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Oscar-NominierungenRekord für „Blood & Sinners“, Schmach für „Wicked“

4 min
Michael B. Jordan steht mit blutigem Unterhemd und Messer in der Hand Vampiren gegenüber.

Michael B. Jordan im 16 mal nominierten Film „Blood & Sinners“

Bei den Nominierungen für die Oscars dominieren zwei spektakuläre Blockbuster von Autorenfilmern.

„Blood & Sinners“ hat einen Oscar-Rekord aufgestellt. Mit sensationellen 16 Nominierungen geht Ryan Cooglers („Black Panther“) explosive Mixtur aus Vampirfilm, Südstaatendrama und Blues-Musical als Favorit ins Rennen um die 98. Academy Awards.   Zuvor hatten es „All About Eve“ (1950), „Titanic“ (1997) und „La La Land“ (2016) auf jeweils 14 Nominierungen gebracht.

Dicht auf dem Fersen ist ihm „One Battle After Another“, Paul Thomas Andersons sehr freie Adaption von Thomas Pynchons Roman „Vineland“. Die temporeiche Actionkomödie, in der Leonardo DiCaprio einen auf den Hund gekommenen linken Widerstandskämpfer spielt, erhielt 13 Nominierungen.

Netflix will 83 Milliarden Dollar für Warner Bros. zahlen – in bar

Sowohl „Sinners“ als auch „One Battle“ kombinieren die Tugenden des Autorenprojekts mit denen des Blockbusters, beide Filme sind erstaunlich hoch budgetiert und waren an der Kinokasse erfolgreich, beide wurden vom risikofreudigen Studio Warner Bros. produziert. Doch sie werden das klassische Kino nicht retten: Netflix hat am Donnerstag erklärt, Warner Bros. für 83 Milliarden US-Dollar erwerben zu wollen – in bar.

Josh Safdies Tischtennis-Komödie „Marty Supreme“, Joachim Triers sanftes Familiendrama „Sentimental Value“ und Guillermo del Toros visuell üppige „Frankenstein“-Verfilmung folgen mit jeweils neun Nominierungen. Allerdings verpasste del Toro die Nominierung zum Best Director, stattdessen ergänzt Chloé Zhao als Fünfte im Bunde die Regisseur-Liste für ihr tränenreiches Shakespeare-Drama „Hamnet“.

08.12.2025, Berlin: Hauptdarstellerin Jessie Buckley (l) und Regisseurin und Oscar- Preisträgerin Chloé Zhao kommen zu der Premiere des Films «Hamnet» im Delphi-Filmpalast.

Hauptdarstellerin Jessie Buckley (l) und Regisseurin und Oscar-Preisträgerin Chloé Zhao

Die irische Schauspielerin Jessey Buckley – sie spielt in „Hamnet“ die um ihren Sohn trauernde Frau des Barden – gilt als Favoritin für die Beste Hauptdarstellerin. Sie muss sich gegen Rose Byrne, Kate Hudson, die norwegische Schauspielerin Renate Reinsve und die zweifache Oscar-Preisträgerin Emma Stone durchsetzen. Als Beste Hauptdarsteller sind Timothée Chalamet (der 30-Jährige ist damit der jüngste Schauspieler mit drei Oscar-Nominierungen), Leonardo DiCaprio, Ethan Hawke, Wagner Moura und Michael B. Jordan gesetzt, der in „Blood & Sinners“ Zwillingsbrüder spielt.

In der Bester-Nebendarsteller-Kategorie treten zwei Gegenpole aus „One Battle After Another“ gegeneinander an: Benicio Del Toro spielt den tiefenentspannten Revolutionär, Sean Penn den innerlich zerrissenen Militäroffizier. Lachender Dritter könnte Stellan Skarsgård werden, der in „Sentimental Value“ den an Ingmar Bergman erinnernden Alt-Regisseur gibt, des Weiteren nominiert sind Jacob Elordi und Delroy Lindo.

Gleich vier Schauspiel-Nominierungen für „Sentimental Value“

Unter den Besten Nebendarstellerinnen ist das „Sentimental Value“-Ensemble mit Elle Fanning und Inga Ibsdotter Lilleaas gleich zweimal vertreten. Sie treten gegen Wunmi Mosaku, Teyana Taylor und Amy Madigan an, die im Horrorfilm „Weapons“ die wohl originellste Bösewichtin des vergangenen Jahres spielt.

Leider schaffte es der deutsche Film „In die Sonne schauen“ von der Berliner Regisseurin Mascha Schilinski nicht in die Endrunde als Bester internationaler Film. Einzig der für die Beste Filmmusik nominierten Max Richter erhöht die deutschen Oscar-Chancen: Der britische „Hamnet“-Komponist und Klassik-Star wurde als Sohn deutscher Eltern in Hameln geboren.

Obwohl die Oscars bereits zum 98. Mal verliehen werden, gibt es auch in diesem Jahr eine erstaunliche Premiere: Erstmals wurde mit Wagner Moura ein brasilianischer Schauspieler als bester Hauptdarsteller nominiert. Nach langen Jahrzehnten, in denen sich Hollywood als Maß aller Filmdinge verstand, hat die Academy eben viel nachzuholen – und ist offenbar gewillt, dies auch zu tun. Dabei spielt Moura in „The Secret Agent“ von Kleber Mendonça Filho weder einen klassischen Helden noch einen tatkräftigen Antihelden – sondern ein erst ahnungsloses, dann in den Tod gehetztes Opfer der brasilianischen Militärdiktatur.

„The Secret Agent“ führt in eine bleierne Zeit zurück, doch Moura irrt durch eine Welt, die in den satten Farben der späten 1970er Jahre leuchtet. Bereits die Eröffnungsszene, in der eine Polizeistreife den Fahrer eines knallgelben Käfers um eine Spende für die „Karnevalskasse“ erleichtern will, während in Sichtweite ein Leichnam in der Sonne brät, setzt den Tonfall für dieses grandiose Epos der Korruption, Gewalt und Verantwortungslosigkeit. Der Film ist vier Mal nominiert, als Bester Film, als bester Internationaler Film und in einer neuen Oscar-Kategorie: Bestes Casting.

Wie immer gibt es die prominenten Übergangenen: Die Fortsetzung des Musicals „Wicked“ ging selbst in den musikalischen Kategorien leer aus, Chase Infinity, die Filmtochter Leonardo DiCaprios, und Jennifer Lawrence wurden ebenfalls gute Aussichten für eine Nominierung zugestanden. Gar nicht super verliefen die Nominierungen für „Superman“, der die Academy nicht mal mit seinen Spezialeffekten überzeugte. Vergeben werden die Oscars am 15. März.