Die KVB-Studie zu einer Rheinseilbahn, die Kölner Verkehrsprobleme lösen soll, trifft bei Lesern vornehmlich auf Skepsis.
Leserbriefe zur SeilbahnstudieSind ÖPNV-Nutzer schwindelfrei?

Könnte eine Seilbahn dabei helfen, den öffentlichen Nahverkehr in Köln zu entzerren?
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Seilbahn: Planspiel statt ernsthafter Lösung der Verkehrsprobleme
Ein weiteres Kapitel verfehlter Verkehrsplanung in Köln öffnet sich: die neue Seilbahn. Die angepeilte Kapazität beträgt 1500 Passagiere pro Stunde. Ein KVB-Doppelzug befördert etwa 500 Personen. Nur drei Züge in der Stunde mehr, und die ganze Leistung der Seilbahn ist vollbracht, zwei Züge, wenn die 90-Meter-Bahnsteige fertiggestellt sein werden. Die kosten keine 200 Millionen – oder welcher Betrag auch immer am Ende fällig wird.
Und nur am Breslauer Platz trifft die Seilbahn einen Knotenpunkt des ÖPNV; am Zoo und in Deutz sind Wege in Kauf zu nehmen, an der Messe, im Rheinpark und am Deutzer Hafen gibt es keine Anschlussmöglichkeiten. Das ist kein ernsthafter Beitrag, um die in der Tat bestehenden Verkehrsprobleme zu lösen. Das sind Planspiele, die es nicht verdienen, zu 95 Prozent von Bund und Land finanziert zu werden. Und hat schon jemand ermittelt, welcher Prozentsatz der ÖPNV-Nutzer schwindelfrei ist? Reinhard Blanck Köln
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Rheinseilbahn als Gefahr für das Stadtpanorama
Der Artikel „Rheinpendel“ macht mich fassungslos. Im Masterplan für Köln, der vom Rat der Stadt am 5. Mai 2009 als strategische Zielausrichtung für die künftige Entwicklung der Innenstadt beschlossen wurde, heißt es: „Im Sinne eines urbanen und großzügigen Stadteingangs müssen das Bahnhofssystem, die Rheinbrücken und die Uferrundgänge gestalterisch und funktional wesentlich attraktiver ausgebildet werden.“ Ob es sich bei der Seilbahn um eine funktionale Weiterentwicklung handelt, sei dahingestellt.
Aber gestalterisch stellt diese Seilbahn zweifelsohne einen weiteren fürchterlichen Affront gegen das Stadtbild dar. Schlimm, dass es möglich ist, für eine solche Schnapsidee Studien in Auftrag zu geben, während andere, für die Zukunft der Stadt essenzielle Projekte, wie die Ost-West-Achse, seit Jahren in unerträglicher Weise verzögert werden. Und ich warne davor, ausgerechnet den Kölner Verkehrsbetrieben bei einem solchen Projekt Gehör zu schenken. Deren gestalterischer Anspruch für die Stadt kann allenthalben bewundert werden, etwa beim schreiend blauen U-Bahn-Abgang vor dem Rathaus, beim Aufzug in der Sichtachse der Severinstorburg oder bei den megalomanen Säulenbauten rund um den Breslauer Platz.
Von einem auswärtigen Geschäftspartner wurde ich in einem Anfall von Ehrlichkeit gefragt, wieso Köln an so vielen Stellen so hässlich sei. Nun, da bereits die ersten Nachkriegsbauten ersetzt werden, wie gerade am Rudolfplatz geschehen, muss man feststellen, dass es nicht besser, sondern vielfach noch schlimmer wird. Da ist es fast schon folgerichtig, eine unsäglich hässliche Seilbahn quer durch das berühmte Kölner Stadtpanorama zu spannen. Die alsbald rostenden Gestelle und Seile nebst schäbiger Kabinen werden dann schon das Ihre zur hochwertigen Anmutung Kölns beitragen. Nicht ganz im Sinne des Masterplans, aber immerhin konsequent. Gregor Kürten Köln
Seilbahn: Anschlussmöglichkeiten an den ÖPNV bedenken
Der Entwurf für ein Wasserbussystem, das jeder Bürger auf den Internetseiten der Stadt Köln einsehen kann, sieht plausibel und benutzerfreundlich aus, besonders für Pendler. Das Privileg, an einem großen Fluss zu liegen, nutzen viele Städte der Welt für ein solches System. Nun aber wieder ein neuer Irrsinn mit geplanten Seilbahnstrecken.
Für mich praktikabel, denn ich komme dann ganz schnell zur Therme am Rheinpark. Pendler werde ich da vergebens suchen. Da gibt es null Parkplätze. Auch das Umsteigen zur Messe Nord mit der angedachten Nutzung der Messe-Parkhäuser macht keinen Sinn. Berufspendler müssten dann während der zahlreichen Messen in Köln Urlaub nehmen oder Home-Office machen. Aber immerhin käme man vom Rechtsrheinischen schneller zum Zoo-Besuch, und das sogar parallel zur bestehenden Seilbahn. Da stört auch nicht einmal der 15 Minuten lange Fußweg zur nächsten Stadtbahn-Haltestelle Messe Nord.
