Die Fußball-EM 2020 ist mit einem Jahr Verspätung über die Bühne gegangen. Das Interesse der Zuschauer war trotz – oder wegen – der besonderen Umstände hoch, durchschnittlich 10,6 Millionen Zuschauer schalteten bei ARD und ZDF bei den Spielen ein.
Solche Werte erreicht sonst höchstens der „Tatort“. Das waren zwar etwas weniger Zuschauer als 2016, als im Schnitt 11,74 Millionen einschalteten, aber das kostenpflichtige Angebot der Telekom, Magenta TV, weist seine Quoten nicht aus. Zudem sind die noch nicht endgültig berechneten Streamingabrufe nicht eingerechnet.
Sportliche Sieger und Verlierer stehen fest. Nach dem Ende des Turniers lohnt aber auch ein abschließender Blick auf die Leistung der TV-Experten. Wir sagen Ihnen, wer am Mikrofon überzeugen konnte und wer nicht.
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Gewinner

Almuth Schult
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Almuth Schult fiel zu Beginn des Turniers vor allem durch einen Lachanfall auf, der sie nach einer Aussage ihres Experten-Kollegen Kevin-Prince Boateng („Mats Hummels ist so lange im Game“) ereilte. Das war sympathisch, sagte aber noch nichts über ihr Fachwissen aus.
Die Torhüterin des VfL Wolfsburg zeichnete sich aber zum Glück nicht nur durch gute Laune, sondern vor allem durch ihre klugen Einschätzungen aus. Schult analysiert im ARD-Studio ohne Gestottere oder Floskeln, was in den Spielen passierte.
Besonders ihre Erläuterungen zur Taktik der Mannschaften waren klar und von Sachverstand geprägt. So hob sie sich deutlich von Kevin-Prince Boateng und Stefan Kuntz (sympathisch, aber eher langweilig) ab.
„Ich glaube, viele Männer haben noch im Kopf, dass Frauen keine Ahnung vom Fußball haben. Es wäre schön, dieses Vorurteil aufzubrechen“, hatte Schult vor der EM gesagt. Und Auftritte wie ihrer werden die Unbelehrbaren irgendwann vielleicht tatsächlich verstummen lassen.

Sandro Wagner
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Ein anderer Gewinner dieser EM ist ein Ex-Profi, der in der Nationalmannschaft nie richtig warm wurde, dort noch am ehesten durch seine Sprüche auffiel. Und genau diese haben Sandro Wagner zu einer der Entdeckungen gemacht.
Im ZDF war der Trainer von Unterhaching als Co-Kommentator im Einsatz. Besonders neben Routinier Béla Réthy glänzte Wagner. Wenn der ZDF-Journalist sich mal wieder verstolperte und Namen vertauschte, war Wagner zur Stelle – und fiel vor allem durch seine entspannte, unterhaltsame Art auf.
Er nannte die Dinge beim Namen und hatte keine Angst vor klaren Einordnungen, gleichzeitig war er weit vom staatstragenden Ton entfernt, der im Fußball allzu oft vorherrscht. Ja, es ist ein wichtiges Turnier, aber ist eben auch immer noch nur Fußball.
Auch fürs Finale war er eine unterhaltsame Bereicherung („Chiellini kannst du nicht weh tun. Ich habe es vor ein paar Jahren mal versucht“). Gerne mehr davon.

PerMertesacker und Christoph Kramer
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Ob es das Duo Per Mertesacker und Christoph Kramer im ZDF-Studio wirklich gebraucht hätte, sei mal dahingestellt, ein Experte hätte es wohl auch getan, aber besonders Ex-Nationalspieler Kramer fiel durch sachliche, ruhige Einordnungen auf, sagte sowohl Kylian Mbappés als auch im Finale Jadon Sanchos und Marcus Rashfords Elfmeter-Fehlschüsse voraus.
Verlierer

Bastian Schweinsteiger
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Größter Verlierer des Turniers, wenn es um die Experten geht, ist ausgerechnet einer, der in der Nationalmannschaft fast immer zu den großen Gewinnern zählte: Bastian Schweinsteiger. Das hatte verschiedene Gründe. Zum einen war da die vermutlich für beide schwierige Zusammenarbeit mit ARD-Journalistin Jessy Wellmer. Wo sich zwei die Bälle zuwerfen sollten, geschah genau das Gegenteil. Die Chemie stimmte nicht.
Wellmers Versuche, Schweinsteiger in ein gutes Licht zu rücken, bewirkten genau das Gegenteil. Der 36-Jährige wirkte allzu oft fahrig und unkonzentriert, seine Einschätzungen brachten selten neue Erkenntnisse. Das war ziemlich trivial, manchmal sogar unfreiwillig komisch.
Gute Quote
Das Endspiel hat dem ZDF zum Abschluss des Turniers noch einmal eine Top-Einschaltquote und mehr Zuschauer als der ARD bei der EM 2016 beschert. Durchschnittlich 20,90 Millionen Menschen sahen am Sonntagabend den Sieg Italiens gegen England im Elfmeterschießen. Der Marktanteil lag nach Angaben des Senders bei 64,4 Prozent. Nur die drei Spiele der deutschen Nationalmannschaft hatten bei der EM mehr TV-Zuschauer als das Finale.
Und frei nach dem Motto „Zuerst hatten wir kein Glück, und dann kam auch noch Pech dazu“ machte Schweinsteiger zuletzt auch noch Schlagzeilen wegen Schleichwerbung. Der Fall ist noch immer nicht abschließend geklärt und soll in den kommenden Wochen „intern aufgearbeitet werden“, wie es bei der ARD heißt.
Ein Auftritt Schweinsteigers hatte beim Sender für Ärger gesorgt, weil er parallel für eine Uhr geworben hatte. Der bis Ende 2020 unter Vertrag stehende Experte hatte „in der Halbzeitpause ohne unsere Kenntnis bei Social Media einen Post im Rahmen einer bezahlten Werbepartnerschaft“ veröffentlicht, kritisierte die ARD. Das nennt man dann wohl ein Eigentor.



