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40 Jahre StadtgartenAls Überlebender des „Kölner Jazzkriegs“ zur Spielstätte des Jahres

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Ein Schild kündigt eine Baustelle an.

Die Baustelle zum Stadtgarten-Restaurant im März 1986

Trotz heftiger Machtkämpfe und finanzieller Herausforderungen etablierte sich der Stadtgarten als eine der wichtigsten Spielstätten Kölns. Im September besteht er seit 40 Jahren.

Der September des Jahres 1986 bescherte der Kölner Kultur aufregende Tage. Der Kunstverein resümierte mit der Ausstellung „Die 60er Jahre“ Kölns Weg zur Kunstmetropole, das Kulturzentrum Wallraf-Richartz-Museum/Museum Ludwig wurde ebenso eröffnet wie die Philharmonie, die mit Robert Schumanns „Rheinischer Symphonie“ und Bernd Alois Zimmermanns „Photoposis“ startete. Später im Monat kam auch Zimmermanns „Requiem für einen jungen Dichter“ zur Aufführung, kurz zuvor gastierte Miles Davis in der Philharmonie – mit Drumcomputer, Synthesizern und heftigen, elektronischen Rhythmen.

Zeitgleich zum Museum Ludwig eröffneten freie Kunstschaffende in der Simultanhalle in Volkhoven das kulturkritische Klaus Peter Schnüttger-Webs Museum – und mussten wegen der hohen Folgekosten bereits einen Tag später schließen. Andere Initiativen erwiesen sich als zukunftsfähiger: Während Hans-Martin Müller in einem Hinterhof an der Straße Unter Krahnenbäumen das Loft aus der Taufe hob, eröffnete am 4. September 1986 der Konzertsaal im Stadtgarten. Unter Verantwortung der Initiative Kölner Jazz Haus (IKJH) bekam der Jazz am Rand von Kölns ältester innerstädtischer Grünanlage ein Zentrum.

Heftige (Macht-)Kämpfe hinter den Kulissen

Die rasante Folge der Ereignisse veranschaulicht den damaligen Aufbruch in der Kölner Kultur, sagt aber nur wenig über die teils heftigen (Macht-)Kämpfe hinter den Kulissen. Vieles musste erstritten werden, besonders von freien Initiativen. Der Stadtgarten sollte anfangs als erste Spielstätte für den Jazz autark und autonom von Musizierenden aus Köln geleitet werden, dafür hatte man acht Jahre lang gekämpft. Als die Stadt das Haus zwischenzeitlich an den konkurrierenden Verein Jazzboard vergab, war dies ein niederschmetternder Moment, aber noch nicht das letzte Wort im „Kölner Jazzkrieg“.

„Damals,“ erinnert man sich beim Stadtgarten, „hatten wir bestenfalls eine Ahnung von dem, was auf uns zukommen würde. Unsere Idee war, etwas zu machen, was es bis dahin in unserem Land noch nicht gab: ein unabhängiges Konzertprogramm mit aktueller improvisierter Musik, das inhaltlich ausgerichtet war und weder nach Zuschauerzahlen noch öffentlichen Subventionen schielte.“ Um dies wirtschaftlich zu stemmen, wurde der Konzertbetrieb an die Gastronomie, das Stadtgarten-Restaurant und den Biergarten, geknüpft – mit Erfolg. Zuvor hatte Oberstadtdirektor Kurt Rossa, der sich für die freie Kulturszene engagierte, „die Möglichkeit der Vergabe des Objektes im Wege einer Erbbaurechtsbestellung“ ins Gespräch gebracht.

Da waren Reiner Michalke als künstlerischer und Matthias von Welck als kaufmännischer Geschäftsführer längst die zentralen Protagonisten des Stadtgarten-Ausbaus, 35 Jahre lang leiteten sie das Haus. Dass ihnen Rossa mit dem späteren Kulturamtsleiter Jürgen Nordt einen verlässlichen Ansprechpartner für die Gespräche mit der Verwaltung zur Seite stellte, war ein Glücksfall, den es auch braucht, um Erfolg zu haben.

Heute zählt der Stadtgarten zu den wichtigsten Spielstätten Kölns

„Wir haben vieles überlebt“, fassten die Betreiber vor zehn Jahren zusammen, „angefangen von den Schikanen der Großen Koalition aus SPD und CDU in den Anfangsjahren, einer Steuernachzahlung im hohen sechsstelligen DM-Bereich für nicht entrichtete ‚Ausländersteuern‘ bis hin zu einer Klage der Stadtgarten-Anwohner, die in letzter Konsequenz zur Schließung des Biergartens geführt hätte. Inzwischen haben wir unsere Steuerschulden bezahlt, und wir haben ein sehr entspanntes Verhältnis sowohl zur Politik in Köln als auch zu unseren Nachbarn.“

Vier Menschen stehen nebeneinander vor einer blauen Wand.

Tritt beim Jubiläumsfestival „Night of Stadtgarten“ auf: RE:CALAMARI, eine Jazz- und Fusion-Band aus Köln und Berlin

Heute zählt der Stadtgarten Köln zu den wichtigsten Spielstätten in der Stadt. Seit 2018 firmiert er als Europäisches Zentrum für Jazz und Aktuelle Musik, 2022 erhielt er den Deutschen Jazzpreis als „Spielstätte des Jahres“. Jährlich finden dort mehr als 400 Veranstaltungen aus allen Bereichen des Musiklebens statt, wobei das internationale Renommée vor allem dem hohen Anteil an anspruchsvollen, experimentellen Programmen zu verdanken ist.

Eine Festschrift zum 40. Geburtstag

Zum 40. Geburtstag spendiert sich der Stadtgarten nun eine Festschrift im Buchformat, detail- und kenntnisreich verfasst vom Musikwissenschaftler Martin Laurentius, der Geschichte, Gegenwart und Aufbruch in die Zukunft verknüpft. Notgedrungen kommen die zahllosen, denkwürdigen Konzerte ein wenig zu kurz, gleichwohl folgt man gern Laurentius persönlichen Erinnerungen an memorable Gäste und ihre Auftritte. Zugleich bleibt Raum für eigene Erinnerungen, angeregt werden sie durch die einzigartigen Fotografien von Hyou Vielz.

Genau am Tag der Eröffnung vor 40 Jahren veranstaltet der Stadtgarten ein eintägiges Festival mit 20 Konzerten, bei dem Musizierende aller Spiel- und Stilarten zur Geburtstagsparade defilieren. Danach sollte man jedes weitere Konzert in vollem Bewusstsein genießen, denn Anfang 2018 schließt der liebgewonnene Konzertsaal, um einem Neubau Platz zu machen. Damit, sagt Ulla Oster, die Vorsitzende der IKJH, „schaffen wir die Voraussetzungen dafür, dass der Stadtgarten seine Erfolgsgeschichte auch in den kommenden Jahrzehnten fortschreiben kann – als Ort für künstlerische Innovation, internationale Vernetzung und musikalische Vielfalt.“


Das Fest: „Night of Stadtgarten“. Festival zum 40. Jubiläum. Stadtgarten, 4. September, 19 Uhr.

Das Buch: Martin Laurentius: Stadtgarten – Das Buch. Hrsg. Initiative Kölner Jazz Haus e.V./Stadtgarten Köln. J.P. Bachem Verlag, Köln 2026, 256 Seiten, 26,00 EUR.