Die 100. Ausgabe der ZDF-Satiresendung „Die Anstalt“ dreht sich um Radikalisierung. Ein Auftritt von Danger Dan wurde jedoch unterbunden.
Sender erntet EmpörungZDF sorgt für Eklat – Danger Dan wegen Songtext ausgeladen

Rapper Danger Dan bei einem Auftritt beim Festival „Jamel rockt den Förster“. (Archivbild)
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Das ZDF hat einen Auftritt des Musikers Danger Dan in der Satire-Sendung „Die Anstalt“ wegen eines Songtextes kurzfristig gestrichen. Der Rapper sei für die 100. Ausgabe der Sendung eingeladen gewesen, die sich mit wachsender politischer Radikalisierung und der Wehrhaftigkeit der Demokratie auseinandersetze, teilte das ZDF in Mainz auf Anfrage mit. Der Musiker kritisierte die Absage und sprach von einem Eingriff in die Meinungs- und Kunstfreiheit.
Vorgesehen war laut ZDF der Auftritt Danger Dans gemeinsam mit dem Pianisten Igor Levit mit dem Song „Keine Angst“, in dem es um das Thema „Widerstand gegen Rechtsextremismus“ gehe. Der Liedtext könne aber als Aufruf zu Gewalt verstanden werden, teilte das ZDF weiter mit. „Ein solcher Aufruf stünde im klaren Widerspruch zu den Programmrichtlinien des ZDF.“
ZDF streicht Danger Dan: Aufruf zur Gewalt?
Bei der Vorbereitung der Sendung habe man sich redaktionell intensiv damit beschäftigt, auch die Geschäftsleitung des Senders sei beteiligt gewesen. Man sei zu der Bewertung gekommen, dass dieser Widerspruch im Anschluss an die mehr als siebenminütige Live-Performance auf der Bühne nicht mehr aufzulösen gewesen wäre, erklärte das ZDF.
Vor diesem Hintergrund sei entschieden worden, „sich zeitnah dokumentarisch-journalistisch mit dem Lied von Danger Dan zu befassen und an einer anderen Stelle im Programm aufzuarbeiten“. Das Veto gegen den Auftritt in der Sendung sei ganz kurz vor der Aufzeichnung gekommen, hieß es in einer Mitteilung der Promotion-Agentur Check Your Head.
Danger Dan und Igor Levit kritisieren ZDF scharf
Danger Dan schrieb auf Instagram, er und Igor Levit hätten einen wunderschönen freien Tag in München gehabt, allerdings unverhofft, eben wegen der Absage. Eine offizielle schriftliche Begründung für die Ausladung habe man vom ZDF bislang nicht erhalten. Das Lied habe dem Sender seit Wochen vorgelegen. Danger Dan sprach von einem Eingriff in die Meinungs- und Kunstfreiheit.
In der Nacht auf Freitag (17. Juli) wurde der Song „Keine Angst“ schließlich veröffentlicht. Der Song enthält Zeilen, die wie eine Anleitung zum Widerstand gegen die AfD und Rechtsextremismus, auch in juristischen Grauzonen, gelesen werden können. Zudem zeigt sich der Liedtext solidarisch mit den Mitgliedern der linksextremen „Hammerbande“ um Lina E.
„Nie ohne Handschuhe, nie ’nen Fingerabdruck hinterlassen“
„Lasst euch nicht erwischen, schaut nach Überwachungskameras“, heißt es an einer Stelle. „Nie ohne Handschuhe, nie ’nen Fingerabdruck hinterlassen“, an einer anderen. „Die seh’n gefährlich aus, aber wir legen sie lang“, singt Danger Dan und auch: „Wenn ihr zusammen kämpft, dann kann es funktionieren.“
Es gehe in seinem Song nicht nur um die AfD, sagte der Musiker dem „Spiegel“ nach der Veröffentlichung des Songs. „Es geht um eine politische Bewegung, die neben der AfD auch militante Neonazistrukturen hervorbringt. Ich würde die Phänomene nicht unbedingt voneinander trennen“, hieß es weiter von Danger Dan. „Ich rufe aber niemanden dazu auf, in den kriminellen Untergrund zu gehen.“
Danger Dan: „Nichts von dem, was ich da erzähle, ist illegal“
„Es ist eher die Antwort auf die Frage: Wie baut man wirksame Antifa-Strukturen auf? Dafür muss man nicht in den Untergrund, das geht auch aus der Mitte der Gesellschaft. Und nichts von dem, was ich da erzähle, ist illegal“, sagte Danger Dan angesichts der Vorwürfe, sein Song sei eine Anleitung zur Radikalisierung.
