Dietmar Wunder ist die deutsche Stimme von „James Bond“ und spricht über das Handwerk Synchronsprechen und die Bedrohung durch KI.
„James Bond“-Sprecher Dietmar Wunder„Eine künstliche hergestellte Stimme ist eine Lüge“

Dietmar Wunder
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Wie trinken Sie Ihren Martini, Herr Wunder?
Natürlich geschüttelt, nicht gerührt, wobei: Seh‘ ich so aus, als ob mich das interessiert?
Berühmt und beliebt sind Sie als deutsche Stimme von James Bond in den fünf Filmen mit Daniel Craig. Wie reagieren die Menschen, wenn sie im Supermarkt oder auf dem Flughafen („Bitte lassen Sie Ihr Gepäck nicht unbeaufsichtigt“) Ihre Stimme hören?
Oft sprechen mich die Leute direkt auf die Schauspieler an: Sind Sie nicht die deutsche Stimme von Bond? Oder: Sie sind doch Adam Sandlers deutsche Stimme! Dann freuen sie sich immer, weil ich sie auf Deutsch über so viele Jahre begleite und sie dadurch viele Erinnerungen haben. Dadurch ergibt sich oft eine Vertrautheit für sie, und das freut mich jedes Mal sehr, weil ich mit meinem Traumberuf Menschen bewegen darf.
Wie halten Sie beim Synchronsprechen den rauen Superheldenton der von Craig gespielten Bond-Figur auf der einen und deren Emotionen und Schwächen auf der anderen Seite auseinander? Zum Beispiel in der Szene aus „Skyfall“, wo der Craig-Bond beim Fitness-Test durchfällt?
Das ergibt sich durch das Schauspielern, auch gibt mir Daniel Craig auf Englisch ja eine wunderbare Richtung vor.
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Seit wann hat Bond Sie fasziniert?
Seit ich 13 bin, ist James Bond ein Held für mich und auch der Grund, warum ich Schauspieler werden wollte.
Und was macht die ganz andersartige Rolle, die Daniel Craig nicht als Geheimagent, sondern als Privatdetektiv in den jetzt zwei, bald drei „Knives Out“-Filmen spielt, mit Ihnen (und mit Ihrer Synchronstimme)?
Eine ganz wunderbare Herausforderung für mich, als Schauspieler zwar Daniel Craig zu synchronisieren, aber in einer ganz anderen Rolle. Das ist eher Theaterbühne, ein Aus-sich-Herausgehen und macht unwahrscheinlich viel Spaß.
Seit ich 13 bin, ist James Bond ein Held für mich und auch der Grund, warum ich Schauspieler werden wollte
Wie können wir uns Sie eigentlich bei den Ton-Aufnahmen im Studio vorstellen? Was passiert da mit Ihrer Körperhaltung und Ihrer Mimik, wenn Sie Bond bei Action- oder bei Liebesszenen nachsprechen?
Wir spielen im Studio die Szenen minimalistisch nach. Das heißt: Ich muss wissen, wie ich klinge, wenn ich zum Beispiel renne, kämpfe und so weiter oder wie klinge ich bei emotionalen Szenen, was passiert da mit meiner Stimme. Das durfte ich alles auf der Schauspielschule lernen, wie wir das erspielen können. Es ist eine Kombination daraus, das nachzuempfinden, was der Schauspieler vorgibt, und gleichzeitig unsere eigene Interpretation wahrhaftig zu transportieren.
Hören Sie gerne im Kino Ihre eigene Stimme? Oder haben Sie die Bond-Filme in der Originalsprache angeschaut?
Aus Tradition höre ich und meine Familie Bond immer auf Deutsch. Und meine eigene Stimme höre ich mit dem Hintergrund: Hat das geklappt, was wir inszeniert haben? Und wenn ja, dann freue ich mich immer.
Ich möchte echte Persönlichkeiten, echte Emotionen, das macht den Menschen aus
Mit Künstlicher Intelligenz können Stimmen von amerikanischen Schauspielern Deutsch oder andere Sprachen sprechen. Wie stark ist KI als Rivale im Synchronsprechen? Kann KI die menschliche Stimme überflüssig machen?
Was macht den Menschen menschlich? Dass er nicht künstlich ist. Die menschliche Stimme erzeugt mit ihren Emotionen beim Gegenüber Emotionen; ist das künstlich hergestellt, ist das genau genommen eine Lüge, weil die Emotionen ja nicht echt, sondern künstlich ist. Wollen wir das? Also ich nicht. Begriffe wie Stimmung, Person haben alle etwas mit der Stimme zu tun. Man hört einer Stimme die Stimmung an, die Persönlichkeit. Der Begriff Person kommt frei übersetzt aus dem Lateinischen, „per sonus“, durch den Klang, dadurch wird eine Person unter anderem dargestellt. Ich möchte echte Persönlichkeiten, echte Emotionen, das macht den Menschen aus.
Anfang Januar 2026 führen Sie in der Kölner Philharmonie durch das Programm der Neuen Philharmonie Westfalen „The Sound of James Bond“. Was ist Ihr Lieblingssound aus den Filmen?
Da weiß ich gar nicht, wo ich anfangen soll, „You only live twice“, „Nobody does it better“. Oder auch „Goldeneye“. Das ganze Konzert ist ein einziges großes Feuerwerk der Welt von Bond – und das mit echten Gefühlen und echten Menschen für echte Menschen!
Dietmar Wunder (60) ist ein deutscher Schauspieler, Synchronsprecher, Hörspiel- und Hörbuchsprecher und Synchronregisseur. Bekannt ist er vor allem als deutsche Feststimme von Adam Sandler, Cuba Gooding Jr., Daniel Craig, Don Cheadle, Sam Rockwell und Rob Lowe.
Am 2. Januar und am 3. Januar (jeweils um 20 Uhr) führt Wunder in der Kölner Philharmonie durch den Abend „The Sound of James Bond“. Die Neue Philharmonie Westfalen unter Christian Schumann und die Solisten Tertia Botha und Dennis LeGree spielen und singen die Soundtracks zu den Filmen. Für beide Termine gibt es noch Restkarten.
