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„Große Anerkennung“Kölner Komponist York Höller für sein Lebenswerk ausgezeichnet

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Ein Mann mit einer Brille lächelt in die Kamera.

Der „Deutsche Musikautor*innenpreis“ der Gema in der Kategorie Lebenswerk geht in diesem Jahr an den Kölner Komponisten York Höller.

Der 82-jährige, mittlerweile erblindete Künstler gilt als einer der eigenständigsten und eigenwilligsten Komponisten der Gegenwart.

Der „Deutsche Musikautor*innenpreis“ der Gema geht in diesem Jahr an York Höller. Das gab die Gesellschaft für musikalische Verwertungsrechte am Dienstag bekannt. Demnach erhält der Kölner die Auszeichnung für sein Lebenswerk. „Als Komponist und Lehrer gehört York Höller zu den prägenden Persönlichkeiten der Neuen Musik“, heißt es in der Mitteilung. Er habe eine einzigartige Musiksprache entwickelt, die neben arabischen, indischen sowie europäisch-mittelalterlichen Einflüssen auch elektronische und popmusikalische Elemente enthalte. Das Instrumentarium seiner Kompositionen, als Solostück bis hin zu großen Orchesterwerken, umfasse seit Jahrzehnten Computer, Synthesizer, Sampler und E-Gitarren.

Die Nachricht über die Ehrung habe ihn außerordentlich gefreut, sagte York Höller. „Ich betrachte es auch als große Anerkennung für mein Lebenswerk, zumal die Jury ja auch aus Kolleginnen und Kollegen besteht, die etwas vom Metier verstehen und offenbar meine Musik schätzen.“ Die Jury stellte in ihrer Begründung fest, dass die Musik Höllers zwei Kulturen miteinander versöhne – die Neue-Musik-Szene und den konventionellen Musikbetrieb. „Gleichermaßen frei von modernistischen Klischees, postmoderner Beliebigkeit oder muffigen Retrotendenzen, ist sie originell, spannungsreich sowie technisch herausragend. York Höller ist ein Grenzgänger, der stets unabhängig von Dogmen und Modeerscheinungen seinen eigenen Weg geht und beharrlich ein großes Werk geschaffen hat.“

Gemeinsame Arbeit mit Karlheinz Stockhausen

Der Grenzgänger wurde 1944 in Leverkusen geboren. In den 1960er-Jahren studierte er an der Kölner Musikhochschule unter anderem bei Bernd Alois Zimmermann Komposition, Klavier und Orchesterleitung. Wichtige Impulse erhielt er außerdem durch Kurse bei dem französischen Komponisten und Dirigenten Pierre Boulez. Auf Einladung von Karlheinz Stockhausen arbeitete er ab 1971 in Köln im Studio für elektronische Musik des Westdeutschen Rundfunks. 1990 übernahm er für rund zehn Jahre die künstlerische Leitung.

Höllers Œuvre umfasst Orchesterwerke, Kammer- und Klaviermusik sowie elektronische und live-elektronische Kompositionen. Seine Oper „Der Meister und Margarita“ (nach dem gleichnamigen Roman von Michail Bulgakow), in der er auch Musik der Rolling Stones zitiert, wurde 1989 in der Pariser Grand Opéra uraufgeführt und zählte nach Ansicht der Musikzeitschrift „Fonoforum“ zu den zehn besten Opern der vergangenen 50 Jahre.

Höller wirkte zudem lange als Professor für Komposition – zunächst an der Musikhochschule Hanns Eisler in Berlin, danach in gleicher Funktion bis zu seiner Emeritierung 2009 an der Kölner Musikhochschule. Trotz eines Augenleidens, das schließlich zum gänzlichen Sehverlust führte, setzt der 82-Jährige seine kompositorische Arbeit bis heute fort. Im Laufe seiner Karriere erhielt er zahlreiche Aufträge. Zum Umzug des Deutschen Bundestages 1999 von Bonn nach Berlin schrieb er das Orchesterwerk „Aufbruch“. Ende 2024 wurde seine rund zehnminütige Komposition „Prolog und Abgesang“ vom Gürzenich-Orchester unter der Leitung des finnischen Dirigenten Osmo Vänskä in der Kölner Philharmonie uraufgeführt.