Die Bundeskunsthalle in Bonn überwirft sich mit dem Bund und sagt eine Ausstellung der Bundeskunstsammlung ab. Kling verwirrend, ist aber ganz einfach.
Bundeskunsthalle sagt Ausstellung abDie Hand beißen, die einen füttert


Ein Lichtturm der Bundeskunsthalle, von innen gesehen
Copyright: Tania Beilfuß / Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland
Diese Woche verkündete der Louvre, besonders weit gereiste Besucher demnächst mit einem Strafgeld belegen zu wollen. Verkauft hat die Leitung des berühmtesten Museums der Welt die Preiserhöhung für Bürger aus Nicht-EU-Staaten natürlich anders. Mit dem Aufschlag von 45 Prozent wolle der Louvre seine Sicherheitsvorkehrungen verbessern, was nach dem spektakulären Raub der Kronjuwelen im Oktober tatsächlich dringend angeraten scheint. Betroffen sind vor allem US-Touristen, weshalb man von einer doppelten Form des europäischen Protektionismus sprechen kann – gegen Einbrecher und gegen lästige Konkurrenz im Gedränge vor der Mona Lisa.
Am nötigsten scheint es auch in der Bundeskunsthalle in Bonn zu fehlen
Am nötigsten scheint es nicht nur in Paris, sondern auch in der Bundeskunsthalle in Bonn zu fehlen. Diesen Mittwoch sagte das Haus eine für 2026 angekündigte Ausstellung ab, weil „die Umsetzung aller geplanten Ausstellungen bei dem vorhandenen Budgetrahmen nicht mehr verantwortungsvoll gewährleistet“ werden könne. Schuld am „finanziellen Engpass“ ist demnach der Bund, dem die Kunsthalle neben ihrem Namen auch üppige jährliche Zuwendungen in Millionenhöhe verdankt. Doch während die Ausstellungskosten ständig stiegen, habe der Bund seine Zuschüsse „nicht in ausreichendem Maße“ angepasst.
Wie beim Louvre klingt das nach Klagen auf hohem Niveau, denn verglichen mit den meisten kommunalen Museen schwimmt die Bundeskunsthalle in Geld. Anders als die Pariser Kollegen bestrafen die Bonner aber nicht unbescholtene Besucher (auch wenn sie diese einer Ausstellung berauben), sondern den maßgeblichen Verursacher des „finanziellen Engpasses“: den Bund. Praktischerweise wollte die Bundeskunsthalle vom 12. Juni bis 4. Oktober 2026 die Höhepunkte aus der Sammlung zeitgenössischer Kunst der Bundesrepublik Deutschland zeigen. Doch diese Schau fällt nun eben aus.
Vielleicht hätte die Bonner Geschäftsführung auch an den geplanten Ausstellungen zur Sexarbeit oder zur deutschen Erinnerungskultur sparen können. Stattdessen hat sie sich dafür entschieden, die Hand zu beißen, die sie füttert. Auch das muss man sich leisten können.

