Die bisherigen Spielergebnisse der deutschen Fußballnationalmannschaft nähren Zweifel, ob Hansi Flick der richtige Bundestrainer ist.
Leserbriefe„Fußball-Sommermärchen 2024 bislang nur frommer Wunsch“

Bundestrainer Hansi Flick nach der 0:2-Niederlage der Nationalelf gegen Kolumbien
Copyright: dpa
Nationalelf: Radikale Neuorientierung nötig
Unsere Fußballnationalmannschaft zeigt seit Jahren ein Bild, welches man aus früheren Jahren so nicht gekannt hat. Verloren hat man auch früher hin und wieder. Aber wo sind die schnellen und dribbelstarken Außenstürmer, die auch die gegnerische Abwehr aushebeln können? Wo ist der durchsetzungsstarke Mittelstürmer, der den Ball behaupten und zielsicher im gegnerischen Tor unterbringen kann? Wo ist der Mittelfeldspieler, der auch mal von 18 oder 20 Metern abzieht?
Derartige Tore sieht man jeden Spieltag in der Bundesliga, warum nicht in der Nationalmannschaft? Und wo sind die beinharten Abwehrspieler, die nichts anbrennen lassen? Überhaupt, wo ist der überfallartige Angriffsfußball geblieben, der gegnerische Mannschaften vor große Probleme gestellt hat? Stattdessen das müde Hin- und Hergeschiebe im Mittelfeld. Quer, quer, zurück, ein wenig nach vorne und wieder quer und zurück. Und somit stellt sich die Frage, ob diese Art zu spielen vom Bundestrainer eingeübt wird? Wenn ja, dann muss er durch einen offensiv orientierten Trainer ersetzt werden.
Alles zum Thema Fußball-Bundesliga
- Meistgelesen 2025 Ex-Trainer Helge Hohl spricht über seine Sucht – 300.000 Euro verspielt
- Gremium wird neu besetzt Vereinsikone Stephan Engels soll in den FC-Beirat
- Ein Genie und seine Kritiker Florian Wirtz bekommt viel Rückendeckung aus Deutschland
- Frauenfußball Bayer 04 Leverkusen wird vom SC Freiburg gnadenlos bestraft
- Enttäuschender Abend Viele Diskussionen beim FC nach der Derby-Niederlage
- Erste Berufung ebenfalls mit 19 Das rät Kölns Fußball-Legende Podolski FC-Juwel El Mala beim DFB-Team
- Frauenfußball 1. FC Köln kommt immer besser in Fahrt
Die Bundesligavereine setzen auf wichtigen Positionen Spieler ein, die für die deutsche Nationalmannschaft nicht spielberechtigt sind. Auf diesen Positionen kann also kein deutscher Spieler heranreifen und Weltklasse erlangen. Wir haben eher einen Mangel an Weltklassespielern. Es handelt sich bei der derzeitigen Schwäche unserer Nationalmannschaft und ihres Umfelds um ein systemisches Problem, welches nur durch eine radikale Neuorientierung gelöst werden kann. Wolfram Grube Leichlingen
Nationalmannschaft bislang auf falschem Weg
Ballannahme, sofort der Blick zurück, zwei, drei Ballberührungen und dann den Ball zurückgespielt, kein Vorstoß mit dem Ball am Fuß nach vorne, schnelle Ballweitergabe nach einem Kontakt oder Doppelpässe Mangelware, behäbig, pomadig, ideenlos, dadurch berechenbar, desolat. Der Balljunge bewegt sich mehr als der Spieler Sané. Wenn das der Weg ist, den Flick unbeirrbar geht, in den Medien vertritt und als erfolgversprechend spätestens zur Heim-EM verkauft, dann sollte ihm mal einer – warum nicht sogar vom DFB – sagen, dass das der falsche Weg ist, um erfolgreich im Spiel und bei den Fans zu punkten.
Egal mit welchem Personal. Die Bereitschaft der Spieler, alles zu geben, fehlt völlig; schnellen, spannenden und interessanten Fußball können wir dann zumindest bei anderen Mannschaften genießen, denen man das vielleicht eher nicht zutraut, die aber mit Leidenschaft auf dem Platz für ihr Land auftreten. Spätestens nach dem deutschen Ausscheiden in der Vorrunde ist es wieder so weit. Franz Springer Köln
Nationalelf kommt über Mittelmaß nicht hinaus
Nach dem schwachen Abschneiden der deutschen Mannschaft gegen die Ukraine (3:3) und gegen Polen (0:1) steht erneut die Verantwortlichkeit des Cheftrainers Hansi Flick in der Diskussion. Sein Vorgänger Löw hatte nach dem Gewinn der Weltmeisterschaft 2014 mit der Blamage bei der WM 2018 in Russland und mit dem unbefriedigenden Ausscheiden bei der EM 2021 in England einen in der deutschen Fußballgeschichte einzigartigen Qualitätsniedergang in der Nationalmannschaft verursacht, der in öder Mittelmäßigkeit endete.
In diesem Zustand hat Flick die Mannschaft übernommen und selbst nach seinem WM-Debakel 2022 in Katar bis heute nichts Wesentliches geändert. Die Defensive ist unsicher, dem Mittelfeld fehlen die Spielideen und dem Angriff mangelt es an entscheidender Durchschlagskraft. Wenn Flick dagegen stereotyp erklärt, er vertraue auf die Qualität der von ihm berufenen Spieler, so spricht er damit nur einen Teil der Wahrheit an. Zur Wahrheit gehört auch, dass beim Fußball jeder auch noch so begabte Spieler sich vollständig in das Spielsystem der Mannschaft so zu integrieren hat, dass er in jeder Spiellage für die Mannschaftskameraden mitrennt.
Flick hat eine derartige Mannschaft bis heute – ein Jahr vor Beginn der EM 24 – nicht formiert. Der DFB kann sich als gastgebender Verband nur beglückwünschen, dass sich das DFB-Team nicht für die EM 24 qualifizieren muss. Flicks Bemerkung in der Pressekonferenz nach dem Spiel gegen die Ukraine, das Sommermärchen 2006 könnte sich 2024 wiederholen, ist zurzeit nur ein frommer Wunsch. Klaus-Dieter Scherer Köln


