- Heinrich Pieroth hat seine Heimat liebevoll dokumentiert. Der Bildband „In der Eifel” versammelt zahlreiche historische Motive.
- Die Publikation basiert auf der Sammlung Heinrich Pieroth, die seine Söhne dem Rheinischen Bildarchiv im Jahre 2011 geschenkt haben.
Es gab das Drinnen und das Draußen. So stellen es Karlheinz und Ulrich Pieroth in den Erinnerungen an ihren Vater, den Fotografen Heinrich Pieroth (1893-1964), dar.
Drinnen – das war die „Werkstätte“ in dem Eifelstädtchen Mayen, wo die zahllosen Porträtfotografien entstanden, die dem Fotografen als Existenzgrundlage dienten. Draußen – das waren Aufnahmen von Menschen, Gebäuden, Feldern in und um Mayen. Von hier aus hat er sich, sieht man von den „Wanderjahren“ in Herne und Saarbrücken ab, niemals wegbewegt. Heinrich Pieroth liebte sein Mayen, seine Region – das lässt sich nun dem eindrucksvollen Bildband „In der Eifel“ entnehmen, den Katja Hoffmann bearbeitet hat.
Die Publikation basiert auf der Sammlung Heinrich Pieroth, die seine Söhne dem Rheinischen Bildarchiv im Jahre 2011 geschenkt haben. Es handelt sich um rund 5000 Glasnegative in unterschiedlichen Formaten sowie rund 400 Negativfilme im Mittelformat und einige Diakästen mit Diapositiven, die allesamt zwischen 1920 und 1950 entstanden sind. Erstmals wird nun ein Überblick über die Motivgruppen veröffentlicht: Dörfer, Felder, Festlichkeiten und Arbeitswelten von der Flachsspinnerin bis zum Grubenarbeiter.
Der Band versteht sich als „wissenschaftliches Fotobuch“, ist sorgfältig ediert, mit technischen Angaben zu allen Bildern versehen, allerdings ohne ein Inhaltsverzeichnis. Im Textteil werden die Glasnegative unbeschnitten gezeigt, also inklusive der Glasränder, während die Aufnahmen für den Bildteil digital bearbeitet worden sind – „beschnitten, ausgefleckt und in den Kontrasten korrigiert“. Die Bildlegenden weisen auf Details hin, die leicht übersehen werden könnten: Der Stromanschluss am Giebel eines alten Hofes deutet den Einzug der Moderne an; die „nachgezeichneten“ Wolken am Himmel über Honerath betonen den „malerischen Ausdruck“ des abgebildeten Kirchhofs.

Elzbach-Wasserfall und Pyrmonter Mühle unterhalb der Ruine der Burg Pyrmont
Copyright: Rheinisches Bildarchiv
Pieroth ist der Augenzeuge mit der Kamera. Bei aller offensichtlichen Mühsal der Arbeit und bei aller Kargheit der Lebensumstände betont er die heiter-harmonische Seite seiner Motive. Seine Aufnahmen seien keine Avantgardekunst mit drastischen Perspektiven, schreibt Katja Hoffmann, sondern zeichneten sich aus durch ihren Reportage-Charakter. Über seine Atelier-Aufnahmen sagt Susanne Kube, dass die Porträtierten eine „Ruhe und Gelassenheit“ ausstrahlten, die nichts mit der üblichen Anspannung „auf den Visite- und Cabinet-Bildern der Zeit“ zu tun habe. Kube hat im Übrigen über Pieroths Fotokunst eine Magisterarbeit geschrieben, die als Publikation des Mayener Geschichts- und Altertumsvereins erscheint.
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Dass Pieroths Heimatbilder, seine Aufnahmen von Wegkreuzen oder Trachten, den Nationalsozialisten gut ins Konzept passten, wird in dem Band auch erwähnt. Susanne Kube fasst zusammen: „Heinrich Pieroth hielt Distanz, verweigerte die Parteimitgliedschaft, aber nur wenige fotografische Aufträge.“ Als die SA ihn in der Pogromnacht von 1938 weckte, um die brennende Synagoge zu fotografieren, ließ er sich „von seiner Frau als akut erkrankt erklären.“ Am folgenden Tag hat er gleichwohl heimlich Aufnahmen der Verwüstung gemacht, womit er sich in Gefahr gebracht habe, wie es heißt. Abzüge von diesen Negativen habe er nie angefertigt.

Selbstporträt Heinrich Pieroths
Copyright: Rheinisches Bildarchiv
Den Weltkrieg überstand Pieroths Sammlung im Felsenbunker unter der Genovevaburg in Mayen. Es ist ein wahrer Eifelschatz. Der darauf basierende Bildband ist ein Dokument der Vergänglichkeit, eine sehenswerte Zeitreise und eine fotografische Feier der Eifel, wie sie einmal war.
„In der Eifel. Fotografien von Heinrich Pieroth aus den 1920er bis 1950er Jahren“, hrsg. vom Rheinischen Bildarchiv Köln und bearbeitet von Katja Hoffmann, Emons Verlag, 320 Seiten, über 300 Abbildungen, 39,95 Euro.



