Junges Buch für die StadtDie große Kunst des Unspektakulären

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Jockum Nordströms Bilder eröffnen ganz eigene Welten – hier das Städtchen, in dem Sailor und Pekka einkaufen gehen.

Jockum Nordströms Bilder eröffnen ganz eigene Welten – hier das Städtchen, in dem Sailor und Pekka einkaufen gehen. 

Das „Junge Buch für die Stadt“ wird im Juni mit vielen kreativen Aktionen begleitet.

In einer Welt, wo in den Kinderzimmern Superhelden-Hunde mit Raketenantrieb unterwegs sind und Ninjas gegen Elementarmonster kämpfen, scheint ein Buch wie „Sailor und Pekka erledigen was in der Stadt“ wie ein Gruß aus einer lange vergangenen Zeit. Denn hier explodiert nichts, niemand muss gerettet werden, und es gibt keine wilden Verfolgungsjagden.

Zwar gibt es auch einen Hund, der Pekka heißt, und immerhin Zeitung liest, spricht und auf zwei Beinen gehen kann. Aber besonders viel passiert hier nicht: Sailor findet seinen Pullover nicht und fährt mit Pekka in die Stadt, um einen neuen zu kaufen. Bei der Gelegenheit lässt er sich dann gleich noch ein neues Tattoo stechen. Na gut, das ist wenigstens ein bisschen verwegen. Und es gibt eine Autopanne und einen Clown, der seine Trompete verloren hat und dann wiederbekommt. Das war’s aber auch schon. Zum Abendessen gibt es dann Nudeln mit Tomatensoße mit der netten Nachbarin.

Gerade diese Abwesenheit von Spannung und Spektakel macht das Buch aus. Und findet sich auch wieder im lakonischen Ton der kurzen Geschichte und in den minimalistischen Bildern. Die sind die größte Entdeckung – irgendwo zwischen naiver Kinderzeichnung, Architektur-Entwurf, Comic und Surrealismus. Und irgendwo zwischen Kinderbuch und Kunst – einer Grauzone, in der der kleine Kölner Péridot-Verlag publiziert.

Autor Jockum Nordström ist heute tatsächlich vor allem als Künstler international bekannt – seine „Sailor und Pekka“- Reihe ist im schwedischen Original schon in den 1990er Jahren erschienen. Es ist also kein Zufall, dass das Ganze irgendwie aus der Zeit gefallen wirkt. Wobei das womöglich auch vor 30 Jahren schon so war. Ein Kinderbuch für Erwachsene also? Oder ein Erwachsenenbuch für Kinder? Egal – Hauptsache man mag besondere Bilderwelten und lakonische Geschichten: „Die Verlage in Deutschland haben sich 30 Jahre lang diesen Leckerbissen entgehen lassen“, freut sich Péridot-Verleger Ferdinand Lutz über diese Entdeckung.


Am Sonntag, 28. Juni, wird die Aktionswoche für das „Junge Buch für die Stadt“ im Interim der Zentralbibliothek auf der Hohe Straße eröffnet. Mit dabei sind der Übersetzer Hinrich Schmidt-Henkel und Verleger und Comiczeichner Ferdinand Lutz, die das Buch mit Moderatorin Britta Weyers vorstellen. Der Eintritt ist frei, Anmeldung über die Kölner Stadtbibliothek. Danach gibt es eine Woche lang Veranstaltungen wie Bilderbuchkino und Mal- und Bastelaktionen im Literaturhaus und in den Stadtteilbibliotheken. Das „Junge Buch für die Stadt“ ist eine Aktion des „Jungen Literaturhaus Köln“, der Kölner Stadtbibliothek und „Kölner Stadt-Anzeiger“/„Kölnische Rundschau“.