Auch optisch wird sich Köln sicherlich „verbessern“. Bei der angedachten Verlängerung der Seilbahn zum Ebertplatz würde eine der wenigen schönen Restparkanlagen auch optisch aufgewertet. Man könnte noch drei Windräder da rein stellen, ökologisch sinnvoll. Das Stadtbild ist wahrscheinlich auch so ohnehin nicht mehr zu verschlechtern. Danke, KVB, für diesen tollen Vorschlag. Wilfried Schade Köln
Seilbahn: Zukunftsfähiges Verkehrsmittel
Bolivien zeigt uns mit La Paz, wie eine Seilbahn in einer Großstadt funktionieren kann. Wir befinden uns mitten im Klimawandel. Viele Wasserstraßen sind bereits ausgetrocknet. Köln gewinnt mit einer Realisierung des Rheinpendels und stellt sich in diesen schwierigen Zeiten neu und CO₂-neutral auf. Die Kosten für ein Seilbahnprojekt sind lächerlich gering, wenn man vergleicht, wie viele Milliarden im maroden deutschen Verkehrsnetz versenkt werden.
Das Stadtbild würde profitieren und als Nutzer könnte man sich unabhängig vom Autoverkehr in der Stadt bewegen. Auch touristisch wäre ein Rheinpendel ein Gewinn für Köln und seine Bürger! Die Stadt wird entlastet von Krach, Schmutz und Staus. Die Luftverschmutzung ließe sich reduzieren, sodass Köln zeigen würde, wie man mit dem Klimawandel umgeht und sich neu aufstellt. Die KVB wäre unabhängig von Bund und Land, weil die Seilbahn sich selbst finanziert. Ich hoffe auf eine schnelle Umsetzung für die Stadt und ihre Bürger in so schwierigen Zeiten. Christoph Theisen Köln
Seilbahn oder Wasserbusse?
Bei der Abwägung zwischen Seilbahn und Wasserbussen müssten Kapazität und Transportzeit verglichen werden. Weiterhin die Mitnahmemöglichkeiten von Fahrzeugen. Wozu braucht man Personal? Wäre nicht gerade eine Seilbahn eher als Wasserbusse für ein automatisiertes System geeignet? Wie sind die Stationen gedacht? Aufwändig wie Bahnhofstationen mit Aufzügen? Es gibt Studien zu absenkbaren Kabinen, welche dann als Busse weiterfahren könnten. Eine Kombination von Stauvermeidung durch Seilbahnen und größere Flexibilität durch Busverkehr wäre innovativ. Wurde auch so etwas angedacht? Bisher mutet das Konzept eher altbacken an im Vergleich zu internationalen Erfahrungen und zukünftigen Möglichkeiten. Leider fehlt ein Link, um die Studie genauer zu studieren. Manfred Urbschat Leverkusen
Rheinseilbahn: Den Blick fürs Bezahlbare verloren
Jetzt haben wir es schriftlich, die Kölner Stadtführung aus CDU, Grünen und „Gut“ einschließlich OB und Stadtverwaltung haben den Blick fürs Machbare und Bezahlbare verloren. Das Milliardengrab Oper, das Milliardengrab Nord-Süd-Bahn, das bislang unentschiedene, aber notwendige Milliardengrab Ost-West-Bahn, der Umbau des Museums Ludwig und der Philharmonie, die Sanierung der Zentralbibliothek, die Sanierung des Agrippa-Bades, die maroden und in der Anzahl unzureichenden Schulen, die Idiotie des Zusammenschlusses der Krankenhäuser und damit Aufgabe vorhandener bürgernaher Strukturen, fehlende Kita-Plätze, fehlende Wohnungen – die Liste lässt sich weiter fortführen.
Nun als Sahnehäubchen für eine verfehlte Stadtpolitik die Rheinseilbahn, eine Machbarkeitsstudie der KVB, einem seit Jahrzehnten defizitären Stadtunternehmen, das ungefähr – denn genau weiß man es nicht – 200 Millionen Euro dafür veranschlagt. Das funktionierende Gebilde Wasserbus, siehe Rotterdam, wird abgelehnt und ist zu preiswert in der Umsetzung. Wir Kölner verdienen eine bessere Stadtführung. Michael Esch Köln
Wassertransportsysteme attraktiver als Seilbahn
Seit Jahrhunderten wurden Städte an Flüsse gebaut. Flüsse dienten nicht nur dazu, sie zu besingen oder Ausflugsfahrten anzubieten. Hauptsächlich ging es wohl doch um Transport und Logistik. Und was macht unsere Stadtverwaltung? Sie wirft das Geld zum Fester raus, um eine Machbarkeitsstudie für eine Seilbahn durchzuführen. Da brauche ich keine Studie, um festzustellen: zu teuer und ineffektiv, da die Reichweite fehlt. Und über die optische Wirkung auf das Stadtbild müssen wir gar nicht erst nicht reden.
Dabei machen es doch unsere Nachbarn vor: In Göteborg fahren schon seit Jahren Elektro-Fähren über den Göta Älv. In London fährt man von Greenwich per Schiff in die City nach London, mit der Strömung und sogar mit ordentlichem Tidenhub. Lissabon macht das Gleiche mit seinen Katamaranen im 30-Minuten-Takt. Mit anständigem Equipment ist es sicherlich möglich, Leverkusen-Köln-Bonn zu verbinden, die ein oder andere Rhein-Querung inklusive.
Vor allem muss das Ganze bezahlbar sein. Ich wünsche mir ein Neun-Euro-Ticket für den Nahverkehr in Köln. Solange ich für die Strecke Porz – Köln 3,10 Euro zahle, fahre ich doch lieber mit dem Auto zum Shoppen nach Siegburg. Oliver Strompen Köln

