Der Warenhaus-Konzern der jüdischen Familie Tietz wurde 1933 von den NS-Machthabern arisiert und in Westdeutsche Kaufhof AG umbenannt.
150 aus 150Leonhard Tietz gründete Vorläufer von Galeria Kaufhof

Leonhard Tietz
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Zum 150. Geburtstag des Kölner Stadt-Anzeiger stellen wir jeden Tag eine bedeutende Kölner Persönlichkeit vor. Im 16. Teil der Serie geht es um den Unternehmer Leonhard Tietz.
Bedeutung
Seit 1876 war Leonhard Tietz im Textileinzelhandel selbstständig, zunächst in Frankfurt/Oder. Seine Grundsätze – feste Preise, Barzahlung und kompetente Bedienung – entwickelte er bereits dort. Zudem betrieb er intensive Werbung in den örtlichen Zeitungen. Als er ins Rheinland übersiedelte, kam er zunächst nach Elberfeld und 1891 nach Köln. 1905 wandelte Tietz sein Unternehmen in die erste deutsche Warenhaus-Aktiengesellschaft um. Für seine Angestellten errichtete er eine Betriebskrankenkasse, in der Eifel ein Erholungsheim und eine Angestellten-Leihbibliothek.
1914 verfügte die nach ihm benannte Leonhard Tietz AG über 14 Warenhäuser in Deutschland und sechs in Belgien. Mehr als 5500 Menschen arbeiteten für den seinerzeit größten deutschen Warenhaus-Konzern. 1933 wurde das Unternehmen von den NS-Machthabern arisiert und in Westdeutsche Kaufhof AG umbenannt. Leonhards Sohn und Nachfolger Alfred Tietz musste emigrieren und starb 1941 in Jerusalem.
Leonhard Tietz
Geboren: 3. März 1849 in Birnbaum, Warthe
Gestorben: 15. November 1915 in Köln
Wirken in Köln
In Köln expandierte das Unternehmen von Leonhard Tietz, der 1893 den Wohn- und Geschäftssitz hierhin verlegte. 1895 öffnete an der Hohe Straße ein vergrößertes Geschäft mit eigenem Kundenaufzug, das bereits Spielwaren und Schlafzimmer-Einrichtungen anbot. Tietz kaufte weitere Grundstücke hinzu und konnte 1902 einen Prachtbau mit Passage nach Mailänder Vorbild und Vollsortiment eröffnen. Das Geschäft wurde bald zu klein, sodass 1914 ein Großneubau im Areal An St. Agatha, Gürzenich- und Hohe Straße folgte. 1925 wurde dort die erste Rolltreppe Deutschlands eingebaut.

Eine Postkarte aus dem Kölnischen Stadtmuseum zeigt die erste deutsche Rolltreppe im Kölner Kaufhaus Tietz im Jahr 1925.
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Bemerkenswert
Leonhard Tietz war ein begeisterter Kunstsammler und Mäzen. 1910 stiftete er dem Wallraf-Richartz-Museum das Bild „Das Jagdfrühstück“ von Gustave Courbet. Tietz unterstützte viele jüdische und nicht-jüdische Einrichtungen. Er war Mitglied der Gemeinderepräsentanz der Synagogen-Gemeinde.
Spuren in der Stadt
In der Innenstadt erinnert seit 1963 die Straße an ihn, an der seit 1949 die Kaufhof-Hauptverwaltung ansässig war. Die Familiengrabstätte befindet sich auf dem Jüdischen Friedhof in Bocklemünd.
Der Autor der 150 Kölner Persönlichkeiten ist Dr. Ulrich S. Soénius. Der Historiker und Direktor der Stiftung Rheinisch-Westfälisches Wirtschaftsarchiv zu Köln (RWWA) hat als Mitherausgeber des Kölner Personenlexikons (2008) über 630 Biographien für das Standardwerk zur Kölner Geschichte verfasst.