Kölns neue Philharmonie-IntendantinDarum fiel die Wahl auf Ewa Bogusz-Moore

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Vorstellung der neuen Indendantin der Philharmonie und der Köln-Musik Gmbh Ewa Bogusz-Moore. Sie trägt eine rote Bluse und lächelt in die Kamera.

Vorstellung der neuen Indendantin der Philharmonie und der Köln-Musik Gmbh Ewa Bogusz-Moore.

Die Cellistin und Kulturmanagerin wird im Sommer 2025 die Nachfolge von Louwrens Langevoort antreten.

Ewa Bogusz-Moore, seit sechs Jahren Generaldirektorin des Nationalen Symphonieorchesters des Polnischen Rundfunks in Kattowitz, wird neue Intendantin der Kölner Philharmonie sowie Geschäftsführerin der KölnMusik Betriebs- und Servicegesellschaft mbH und des Acht Brücken-Festivals. Am 1. August 2025 tritt die 48-jährige die Nachfolge des derzeitigen Philharmonie-Intendanten Louwrens Langevoort an, der das Haus dann 21 Jahre geleitet haben wird. Die Stadt Köln geht, wie zu hören ist, von einer mindestens zehnjährigen Intendantur aus.

Oberbürgermeisterin Henriette Reker gab die Entscheidung des KölnMusik-Aufsichtsrates und der Gesellschaftsversammlung am Dienstag im Historischen Rathaus bekannt. Mit dabei waren Bogusz-Moore selbst sowie – mit Kulturdezernent Stefan Charles und Christoph Stahl, Leiter der Hauptabteilung Orchester und Chor beim WDR – zwei weitere Mitglieder der (von Reker in ihrer Eigenschaft als Aufsichtsrats-Vorsitzender geleiteten) international besetzten Findungskommission, die sich seit Januar dieses Jahres mit der Personalie befasst hatte.

Die Frage, ob die erstmalige Entscheidung für eine Frau an der Spitze der Philharmonie auch eine Reaktion auf die Vorwürfe gegen Generalmusikdirektor François-Xavier Roth sei, die jüngst in Politik und Stadtgesellschaft für große Bestürzung gesorgt hatten, wurde von den Adressaten mit einem energischen „Nein“ beantwortet: „Ich bin überhaupt froh, mal eine Frau in der Position zu sehen“, sagte Reker, während Stahl konstatierte: „Sie wurde nicht gewählt, weil sie eine Frau, sondern weil sie die Beste ist.“ Wie Charles mitteilte, waren im Zuge des Verfahrens, an dem sich zahlreiche internationale Bewerber beteiligten, Interviews mit 22 Aspiranten geführt worden, aus denen sich dann eine engere Auswahl von zehn Kandidaten, vier Frauen und sechs Männern, formiert habe. Am Schluss fiel die Entscheidung zwischen zwei Bewerbern.

Die Kölner Philharmonie ist ein kultureller Leuchtturm Europas, und es wird ein großes Privileg für mich sein, Teil dieses Teams zu werden
Ewa Bogusz-Moore

Bogusz-Moore, die Deutsch gut versteht, aber (noch) nicht so gut spricht, bedankte sich auf Englisch für ihre Wahl und bekundete große Vorfreude: „Die Kölner Philharmonie ist ein kultureller Leuchtturm Europas, und es wird ein großes Privileg für mich sein, Teil dieses Teams zu werden. Die Philharmonie wird ein Vorreiter sein, ein Ort, der durch Kreativität und höchstes musikalisches Niveau inspiriert.“ Freilich änderten sich, das könne sie als Kulturmanagerin beurteilen, die Musikindustrie und die Welt der klassischen Musik in diesen Zeiten massiv, „in Köln genauso wie in Kattowitz“. Darauf müsse die Leitung eines Konzerthauses reagieren.

Auf dem Fundament eines permanenten Spielortes für zwei Spitzenorchester (Gürzenich- und WDR Sinfonieorchester, Anm.d.Red.) müsse die Philharmonie „expandieren“, genauso ins Internationale ausgreifen wie für die städtische Szene offen sein, aber auch im Sinne eines fantasievollen Crossover neue Genres für neue Hörergenerationen kreieren. „Und wir müssen uns fragen“, so Bogusz-Moore, „warum bestimmte Leute nicht in die Philharmonie kommen“. Und sie, wenn möglich, dazu bringen, dann eben doch zu kommen.

