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Keanu Reeves in KölnHollywood-Star im Handy-Display, Musik egal

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Bassist und Schauspieler Keanu Reeves von der Band Dogstar bei ihrem Konzert im Carlswerk Victoria.

Bassist und Schauspieler Keanu Reeves von der Band Dogstar bei ihrem Konzert im Carlswerk Victoria.  

Hollywood-Star Keanu Reeves tritt mit seiner Rockband Dogstar im ausverkauften Carlswerk Victoria auf.

Da ist er also wirklich. Entkabelt von der Matrix, mit einer als Telefonzelle getarnten Zeitmaschine aus den 80ern angereist oder auf der Suche nach dem Unhold, der seinen Beagle-Welpen umgebracht hat. „The movie star playing the bass guitar“, wie die kalifornische Singer-Songwriterin Rain Perry in ihrem Lied „Keanuville“ stichelt. Darin lässt sie das „Nummer-eins-Fangirl“ des Filmstars zu Wort kommen, das sie auf einem Dogstar-Konzert getroffen hat. „Würdest du 99 Prozent der Leute hier fragen, wüssten sie nicht die Namen der anderen Bandmitglieder“, beschwert sich diese. Das dürfte sich im Kölner Carlswerk Victoria ähnlich verhalten haben, wo Dogstar am Mittwochabend (1. Juli) Station machten.

Das Powertrio, das Keanu Reeves zusammen mit Schlagzeuger Robert Mailhouse vor 35 Jahren gegründet hat, war wohl schon damals dazu verdammt, als kurioses Nebenprojekt gesehen zu werden. Sänger und Gitarrist Bret Domrose ist der einzige Nicht-Schauspieler. Sein Bassist reüssierte im selben Jahr als Charakterdarsteller in Gus Van Sants „My Own Private Idaho“ und als Actionstar in Kathryn Bigelows Surfer-Krimi „Point Break“.

Rocken wie nach dem Grillabend in der Garage

Erst vor drei Jahren hat sich Dogstar nach rund 20-jähriger Pause wieder zusammengetan – und wäre da nicht der Star an der Bassgitarre, könnte man es als bloßes Dad-Hobby abtun, etwas, das Männer in einem gewissen Alter vor oder nach dem Grillabend in der Garage tun. Kein Keanu-Reeves-Film, eher eine Adam-Sandler-Komödie, in der sich alte Kindsköpfe noch einmal von den Zumutungen des Erwachsenendaseins befreien.

Das müsste eigentlich niemanden interessieren. Stattdessen: ausverkaufte Häuser und ein Publikum, das gebannt die Handys hochhält, sobald die zauselbärtige Hollywood-Legende ihren Platz auf der Bühne einnimmt. Die „Keanu, Keanu“-Rufe tut Reeves mit einer demütigen Handgeste ab, er ist nur zum Bassspielen hier. Doch dann erscheint sein Bild hundertfach vervielfältigt in den Displays, als könne hier jede und jeder für sich den überlebensgroßen Star in seinem Endgerät einfangen. Reeves schweigt, Bret Domrose spricht, kündigt an, jeden Song des aktuellen Albums zu spielen, als wäre das eine Drohung. Die verpufft, schließlich ist es nicht so, dass man hier auf alte Hits gewartet hätte. Die gibt es nicht. Niemand kann hier irgendetwas mitsingen.

Immerhin, die Stücke sind kurz, wenn auch nicht prägnant. „Sie könnten ein paar stärkere Songs gebrauchen, aber sie klingen einigermaßen gut“, singt Rain Perry in „Keanuville“. Das gilt noch immer. Es ist weniger Grunge, es ist eher Muse ohne Virtuosität und hochfliegendes Konzept. Jedenfalls braucht sich Reeves für sein Bassspiel nicht zu schämen. Im letzten Song des nur 70 Minuten langen Sets hat er sogar eine Art Solo: Gitarre und Schlagzeug setzen kurz aus, er spielt weiter.

„Er hat aber herzlich wenig über sich erzählt, oder?“, fragt eine Besucherin ihren Mann, während sich die Masse aus der Halle schiebt. Eine Untertreibung. Keanu Reeves blieb schweigsam wie John Wick. Erst zum Schlussapplaus trottete er kurz zum Mikrofon seines Sängers und flüsterte hinein, dass wir alle „awesome“ seien. Das war der Höhepunkt dieses Abends.