisch eines Tages eine knappe E-Mail von Voges erhielt: Er werde demnächst die Intendanz am Dortmunder Theater übernehmen. Ob Wallfisch sich vorstellen könne, dort eine Konzertreihe zu organisieren und Musik für Stücke zu schreiben? Wallfisch wusste, dass Voges eher wenig schlief, rief aus den USA mitten in deutscher Nacht an, sagte zu. Doch, das könnte interessant werden.
Wallfisch hat auch die Musik für „In bester Lage“ komponiert
Wurde es. Der New Yorker blieb fünf Jahre in Dortmund. Inzwischen, sagt er, haben Voges und er mindestens 25 Produktionen zusammen gemacht. „Unser Musikgeschmack deckt sich zu 70 Prozent“, sagt Wallfisch. „Vor allem weiß Kay aber, wie bedeutend Musik sein kann, auch in Sprechstücken.“ Auch für „In bester Lage“, der Inszenierung, mit der Voges das neue alte Schauspielhaus am kommenden Freitag eröffnen wird, hat Wallfisch die Musik komponiert. Zuvor kuratiert er noch die musikalische Eröffnungsfeier des Schauspiels am Samstag, dem 19. September. Ein Auftrag, der ihn sichtlich begeistert.
Mit dem kleinen kostenlosen Open-Air-Festival auf dem Offenbachplatz melden sich die Bühnen nach 14 Jahren hinter Bauzäunen wieder bei den Bürgern zurück. Eine Party für die ganze Stadt, eklektisch und international, freilich mit erkennbarer musikalischer Haltung. „Ich will zeigen, dass das Schauspielhaus ein selbstständiger kultureller Ort ist“, sagt Wallfisch. Auf der Bühne werden unter anderem Moor Mother stehen, die afrofuturistische Dichterin, Jazz- und Elektronik-Musikerin aus Philadelphia hat eine enge Bindung an Köln, trat schon mehrmals mit unterschiedlichen Projekten im Stadtgarten auf, hatte vor drei Jahren im Rahmen der Brückenmusik den Hohlraum der Deutzer Brücke gestaltet.
Für den Abschluss konnte er Chilly Gonzales gewinnen
Aus der Ukraine hat Wallfisch das Kult-Kollektiv Dakh Daughters verpflichtet, „eine Mischung aus ukrainischer Volksmusik, Punk-Energie, theatralischer Performance und so einer modernen Prog-Haltung“. Xmal-Deutschland-Sängerin Anja Huwe wird mit großer Band neue Lieder und auch Klassiker ihrer alten All-Girl-Band präsentieren und das 18-köpfige Moka Efti Orchestra, bekannt aus der TV-Serie „Babylon Berlin“, bringt die schön kaputte Aufgekratztheit der alten Zwanzigerjahre auf den Offenbachplatz.
Für den glanzvollen Abschluss konnte Wallfisch den Ehrenkölner Superentertainer Chilly Gonzales gewinnen, er selbst wird am frühen Nachmittag zusammen mit seiner musikalischen Botanica-Partnerin Dana Schechter die Offenbach-Sause eröffnen. Die beiden verbindet eine 30-jährige Zusammenarbeit: Zuletzt haben sie als Duo die Platte „The Heart of a Whale“ auf dem Wiener Label Trost Records veröffentlicht und gemeinsam Musik für Voges' Inszenierung eines Wolfgang-Lotz-Stücks geschrieben. Schechter ist außerdem Teil der berühmten New Yorker Experimental-Rockband Swans – mit ihr gemeinsam hat auch Wallfisch dort gespielt – und ebenfalls Teil des aktuellen Line-Ups von Xmal-Deutschland.
Wallfischs eigener Weg zur Bühne begann tatsächlich schon vor seiner Begegnung mit Kay Voges. Bereits mit 19 schrieb er die Musik für ein Kafka-Stück am Théâtre du Rond-Point in Paris, wo er nach einem Jahr Musikschule in Punkbands spielte. Bob Wilson kam damals als Berater vorbei. Später arbeitete Wallfisch in New York am La Mama Theater, danach lebte er sieben Jahre als Film- und Fernsehkomponist in Los Angeles. Eine eher einsame Angelegenheit: „Du sitzt allein im Dunkeln vor Bildschirmen.“
Umso mehr schätzt er das Theater: „Da musst du mit allen anderen zusammenarbeiten, die ganze Zeit in Bewegung sein.“ Am Kölner Schauspielhaus, da ist sich Paul Wallfisch ganz sicher, wird er in den kommenden Jahren noch einige Stücke musikalisch begleiten. Es geht gerade erst los auf dem Offenbachplatz.
