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In Kölner GalerienWie Dagmar Varady die Kunstgeschichte verschlumpft

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Zwei blaue Köpfe in Seitenansicht, die Münder sind weit geöffnet.

Dagmar Varadys Siebdruck auf Bütten ist derzeit in der Kölner Galerie Pamme-Vogelsang zu sehen.

Die Konzeptkünstlerin Dagmar Varady stellt in der Kölner Galerie Pamme-Vogelsang aus und experimentiert mit der Farbe Blau.

Als Konzept- und Medienkünstlerin steht man nicht gerade im Ruf, sich gerne die Finger schmutzig zu machen. Auch Dagmar Varady hielt sich von der Matschepampe alter Kunstgattungen wie Malerei oder Bildhauerei lange fern – die 62-jährige Leipzigerin hielt es eher mit Fotografien, Videos, Computeranimationen oder den Ausgeburten des eigenen Geists. Selbst als sie vor einigen Jahren damit begann, die Malsau rauszulassen und blaue Farbe auf Fotofolien zu schütten, wollte sie sich nicht von alten Gewohnheiten trennen.

Als Konzeptkünstlerin entdeckt Dagmar Varady die Malerei mit leichter Verspätung

In der Kölner Galerie Pamme-Vogelsang hängen die Zeugen von Dagmar Varadys später Entdeckung des malerischen Kontinents jetzt fein säuberlich an der Wand. Allerdings tut Varady nicht das, was andere schon vor ihr getan haben. Sie verschüttet nicht irgendeine Farbe, sondern blaue Emaillefarbe, die beim Trocknen faltig wird, und sie kippt sie auf Duratransfolie, die sich wellt und das Tageslicht silbrig glitzernd reflektiert. Ganz neu ist auch das nicht; bereits die alten Meister machten sich Gedanken darüber, wie sich das Licht, das auf ihre Leinwand fällt, für das innere Leuchten der Bilder einspannen lässt. Aber immerhin findet Varady eine neue Variante eines alten malerischen Problems und führt die Lösung im Breitwandformat von 128 mal 293 Zentimeter vor.

Als malerische Novizin hält sich Varady auch sonst an die blaue Tradition der Kunstgeschichte. Als vor acht Jahren in Stockholm eine Ausstellung der Bildhauerin Louise Bourgeois abgebaut wurde, holte sie die Genehmigung ein, die Packarbeiten fotografieren zu dürfen. Aus einigen der damals entstandenen Aufnahmen machte sie später Bausteine für blau eingefärbte Multimedia-Collagen, in denen es um die Grenzen zwischen den zwei- und dreidimensionalen Medien geht – das Ergebnis ist schon wieder zu naheliegend, um wirklich zu überzeugen. Besser sind die Abfallprodukte dieser Arbeiten: Witzige blaue Silhouetten, die auf Bourgeois‘ Büsten basieren.

Auch Leonardos Abendmahl wird auf diese Weise verschlumpft – für eine Yves Klein’sche Blaupause der Kunstgeschichte aus dem Geist des eigenen Größenwahns ist Varady einfach zu nüchtern und bescheiden. Zu ihrer Serie „Kleines Abendmahl“ gehören Aufnahmen ihrer gesteppten Jacke und dazu Silhouetten einzelnen Jünger, denen jeweils die Köpfe fehlen. Als leere Anzüge will Varady die Apostel aber vermutlich nicht verspotten. Stattdessen sucht sie wohl einfach den Punkt, an dem konkrete Stofflichkeit in abstrakte Farbigkeit umkippt.


„Dagmar Varady: Expansions“, Galerie Pamme-Vogelsang, Hahnenstr. 33, Köln, Di.-Fr. 12-18 Uhr, Sa. 11-15 Uhr, bis 26. August. Zur Ausstellung ist die Publikation „Expanded Studio“ (106 Seiten, 130 Abbildungen, 48 Euro) im Kölner Snoeck Verlag erschienen.