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Kölner Planschemalöör-Sänger über Rassismus„Wir sind nicht immer bunt und stehen zusammen“

Lesezeit 3 Minuten
Juri Rother lehnt an einer Wand im Neven DuMont Haus. Er trägt einen grau-blauen Wollpullover und lacht in die Kamera.

Juri Rother ist mit seiner Band Planschemalöör seit sechs Jahren im Kölner Karneval unterwegs.

Juri Rother spricht im Podcast „Talk mit K“ über den Weg seiner Band in den Karneval und den Kampf gegen Rassismus und Ausgrenzung. 

Juri Rother macht schon lange Musik, mit Karneval hatte er aber seit seiner Kindheit nicht mehr so viel zu tun. Doch vor sechs Jahren gründete er mit Freunden, mit denen er schon eine andere Band hatte, Planschemalöör. „Wir hatten keine Ahnung, was wir da machen“, erzählt er im Podcast „Talk mit K“ des „Kölner Stadt-Anzeiger“ (den Sie hier im Player oder auf allen gängigen Podcast-Plattformen hören können). 

„Und jeder, der uns die ersten Male auf einer Sitzung gesehen hat, weiß, dass das stimmt. Wir sind so oft einfach von der Bühne runtergegangen, weil wir nicht wussten, dass man da noch Orden kriegt und abmoderiert wird mit Kölle Alaaf.“ 

Doch mittlerweile haben sie sich mit Songs wie „Heimat“ und „Eat Sleep Alaaf Repeat“ etabliert. Der 32-Jährige, der in Köln-Porz geboren wurde und dort aufgewachsen ist, dessen Familie aber aus Panama stammt, sieht sich schon sein Leben lang mit der Frage konfrontiert, woher er denn eigentlich komme. Auch deswegen ist es ihm und der Band ein Anliegen, sich gegen Rassismus und Ausgrenzung einzusetzen. 

Es gebe Karnevalsvereine und Menschen in Köln, die es sehr ernst nähmen mit der Idee einer offenen Stadt. „Das sind die rosigen Seiten des Karnevals. Aber es gibt auch Momente, wo ich denke, sorry, ich kann gerade nicht mehr singen, wir sind bunt, wir stehen zusammen, weil wir das nicht tun.“

Mit Lokalpatriotismus kann Juri Rother nichts anfangen

Es sei trotzdem gut, darüber zu singen und es auch ein bisschen zu glorifizieren: „Weil es dazu einlädt, das zu einer Realität zu machen, es darf nur nicht scheinheilig bleiben.“ Bei der Demo gegen rechts auf dem Heumarkt mit 30.000 Menschen ging ihm das Herz auf. „Ich finde es schön, in einer Stadt zu wohnen, wo das so ist.“

Neben Rassismus und Hass sieht er auch andere negative Seiten des Karnevals, über die man sprechen müsse. Der Vorfall bei einer Sitzung in Sankt Augustin, bei der ein Präsident einem jungen Mädchen gegenüber unerträgliche Anzüglichkeiten äußerte, mache deutlich, dass Sexismus immer noch ein großes Thema im Karneval sei: „Da sind wir leider noch nicht besonders weit“. Er sei selbst nicht betroffen und wolle nicht über die Erfahrungen von Frauen reden, aber er bekomme das schon mit. „Ich finde es unglaublich schade, dass unter dem Deckmantel vom Feiern, von Alkohol und ‚Ist doch alles nicht so gemeint‘ und ‚Wir sind locker‘ solches Verhalten an den Tag gelegt werde. Dafür gibt es keine Entschuldigung.“

Auch mit Lokalpatriotismus kann Rother nichts anfangen: „Ich bin so ein kleines, minimales Rädchen in diesem ganzen Ding und finde es befremdlich, darauf dann zu stolz zu sein und sagen, alles an Köln ist geil.“ Patriotismus schließt für ihn kritische Gedanken aus. „Ich finde nicht alles geil in Köln. Wir müssen kritisch bleiben und uns selbstkritisch überprüfen. Und da würde mir Lokalpatriotismus oder grundsätzlicher Patriotismus im Wege stehen.“

Der Podcast „Talk mit K“

Jeden Donnerstag um 7 Uhr gibt es eine neue Podcast-Folge „Talk mit K", dem Talkformat des „Kölner Stadt-Anzeiger“. Sie können ihn auf allen gängigen Podcast-Plattformen abrufen oder oben im Stream.

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