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Vordenker globaler GerechtigkeitAmartya Sen erhält den Friedenspreis des Buchhandels

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Der Ökonom und Philosoph Amartya Sen 

Drei Kinder streiten darum, wem eine Flöte zusteht: Das erste kann sie aufgrund seiner Fähigkeiten am besten nutzen, das zweite verfügt über kein anderes Spielzeug, und das dritte hat die Flöte selber hergestellt. Mit dieser Geschichte regt der indische Wirtschaftswissenschaftler und Philosoph Amartya Sen, Nobelpreisträger für Ökonomie von 1998, zum Nachdenken über Gerechtigkeit an. Für jede Lösung gibt es Argumente. Ein Ideal von Gerechtigkeit hilft nicht weiter.

Das ist Sens großes Thema: Wie lässt sich soziale Gerechtigkeit für das Individuum in seinem jeweiligen gesellschaftlichen Zusammenhang verwirklichen? Der in den USA lebende Wissenschaftler verbindet dabei Fragen der Ökonomie mit denen der Moralphilosophie. Am Mittwoch wurde dem 86-Jährigen der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels zugesprochen. „Wir ehren mit Amartya Sen einen Philosophen, der sich als Vordenker seit Jahrzehnten mit Fragen der globalen Gerechtigkeit auseinandersetzt und dessen Arbeiten zur Bekämpfung sozialer Ungleichheit in Bezug auf Bildung und Gesundheit heute so relevant sind wie nie zuvor“, hieß es zur Begründung.

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Sen ist überzeugt, dass gesellschaftlicher Wohlstand nicht allein am Wirtschaftswachstum zu messen sei, sondern immer auch an den Entwicklungsmöglichkeiten für die Schwächsten. Die traditionellen Maßstäbe der Wirtschaftswissenschaftler, etwa das Bruttoinlandsprodukt, hält er für wenig aussagekräftig, da sich gesellschaftliche Verwerfungen und soziale Ungerechtigkeit daraus nicht erkennen lassen. Sen will weitere Faktoren berücksichtigen: die städtebauliche Infrastruktur, das Bildungsangebot, das Sozialgefüge oder die Gleichberechtigung der Frauen und die Situation der Familien.

Persönliche Erlebnisse haben das Denken des Wirtschaftswissenschaftlers geprägt. Geboren am 3. November 1933 in Shantiniketan in Westbengalen, erlebte er die Unabhängigkeitsbewegungen in Indien während der 1940er Jahre und die Auseinandersetzungen zwischen Hindus und Moslems sowie die große Hungersnot in Bengalen 1943 mit. Diese lehrte ihn, dass Hungersnöte nicht nur auf katastrophale Versorgungsdefizite zurückzuführen sind, sondern auch durch gesellschaftliche und politische Bedingungen hervorgerufen werden: „Hunger ist von Menschen gemacht.“ Demokratische Gesellschaften sind für Sen eine Grundbedingung für Gerechtigkeit. (kna)