„verbrannt und verbannt“Aktionswoche erinnert an die Bücherverbrennungen 1933 in Köln

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Der Name Joseph Roths auf dem Bodendenkmal an der Claudiusstraße in Köln, dem Ort, an dem die Bücherverbrennungen am 17. Mai 1933 stattfanden.

Der Name Joseph Roths auf dem Bodendenkmal an der Claudiusstraße in Köln, dem Ort, an dem die Bücherverbrennungen am 17. Mai 1933 stattfanden.

Vom 10. bis zum 17. Mai findet in Köln eine Veranstaltungsreihe mit dem Titel „verbrannt und verbannt“ statt. Im Zentrum stehen Werke, die vor 90 Jahren verbrannt wurden oder heute noch vielerorts verboten sind.

Am 17. Mai 1933 verbrannten die Nationalsozialisten an der alten Kölner Uni in der Claudiusstraße unzählige Bücher. Solche Bücherverbrennungen hatten seit dem 10. Mai in vielen deutschen Städten stattgefunden. Heute sind am Ort des Geschehens in Köln die Namen der verfemten Autorinnen und Autoren im Boden eingraviert, darunter Ernest Hemmingway, Kurt Tucholsky, Irmgard Keun, Joseph Roth, Heinrich Mann und viele andere.

Anlässlich der 90 Jahre zurückliegenden Ereignisse organisiert der Verein EL-DE-Haus e.V. eine Aktionswoche mit dem Titel „verbrannt und verbannt“. Vom 10. bis zum 17. Mai veranstalten Schulen, Buchhandlungen, Vereine und Institute Lesungen und einzelne Aktionen mit Diskussionen, Musik, Filmen oder Theater.

Aktionswoche „verbrannt und verbannt“ startet am 10. Mai in der Zentralbibliothek Köln

Zur Auftaktveranstaltung in der Zentralbibliothek werden Günter Wallraff, Navid Kermani, Lale Akgün und Eva Weissweiler Bücher von Autorinnen und Autoren vorstellen, die damals verboten wurden, oder auch heute in anderen Staaten verboten sind, moderiert wird die Veranstaltung vom Schauspieler Fatih Çevikkollu.

Die Aktionswoche schlägt damit die Brücke zur Gegenwart. In einer Pressekonferenz machten verschiedene Mitglieder des Vereins EL-DE-Haus auf Bücherverbote in den USA und in autoritär geführten Staaten wie dem Iran, der Türkei und Russland aufmerksam. „Wir haben eine persische Buchhandlung, die mitmacht“, erzählt Claudia Wörmann-Adam vom Verein EL-DE-Haus. „Als wir mit ihnen gesprochen haben, wie sie ihre Schaufenster mit Werken von Autorinnen und Autoren gestalten mögen, die damals und heute verfolgt wurden, da haben sie uns die Rückmeldung gegeben: Bei uns gibt es nur verbotene Literatur.“ Die Geschehnisse im Iran gingen ihnen alle sehr nah. Auf Vermittlung von Lale Akgün werde die mit dem WDR-Jazzpreis ausgezeichnete iranische Musikerin Maryam Akhondy zum Auftakt singen.

SPD-Politikerin Lale Akgün betont die Bedeutung einer starken Zivilgesellschaft

Die SPD-Politikerin Lale Akgün betonte, dass Widerspruch zu Bedrohungen der Meinungsfreiheit ein Anzeichen einer wehrhaften Demokratie seien. „Ich finde es wichtig, dass wir darauf hinweisen, dass die Demokratie sehr zerbrechlich ist und von Voraussetzungen lebt, die sie nicht garantieren kann und für die wir als Zivilgesellschaft eintreten müssen.“

Auch das junge Publikum wurde von Beginn an mitbedacht. Frau Wörmann vom Verein EL-DE-Haus kommt bei der Programmgestaltung ihre Erfahrung zu Gute, sie macht im NS-Dok unter anderem Führungen mit Kindern und Jugendlichen. „Ich stelle immer wieder fest, wie begeistert die vom Thema Edelweiß-Piraten sind, wenn sie feststellen: Die ticken eigentlich genauso wie wir. Die wollen sich nicht von irgendwelchen Erwachsenen sagen lassen, was sie zu tun oder zu lassen haben. Sondern sie wollen ihr Ding selber machen.“ Zu diesem Thema werden gleich mehrere Veranstaltungen angeboten. Das Kooperative Kinder- und Jugendbüro Köln etwa organisiert eine Lesung mit Simon Beeck, bei dem es um das Leben des 16-jährigen Edelweiß-Piraten Bartholomäus Schink geht.

Das gesamte Programm findet sich unter: verbranntundverbannt.info

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