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„Noch ist Polen nicht verloren“Theater als Widerstand gegen den Faschismus

Der Schauspielschule der Keller gelingt eine sehr unterhaltsame Inszenierung von Ernst Lubitschs Filmklassiker „Sein oder Nichtsein“.

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Drei Schauspieler tragen schwarze Ledermäntel.

„Noch ist Polen nicht verloren“ läuft seit Anfang Oktober im Kölner Theater der Keller.

„Einen Lacher soll man nie verachten“ – Ernst Lubitschs Credo für eine gelungene Komödie steht als Mantra über seinem wohl besten Film „Sein oder Nichtsein“. Der bitterböse und gleichzeitig urkomische Komödienklassiker aus dem Jahre 1942 steht nun im Theater der Keller in einer Bühnenfassung von Jürgen Hoffmann auf dem Spielplan. Der Regisseur und Leiter der Schauspielschule der Keller, Michael Meichßner, hat das Stück „Noch ist Polen nicht verloren“ für die Abschlussinszenierung der Schule ausgesucht und seine Wahl erweist sich in mehrfacher Hinsicht als goldrichtig.

Hier kann nicht nur der Abschlussjahrgang als Ensemble brillieren, sondern das Thema des Stückes über die Möglichkeiten der (Theater‑)Kunst, Widerstand gegen eine faschistische Politik zu wagen, ist aktueller, als einem lieb ist. Die Handlung der Verwechslungskomödie spielt im polnischen Grenzstädtchen Posen kurz vor dem Beginn des 2. Weltkrieges. Kurz bevor Nazi-Deutschland Polen überfällt, probt das dortige Theater die Anti-Nazi-Satire „Gestapo“. Das Stück kommt aufgrund der politischen Lage nicht zur Aufführung, aber die Requisiten und die Proben sind dann doch noch von großem Wert, als die echte Gestapo nach dem Einmarsch in der Stadt ihre Terrorherrschaft beginnt.

Mischung aus pointierter Politsatire und bissiger Gesellschaftskomödie funktioniert

Ein Nazi-Spion, der in London die polnische Exilregierung ausgehorcht hat, kommt in die Stadt, im Gepäck eine Liste mit örtlichen Widerstandskämpfern, denen der Tod droht, sollte die Liste in die Hand der Gestapo gelangen. Jetzt sind die Schauspieler gefragt, die in die Rollen der echten Nazis schlüpfen müssen, um Spion und Gestapo zu täuschen. Die Mimen geben ihr Bestes, doch kommen sie gleichzeitig nicht aus ihrer Haut. Die örtlichen Stars des Theaters, das Ehepaar Maria und Josef Tura (Michelle Schneck und Max Rademacher) liefern sich weiterhin nicht nur einen spitzfindigen Kleinkrieg um die Schauspielkrone, sondern befeuern ihre Streitigkeiten durch die heimliche Liebschaft Marias mit einem schneidigen Piloten der polnischen Luftwaffe, Stasnik (Maximilian Sassinek).

Der landet im aberwitzigen Tohuwabohu der kommenden Ereignisse sogar im Bett mit dem eifersüchtigen Ehegatten. Shakespeares Klassiker „Hamlet“, der nun statt „Gestapo“ gespielt wird, ist das weitere Stück in dieser vielschichtigen Scharade. Während die Mimen jenseits der Bühne wortwörtlich um „Sein oder Nichtsein“ spielen, erlebt der eitle Provinzmime Josef Tura als Dänenprinz beim berühmten Monolog jedes Mal sein ganz persönliches Fiasko. Die Eitelkeiten der Schauspieler spiegeln sich als gallige Karikatur in dem Gebaren der echten Nazi-Chargen wider, die nach unten bellen und nach oben buckeln.

Gerade weil das Grauen so real ist, gelingen die bissigen Pointen so gut, bringen die schwarz- und galgenhumorigen Witze die ganze Tragweite einer Kunst unter der Knute zum Vorschein. In der Kölner Fassung werden noch ein paar aktuelle Zitate von AfD‑Politikern wie Björn Höcke eingestreut, dessen „wohltemperierte Grausamkeiten“ perfekt zum dumpfen Hauptbösewicht des Abends, dem Nazi-Popanz des „Konzentrationslager-Erhardt“, passen. Das junge Ensemble hält bei dieser gelungenen Inszenierung das Tempo hoch, meistert dabei mühelos den Wechsel der Rollen und des Tonfalls zwischen galligem Humor und realem Grauen. Die bei Lubitsch so genial dargebotene Mischung aus pointierter Politsatire und bissiger Gesellschaftskomödie funktioniert auch bei dieser sanft modernisierten Mischung aufs Unterhaltsamste.


Nächste Termine von „Noch ist Polen nicht verloren“ im Theater der Keller: 6. und 10. November um 20 Uhr