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Kölner PhilharmonieMarie Jacquots Sommernachtsträume

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10.04.2026, Köln: Marie Jacquot stellt ihre erste Spielzeit als Chefin des WDR Rundfunksinfonieorchesters vor. Sie ist  neue Chefdirigentin des WDR Sinfonieorchesters. Foto: Arton Krasniqi

Marie Jacquot, die künftige Chefin des WDR-Rundfunk-Sinfonieorchesters 

Das WDR-Rundfunk-Sinfonieorchester spielte unter anderem Mendelssohns „Ein Sommernachtstraum“.

Das Programm des jüngsten WDR-Konzerts saß hundertprozentig – um es einmal so zu sagen. Tatsächlich mag die obwaltende frühsommerliche Hitzewelle den nächtlichen Schlaf beunruhigen und mit bizarren Traumgestalten bevölkern – vielleicht sogar auf der Spur von Shakespeares „Sommernachtstraum“, von dessen zahlreichen musikalischen Bearbeitungen Marie Jacquot, die künftige Chefin des Rundfunk-Sinfonieorchesters, mit Lust und Laune jetzt zwei präsentierte.

Darunter war mit Mendelssohns Ouvertüre und Schauspielmusik (opera 21 und 61) die bis zur Stunde berühmteste und wohl auch schönste. Zuerst erklang indes eine von Jacquot selbst zusammengestellte Suite aus Purcells Semi-Opera „The Fairy Queen“. Die Barock-Epoche ist ein Metier, in dem das Orchester nicht zu Hause ist – was man zuweilen auch hört. Dies machte aber im Ergebnis nicht so viel, immerhin gelang bereits hier überzeugend die atmosphärische Anverwandlung an die Sommernachtstraum-Welt – mit vitalen Beschwingtheiten, genauer Charakteristik eines jeden Satzes und jener Tendenz zum Inspiriert-Leisen, die der Musik alle Erdenschwere austrieb.

Eine suggestiv-entgrenzte Traumwelt

Dann also, auf der nämlichen Darstellungslinie, Mendelssohn. Zwischen den einzelnen Musikstücken (es fehlten aus der Originalpartitur nur einige kurze Melodramen) vermittelte der Sprecher Jens Harzer handlungsorientierend auf der Basis von August Wilhelm Schlegels Übersetzung, die von Habakuk Traber modernisiert worden war. Ob die gelegentliche kurzatmige Verschränkung von Musikausschnitten und Textpassagen der Weisheit letzter Schluss ist, darf genauso bezweifelt werden wie die Teil-Wiederholung ausgerechnet des legendären Hochzeitsmarsches.

Den bannenden Gesamteindruck schädigte das aber nicht: Zwischen festlichem Glanz und musikalisiertem Geisterwesen im Wald bei Athen bedienten Jacquot und ihr Orchester die komplette Palette der deutschen Romantik in ihrer Farbenintensität und strahlenden Abgründigkeit. Allein schon das quirlige Huschen der Streicher nach den magischen initialen Bläserakkorden – eine Wucht an Klangsinn und instrumentaler Virtuosität. Die (geringbeschäftigten) Vokalsolistinnen Kathrin Zukowski und Susan Zarrabi sowie der aus WDR-Rundfunkchor und NDR Vokalensemble zusammengesetzte Frauenchor fügten sich in diese suggestiv-entgrenzte Traumwelt zielgenau ein.

Zwischen die beiden Sommernachtstraum-Musiken schob sich noch eine Uraufführung, die sogar motivisch eine lockere Verbindung zu Shakespeares unsterblicher Komödie unterhält. Die norwegische Komponistin Kristine Tjøgersen (Jahrgang 1982, übrigens eine Schülerin der Kölnerin Carola Bauckholt) erstellte, inspiriert durch die Begegnung mit dem bayerischen Fabelwesen Wolpertinger, ein gleichnamiges Werk, das den Hörer mithilfe so raffinierter wie origineller Klangcollagen in ein traumnahes Dschungel-Bestiarium entführt – mit zwitschernden, fauchenden, zischenden und miauenden Insassen.

Es gibt da quasi-maschinelle Motorik, aber auch Trance-Zustände, die an Debussys „Prélude à l'après-midi d'un faune“ erinnern, dazu innige Englischhorn-Kantilenen und tonale Relikte wie etwa einen fallenden Dur-Dreiklang. Darüber hinaus ist das Ganze auch motivisch-intervallisch (fallende kleine, steigende große Sekunde) ziemlich konzis gebaut. Vor allem aber ist es eben der Soundscope, der den Publikumsohren einen durchaus nicht alltäglichen Spaß bereitet.