Ewa Bogusz-Moore stammt aus Wrocław (früher: Breslau) und wurde zunächst als Cellistin ausgebildet. Nach ihrem Kulturmanagement-Studium an der City University of London, ersten erfolgreichen Festival-Projekten in Großbritannien (darunter dem Sounds New Music Festival in Canterbury) sowie der Arbeit für die Bereiche Musik und Theater am polnischen Kulturinstitut in London kehrte sie nach Polen zurück.

Eine visionäre Persönlichkeit mit Blick zum Mond, die aber gleichzeitig auch weiß, wie man die Rakete dorthin bauen kann
Kulturdezernent Stefan Charles über Ewa Bogusz-Moore

Vor ihrer Tätigkeit in Kattowitz war sie stellvertretende Direktorin des Adam Mickiewicz-Instituts in Warschau, das sich der Verbreitung und Förderung polnischer Kultur im Ausland widmet. In dieser Position managte sie auch die vom Institut initiierte Jugendformation „I, Culture Orchestra“. Nach wie vor besetzt Bogusz-Moore Positionen und versieht Aufgaben im internationalen Kulturbetrieb. So ist sie seit 2019 Mitglied der European Concert Hall Organisation (ECHO). Sie sitzt auch in der Jury des Pariser Dirigentinnen-Wettbewerbs „La Maestra“, zu dessen Auswahl-Komitee Kölns Noch-GMD François-Xavier Roth gehört.

Die Teilnehmer der Vorstellung im Rathaus priesen die Neue erwartbar in den höchsten Tönen: Reker zeigte sich begeistert von Bogusz-Moores „herausstechender Professionalität und ganzheitlicher Herangehensweise an die künstlerischen, programmatischen sowie wirtschaftlichen Herausforderungen eines internationalen Hauses“. Ihr werde es gelingen, „das Programm der Philharmonie für die Stadtgesellschaft attraktiv zu machen“ und eine „strategische Weiterentwicklung“ in die Wege zu leiten. Charles nannte sie „eine visionäre Persönlichkeit mit Blick zum Mond, die aber gleichzeitig auch weiß, wie man die Rakete dorthin bauen kann“. Er sei überzeugt davon, dass Bogusz-Moore viele neue Impulse setzen werde.

Viel Lob kam am Dienstag auch von außen, von Personen jenseits des Entscheiderkreises. „Ewa Bogusz-Moore war“, ließ Langevoort, demnächst ihr Kölner Vorgänger, verlauten, „im gesamten Prozess immer meine Favoritin. Wir kennen uns sehr gut über das ECHO-Netzwerk, in dem wir beide im Vorstand sind. Auch saßen wir schon öfters in Jurys zusammen. Ich schätze sie enorm als Kulturmanagerin mit großartigen Qualitäten, um die Kölner Philharmonie zu leiten, und als Mensch, um in Köln anzukommen. Sie weiß sogar schon um die Bedeutung des Karnevals für Köln.“ WDR-Intendant Tom Buhrow gratulierte zu Bogusz-Moores künftiger Schlüsselrolle „in einem der kulturellen Herzstücke dieser Stadt“.


Das Gürzenich-Orchester hat unterdessen weitere Gastdirigenten bekannt gegeben, die bis Ende der Spielzeit Generalmusikdirektor  François-Xavier Roth ersetzen werden. Titus Engel leitet „Melting Pot“ am 15.6. im Carlswerk Victoria. Bei den Abokonzerten „Freiflug“ vom 23.–25.06. springt Duncan Ward ein. Mariano Chiacchiarini wird das Konzert des Kölner Bürgerorchesters am 29. Juni um 20 Uhr in der Kölner Philharmonie dirigieren. Das geplante Sonderkonzert „Infinity“ am 4. Juli 2024 um 20 Uhr in der Kunststation St. Peter wird Oscar Jockel übernehmen.

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