Scharfe Kritik äußerte der Musiker unterdessen am ZDF. „Ich habe gehört, der Intendant soll dafür bekannt sein, autoritär in Sendungen und Inhalte eingreifen zu wollen – und das deutet natürlich auch auf eine politische Programmatik hin“, erklärte der Musiker.
„Die Anstalt“ stellt sich hinter Danger Dan und Igor Levit
Es sei ein „furchtbares Zeichen“, wenn der Intendant des ZDF anfange, „antifaschistische Lieder zu zensieren“, erklärte der Künstler. „Es macht mir Angst und ist deshalb gleichzeitig eine Bestätigung darin, dass ein Lied wie ‚Keine Angst‘ genau im richtigen Moment kommt.“
Die Redaktion von „Die Anstalt“ stellt sich hinter die Musiker: Es wäre „öffentlich-rechtliche Pflicht“ gewesen, den Auftritt wie geplant durchzuführen und im Anschluss eine Diskussion über die Inhalte anzustoßen, schrieb „Die Anstalt“ bei Instagram. „Wir empfinden die Entscheidung als mutlos – gerade jetzt, wo rechtsextreme Gewalt wieder stark zunimmt.“
Song sorgt für Diskussionen: „Ein peinlicher Kotau vor der AfD“
Im Netz sorgten die Entscheidung des ZDF ebenso wie der Song selbst unterdessen für Diskussionen. „Nicht von der Kunstfreiheit gedeckt: Antifaschismus im ZDF. Ein peinlicher Kotau vor der AfD“, schrieb etwa der ehemalige Bundesminister Jürgen Trittin (Grüne).
Auch die langjährige ARD-Korrespondentin Annette Dittert kommentierte die Entscheidung des Senders auf der Plattform X. „Aufgerufen wird zum Widerstand gegen Nazis und ja, es ist eine Anleitung, Dinge am Rande der Legalität zu tun. Die Rede ist von Spraydosen“, schrieb die Journalistin. Ihrer Meinung nach hätte der Song im Rahmen der Kunstfreiheit jedoch problemlos gesendet werden können, erklärte Dittert. Die Entscheidung sei „traurig und beunruhigend“, fügte sie hinzu.
„Keine Angst“ von Danger Dan: Neuer Song sorgt für Debatten im Netz
Andere Stimmen in den sozialen Netzwerken kritisierten jedoch auch die Solidarität mit der linksextremen Hammerbande. „Ich schätze Igor Levit sehr und sein Engagement gegen Faschismus und Antisemitismus. In diesem Fall kann ich allerdings die Reaktion des ZDF verstehen, der Song geht, finde ich, tatsächlich über Grenzen des zivilen Anstands hinaus“, schrieb etwa ein Nutzer bei X.

Pianist Igor Levit spielt mit dem Sänger Danger Dan (r.) bei einer Probe vor einem Benefizkonzert für die Ukraine im Berliner Ensemble. (Archivbild)
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Danger Dan, der bürgerlich Daniel Pongratz heißt, hat sich derweil bereits in der Vergangenheit klar positioniert. Der 43-Jährige gehört zur Band Antilopen Gang („Mir kann nichts passieren“, „Pizza“). Vor fünf Jahren veröffentlichte er sein Soloalbum „Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt“. Der gleichnamige Titelsong machte Schlagzeilen. Danger Dan stellte ihn, begleitet von Levit, auch im „ZDF Magazin Royale“ von Jan Böhmermann vor.
Aachener Künstler setzt sich gegen Rechtsextremismus ein
In dem Stück griff der Rapper ebenfalls das Thema Faschismus auf und spielte diverse Szenarien durch. „Nein, ich wär' nicht wirklich Danger Dan / Wenn ich nicht Lust hätte auf ein Experiment / Mal die Grenzen auszuloten, was erlaubt und was verboten ist“, heißt es darin. Auf dem gefeierten Klavieralbum ging es aber auch um weniger politische Themen, etwa um Lebensentscheidungen und die Schulzeit.
Mit seiner Band setzt sich Danger Dan, der aus Aachen stammt, gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus ein. Mit Levit trat er in der Vergangenheit auch beim Festival „Jamel rockt den Förster“ in Mecklenburg-Vorpommern auf, mit dem auf die Neonazi-Szene aufmerksam gemacht werden soll. (das/dpa)
