AnnenMayKantereit spielten am Samstagabend ihr zweites Stadionkonzert. Sie spielten viele Hits, aber auch einige neue Songs, die noch nicht veröffentlicht sind.
„Dat verjesse mer nit“AnnenMayKantereit singen im ausverkauften Stadion von Kölns Wunde
Ein Dienstag im März, Trümmer und zwei Tote. Das Stadtarchiv ist eingestürzt. Auf der größten Kölner Bühne erinnert Henning May an die größte Wunde der jüngeren Stadtgeschichte. „Dat verjesse mer nit / Wie es damals eingestürzt ist“ singt May mitten im Zuschauerraum des ausverkauften Rhein-Energie-Stadions, wo der Schmerz über das jahrelange Loch am Waidmarkt ein kollektiver wird. Auf ihrem zweiten Stadionkonzert am Samstagabend vor rund 45.000 Menschen – das erste fand 2023 statt – hat die Kölner Band, die sich 2011 aus drei Sülzer Schülern am Schiller-Gymnasium gründete – wieder ihre Schmetterlingslieder dabei. Lieder, die für den Augenblick geschrieben sind, kurz umherflattern und dann vergehen.

Henning May am E-Piano. Er spielte Gitarre, Ziehharmonika und Klavier.
Copyright: Thomas Banneyer
Die Ballade „Schmetterling“ über die Vergänglichkeit, so schwörte es Henning May 2023, würde er nur einmal singen, an jenem Abend. Am Samstag legte sich der traurige Schmetterling über die Archivtrümmer. „Das zweite Lied ist glücklich“, versprach der Sänger jedoch: Und was kann die Kölnerinnen und Kölner heiter stimmen? Das muss der Karneval richten. Dafür hatte sich May bereits ein FC-Trikot übergestreift, der einzige Kleiderwechsel jemals, so May.
Christopher Annen, Severin Kantereit und Henning May sind nicht mehr Anfang 20, nicht mehr die Schülerband in der Aula, nicht mehr die Straßenmusiker an der Ehrenstraße mit dem schmächtigen Junge, dessen Bariton nur verwundern konnte, sondern arrivierte Musiker: Das zeigt wohl auch daran, dass sie in ihrem zweiten Schmetterlingslied von einem „Fenster zum Zoch träumen“, statt mittendrin zu sein.
AnnenMayKantereit in Köln: Zwei Stunden mit neuen Liedern und Hits
Karneval mit 20, singt May, „da ging es ums Saufen. Mit Mitte 20 wollte man wissen, wer da ist und wer nicht, und mit Ende 20, an Karneval, wer hat was mit wem und warum eigentlich nicht“, aber Achtung! Mit Mitte 30 „sage ich ehrlich, ich wünsche mir ein Fenster zum Zoch / vom fiere han ich jenoch / ich will im Warmen Stehen“. Sogar Strüssjer hatte die Band dabei, die sie ins Publikum warfen. Nächstes Jahr AMK beim Rosenmontagszug mit Kamelle für die Jecken? Mit „Nur nicht aus Liebe weinen“ hatten sie passenderweise auch ein bisschen Brings im Gepäck: Die Zugabe für Köln konnte nur mit der Heimweh-Hymne „Tommi“ enden – das ganze Stadion sang mit. Da möchten auch die Nicht-Kölner vor lauter Gänsehaut an den Rhein ziehen.

Ausverkauftes Konzert im Rhein-Energie-Stadion: AnnenMayKantereit 2026.
Copyright: Thomas Banneyer
Zwei Stunden Programm boten AnnenMayKantereit: Sie spielten nicht nur tanzbare Hits wie „Pocahontas“, „Ausgehen“ oder „Ich geh heut nicht mehr tanzen“ oder „Barfuß am Klavier“, sondern hatten auch einige neue Songs in petto, die sie auf ihrer Live-Tour mit Publikum erproben möchten. Die Band verriet, dass sie an einem neuen Album arbeitet. Das letzte Album „Es ist Abend und wir sitzen bei mir“ ist von 2023.
Eine ausführliche Konzertkritik folgt am Sonntagmittag.