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Kommentar zum Freedom ReportIst die liberale Demokratie ein Auslaufmodell?

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Russlands Präsident Wladimir Putin während eines Militärmanövers im Jahr 2020,

Köln – Als US-Präsident Joe Biden nach dem Angriff auf die Ukraine die Liste jener Länder verlas, die sich an den Sanktionen gegen Putins Russland beteiligen, kam er vergleichsweise rasch ans Ende. Im Grunde scheint sich lediglich der globale Westen hinter den Strafmaßnahmen zu versammeln, die USA, Europa, Japan und Teile des ehemaligen Commonwealth.

Weltweit sind Autokraten auf dem Vormarsch

Vielleicht wollte Biden die Zuschauer nicht mit einer schier endlosen Aufzählung langweilen, schließlich ist eine präsidiale Rede kein beflaggter Einmarsch der Nationen ins Olympiastadion. Aber vielleicht hat man es in Asien, Afrika und Amerika auch gerade nicht so eilig damit, sich mit den einstigen europäischen Kolonialmächten zu solidarisieren.

Einen anderen, ganz besonders traurigen Grund für diese Zurückhaltung legt derweil der aktuelle Freedom-House-Report über die Entwicklung der Demokratie nahe. Seit 1941 wirbt die unter anderem von der Menschenrechtsaktivistin und US-Präsidentengattin Eleanor Roosevelt gegründete Organisation für die Freiheit, seit 1972 misst sie jährlich den Grad der Demokratisierung in der Welt. Wohin wohl gerade die Reise geht?

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Sie haben es geahnt: Die globale Tendenz ist fallend. Überall gewinnen Autokraten und Diktatoren an Boden, und wo sie noch nicht die Regierung stellen, versuchen sie die demokratischen Institutionen zu untergraben.

Allerdings ist dies mitnichten eine Entwicklung der jüngeren Zeit: Laut Freedom House verliert die liberale Demokratie seit 16 Jahren kontinuierlich an Gefolgschaft. 2005 lebten demnach 46 Prozent der Weltbevölkerung in freien Gesellschaften; 2021 waren es nur noch 20,3 Prozent. Stabil halten sich die Musterdiktaturen mit Werten von 36,1 zu 38,4 Prozent. Der „Rest“ von 41,3 Prozent lebt in Teilzeit-Demokratien.

Ist die Doppelmoral des Westens schuld?

Offenbar ist die Demokratie längst kein Exportschlager mehr. Über mögliche Gründe kann man trefflich spekulieren. Sie reichen von der Doppelmoral des Westens über die aussichtslos erscheinenden Legitimationsprobleme des Kapitalismus bis hin zur raubtierhaften Natur des Menschen. Der Befund bleibt hingegen gleich: Die freie Welt hat ihre Führungsrolle eingebüßt.