Ton Koopman und sein Amsterdam Baroque Orchestra sorgten trotz kleinerer Unstimmigkeiten für einen gelungenen Bach-Konzertabend in Köln.
Dirigat vom CembaloTom Koopman vertraut auf die Selbstorganisation seines Ensembles

Hat das Werk Johann Sebastian Bachs ins Zentrum seines Wirkens gestellt: Dirigent, Organist und Cembalist:Ton Koopman
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Die Barockmusik-Szene wandelt, verjüngt, diversifiziert sich unaufhörlich. Und trotzdem sind auch sie noch da, jene Matadoren des Originalklangs, die in den 60-er und 70-er Jahren für eine stilistische Neuorientierung in der Aufführungspraxis Alter Musik sorgten. Zu den wichtigsten Galionsfiguren dieser Bewegung zählt der 1944 geborene Niederländer Tom Koopman. Im Zentrum seines Wirkens als Organist, Cembalist und Ensembleleiter steht seit mehr als sechs Jahrzehnten das Werk Johann Sebastian Bachs.
Mit dem Amsterdam Baroque Orchestra, das er 1979 gegründet hat und seither leitet, spielte er beim Konzert in der Philharmonie denn auch ausschließlich Bach, jeweils die Nummern 3 und 4 der Brandenburgischen Konzerte und der Orchestersuiten - eine Agenda, die er genauso bereits vor zehn Jahren hier präsentiert hatte und die in ihrer Stimmigkeit auch diesmal überzeugte: Die im festlich-sonnenhellen D-Dur gehalteten Suiten umrahmten die beiden Konzerte, die bei gleicher Tonart (G-Dur) in Technik, Timbre und Textur völlig unterschiedlich angelegt sind.
Nicht alles gelang gleichermaßen gut
Auch wenn Ton Koopman regelmäßig mit „modernen“ Klangkörpern arbeitet (so etwa 2025 mit dem Gürzenich-Orchester), ist er kein Dirigent von Stand und Metier; auch diesmal leitete er sein Ensemble vom Cembalo aus und vertraute über weite Strecken hinweg zurecht auf die Selbstorganisation seiner Amsterdamer Musiker. Die feine Linienzeichnung der Oboen und Blockflöten, die hohe Präzision (und zugleich Diskretion!) der drei fabelhaften Barocktrompeter sorgten für ein gewandtes, beredtes Musizieren, das bei aller Lebendigkeit stets gelassen blieb. Um die offenbar in langjähriger Arbeit gefestigten dynamischen Kontraste und Schwellwirkungen zu erzielen, musste der Chef kaum einmal die Hände von den Tasten nehmen.
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Nicht alles indes gelang gleichermaßen gut. In der vierten Suite sorgte die dichte Verzahnung der instrumentalen Gruppen (Oboen, Trompeten, Streicher) an den Nahtstellen zuweilen für Unschärfen und Undeutlichkeiten. Dem ausgedehnten Finale des vierten „Brandenburgischen“ ging leider vorzeitig die Puste aus, weil innerhalb der polyphonen Fortspinnung zu wenig Akzente gesetzt wurden – da geriet die Musik ein wenig ins Nudeln.
In der zweiten Konzerthälfte blieb das Vergnügen dagegen völlig ungetrübt. Der neunstimmige Streichersatz des dritten „Brandenburgischen“ war wunderbar vital aufgeschäumt und aufgefächert; der melodische Charme der dritten Suite entfaltete sich mit fleckenlosem Glanz. Der Prüfstein ist hier ja immer die berühmte „Air“, Bachs größter Hit, der weder ausgezehrt noch übermäßig romantisiert klingen soll. Koopman fand hier eine ideale Lösung, indem er die edle Linie ganz aus dem Dialog von erster und zweiter Geige entwickelte: eine fragile, duftige Schönheit, die nicht vom Dauerlegato verklebt wurde.

